Datenschutz: WhatsApp

Chat mit Risiko

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KONSUMENT 4/2015 veröffentlicht: 26.03.2015

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WhatsApp ist eines der unsichersten Online-Netzwerke überhaupt. Das Recht auf Datenschutz bleibt bei diesem Messenger komplett auf der Strecke.

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Vor zwei bis drei Jahren hat sich unter Jugendlichen die Ansicht durchgesetzt: Facebook ist "out"; WhatsApp ist die neue Anwendung, über die man sich austauscht. Bald begannen auch immer mehr Erwach­sene, den Dienst zu nutzen. Mittlerweile sind es rund 700 Millionen User weltweit, die jeden Tag rund 30 Milliarden Nachrichten, 700 Millionen Fotos und 100 Millionen Videos teilen.

Datensicherheit schlechter als bei der Konkurrenz

In Österreich wird die Nutzer-Zahl auf über eine Million geschätzt. WhatsApp, so heißt es, hat SMS und MMS so gut wie ersetzt. Klingt nach einer sinnvollen Dienstleistung, die noch dazu kostenlos ist. Sie bringt nur ein großes Problem mit sich: Um die Datensicherheit ist es bei WhatsApp eher schlecht bestellt – noch schlechter als bei vergleichbaren Diensten.

Zugriff auf Kontakte, Standort, Kamera, ...

Das beginnt schon bei der Anmeldung. Wer die App auf sein Smartphone laden will, muss zuerst eine Reihe an fragwürdigen Zugeständnissen machen. Denn der Messenger fordert schon vor der Installation eine Ein­willigung für den Zugriff auf App-Käufe, den Geräte- und App-Verlauf, die Identität des Handybesitzers, seine Kontakte, seinen Standort, seine SMS, Fotos, Medien und ­andere Dateien; auf seine Kamera und sein Mikrofon, seine WLAN-Verbindungsinfos und seine Geräte-ID sowie die Anrufinfor­mationen.

Sprich: Der Dienst lässt sich den Zugriff auf alles bewilligen und kann sich schon bei der Installation alle Daten auf seine Server ziehen – was generell, vor allem aber bei den Kontakten, bedenklich ist. Denn das Unternehmen erhält dadurch Informationen über Menschen, die mit dem Dienst nichts zu tun haben und auch nie ihr Einverständnis zu einem Zugriff gegeben haben.

Erst nach Einwilligung nutzbar

Erst wenn die Einwilligung dazu erteilt ist, gelangt der User auf die Willkommens-Seite, wo er aufgefordert wird, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zuzustimmen und fortzufahren. Den Link zu den AGB klicken die wenigsten überhaupt an, geschweige denn, dass sie den zwölf A4-Seiten langen Text durchlesen oder zumindest überfliegen.  


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Kommentare

  • Alternativen fahrlässig
    von theltalpha am 16.04.2015 um 00:06
    Ein wichtiger Artikel, der vielleicht einigen die Augen öffnet. Leider sind die angeführten Alternativen allesamt Fehlgriffe und deswegen fahrlässig. Alle genannten Alternativen sind proprietäre und/oder quellgeschlossene Software, und somit um nichts besser als WhatsApp. DAS erste und wichtigste Kriterium für abhörsichere Kommunikation ist die Quelloffenheit und Freiheit (FLOSS) der verwendeten Software - wenn ich mir nicht anschauen kann, was die Software macht, kann ich ihr auch nicht vertrauen. In diesem Sinne sind zu empfehlende Alternativen beispielsweise TextSecure, ChatSecure, SMSSecure und Conversations. Grundsätzlich ist es immer empfehlenswert, einen Blick auf die Secure Messaging Scorecard der Electronic Frontier Foundation (https://www.eff.org/de/secure-messaging-scorecard) zu werfen. An und für sich kann man nur Software empfehlen, die dort alle Erfordernisse erfüllt, wenn man auf Abhörsicherheit, auch gegenüber Geheimdiensten, Wert legt.
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