Erste Bank Partizipationskapital

Wenig attraktiv

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veröffentlicht: 15.07.2009

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Die Erste Bank gibt Partizipationsscheine aus und verspricht eine jährliche Rendite von 8 Prozent und mehr. Der Kauf ist dennoch nicht zu empfehlen.

Partizipationsscheine

Die Erste Bank hat Staatshilfe in Form von Partizipationskapital bekommen und bietet derzeit Privatpersonen die Möglichkeit, ebenfalls Partizipationsscheine zu zeichnen.

Anders als Aktien

Ähnlich wie Aktien stellen Partizipationsscheine eine Unternehmensbeteiligung dar. Doch anders als Aktionäre verfügen Inhaber von Partizipationsscheinen über kein Stimmrecht bei der Hauptversammlung. Und die Dividende wird im vorhinein festgelegt. Versprochen werden in den Jahren 2009 bis 2014 je 8 Prozent jährlich, im Jahr 2015 8,5 %, 2016 9  und 2017 9,75 Prozent. Ab 1018 sollen dann die Renditen jährlich um einen Prozentpunkt steigen. Maximal ist ein Wert in Höhe des Indikatorwertes 12-Monats-Euribor  plus 10 Prozentpunkte möglich. Mitte 2008 lag dieser Indikatorwert auf 5 Prozent, da wären somit 15 Prozent Rendite möglich gewesen.

Das liest sich durchaus verlockend. Aber wenn man sich über diese Geldanlage umfassend informieren will, muss sich durch 260 Seiten in englischer Sprache kämpfen. Die deutsche Zusammenfassung kommt mit 14 Seiten aus, allerdings wird da häufig auf die englische Version verwiesen. Und das Zeitungsinserat lockt zwar riesengroß mit 8 % Ertrag, der Hinweis auf einen möglichen Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist jedoch in klitzekleiner Schrift  gedruckt. Diese nicht gerade konsumentenfreundliche Informationspolitik könnte gute Gründe haben.

Ausstieg nicht vorgesehen

Einer der Vorteile von Aktien ist, dass man sie jederzeit wieder zu Geld machen kann. Verkauft man bei schlechten Kursen,  sind aber hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Bei Partizipationskapital ist aber gar kein Ausstieg vorgesehen. Wer sein angelegtes Geld wieder braucht, hat also ein Problem. Die Erste Bank ist zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet, Kurse zu berechnen und Partizipationsscheine zurückzukaufen. An einer Börse werden diese Papiere nicht gehandelt.

Anleger mit Ausstiegswunsch sind also auf den guten Willen der Erste Bank angewiesen. Dieser steht es auch frei, die Partizipationsscheine zu kündigen. Das wird sie jedoch nur dann tun, wenn sie sich das Geld anderswo billiger besorgen kann – wenn also die Kurse niedrig liegen. Bei einer Kündigung muss das Partizipationkapital zu 100 Prozent (ab 2020 zu 150 Prozent) zurückgezahlt werden. In einer Niedrigzinsphase wird ein Anleger dann aber dieses Kapital anderswo nur zu schlechteren Zinsen veranlagen können.

Rendite muss nicht ausgezahlt werden.

Bei Licht betrachtet schaut auch das Renditeversprechen nicht so toll aus. Denn die Dividendenzahlung ist an die Bedingung geknüpft, dass ein entsprechender Gewinn erzielt wurde. Daher kann die Dividende auch ausfallen (und wird auch nicht später ausgezahlt, falls im nächsten Jahr wieder Gewinn geschrieben wird). Und es ist auch durchaus möglich, dass der erzielte Gewinn aus unternehmerischen Gründen nicht ausbezahlt wird. Dann entfällt die Rendite ebenfalls. Den Beschluss dazu muss die Hauptversammlung fällen. Und da haben die Inhaber von Partizipationsscheinen kein Stimmrecht. Immerhin wird auf der Seite www.sparkasse.at bei der Werbung für diese Partizipationsscheine deutlich darauf hingewiesen, dass die Auszahlung auch entfallen kann.

Unser Fazit

Renditeversprechen und tatsächlich erzielte Rendite sind zwei Paar Schuhe. Die Partizipationsscheine der Erste Bank bürden den Anlegern zwar das volle unternehmerische Verlustrisiko auf, bieten ihnen aber keinerlei Mitsprachemöglichkeit. Auch die fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten beurteilen wir sehr kritisch. Denn welcher Normalverdiener kann von sich sagen, dass er sein veranlagtes Erspartes nicht irgendwann doch benötigt?

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