Gastgärten

Lust und Frust in der Sommernacht

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Konsument 4/2002 veröffentlicht: 01.04.2002, aktualisiert: 03.04.2002

Inhalt

Was dem einen Freud ist dem anderern Leid

Was dem einen Frohsinn, ist dem anderen Lärm. Mit diesem Problem hadert die Menschheit wahrscheinlich schon, seit die ersten Neandertaler zwei Steine rhythmisch gegeneinander geschlagen haben.
Durch den technischen Fortschritt hat sich die Situation dramatisch verschärft. Heute genügt ein Turbo-Autoradio, um ganze Straßenzüge aus dem Schlaf zu dröhnen.
Unter den zahllosen Spielarten des Lärms, denen die Menschheit ausgesetzt ist, scheint der Gastgarten zu den harmloseren zu zählen. Zumindest beim ersten Hinhören ist da für gewöhnlich nichts, das auch nur annähernd an den Schrecken eines Presslufthammers herankäme.
Dass die Nachbarn trotzdem so oft entsetzt die Hände über den Ohren zusammenschlagen, wenn sich unter ihren Fenstern ein Gastgarten auftut, dürfte mehrere Ursachen haben.

Erstens: Auch bei Gastgärten gibt es solche und solche. Speziell tagsüber geben sich manche akustisch so harmlos, dass sie im städtischen Verkehrslärm fast wie eine Oase der Stille wirken.
Zweitens: Lärm wird als störend erst empfunden, tritt er auf in den Nachtstunden. Und wenn er auch keine außergewöhnliche Stärke erreicht, so höhlt steter Lärm trotzdem den Nerv.
Drittens haben es Sommernächte gern an sich, dass sie umso lustiger werden, je später es wird. Je lauer der Abend, desto lauter die Gäste. Gleichzeitig wächst bei den Ruhebedürftigen der Zorn, je später es wird.
Viertens ist zwar das alte Lied „Ich bin ein stiller Zecher und sing die ganze Nacht“ speziell bei der Jugend ziemlich aus der Mode, aber starke Stimmen setzen sich auch ohne Gesang durch.

Alles in allem: Eine Lösung des Problems Gastgarten ist nicht in Sicht. Es sei denn, jemand erfindet den Trend zum „Indoor-Gastgarten“ – es gibt ja auch schon überdachte Skipisten.
Wenn nicht, bleibt den Ruhegestörten nur die Hoffnung auf einen verregneten Sommer.

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