Finanzanalyse

Schlecht beraten

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Konsument 9/2001 veröffentlicht: 01.09.2001

Inhalt

  • Finanzberater sehen sich als Alternative zu Banken
  • Finanzanalyse oft dürftig
  • Riskante Ratschläge

Investmentfonds? Lebensversicherung? Geld richtig anzulegen, ist schwieriger denn je. Viele Österreicherinnen und Österreicher, die bisher nur das Sparbuch kannten, sind damit überfordert. Manche Allfinanzvermittler werben mit umfassender und kostenloser Finanzanalyse. Grund genug für uns, ihnen einmal auf den Zahn zu fühlen. Schon lange vermuteten wir, dass es zungenfertigen Beratern nicht immer um „das am besten für den Kunden geeignete Produkt“, sondern auch um ihre Provision geht.

Beratung ohne Analyse

Unsere Testperson gab sich als PR-Managerin mit gutem Einkommen aus (siehe dazu: „Steckbrief unserer Testperson“). Wegen ihres Pechs mit Aktien wünschte sie sich vom Finanzberater eine solide Pensionsvorsorge sowie einen finanziellen Polster für das spätere Studium des elfjährigen Sohnes.

„Sie scheinen gemütliche Veranlagungen zu bevorzugen, meinen Sie nicht auch?“, mit dieser Suggestivfrage kam der AWD-Berater gleich zur Sache. Nach einer Dreiviertelstunde stellte sich heraus: Er will beim ersten Termin noch keine Vorschläge machen. Dazu benötigt er einen zweiten, den er für einige Tage später ansetzt. Nicht jedoch ohne vorher eingeschärft zu haben, dass er unbedingt fünf Adressen von Freunden und Bekannten zwecks Kontaktaufnahme haben möchte.

Haushaltsversicherung wechseln

Beim zweiten Termin empfiehlt er, die Haushaltsversicherung zu wechseln: nämlich von der Wiener Städtischen, wo jährlich 6744 Schilling zu bezahlen sind, zur Donau Broker Line, wo nur mehr 2042 Schilling fällig wären. Weiters hat er „ein ganz besonderes Schmankerl“: den Immobilienaktienfonds der Immofinanz. Der angebliche Fonds aber ist in Wirklichkeit eine Aktie – also genau das, was dem Bedürfnis unserer Testperson nach einer risikoarmen Anlage nicht entspricht. Wenigstens riet er zu einem Sparplan mit Zürich Global Invest, einem Mischfonds. Dafür empfahl er, die Austria Tabak Aktie zu verkaufen, eventuell auch den Europe Stock-Fonds von der Capital Invest.

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