Geldanlage der HypoVereinsbank

Crelino Anleihe auf die Republik Österreich

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veröffentlicht: 29.01.2009

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Derzeit befinden sich die Zinsen im Sinkflug. Manche Sparer halten daher wieder Ausschau  nach attraktiveren Anlageformen. Derzeit wird die Crelino Anleihe auf die Republik Österreich angeboten. Sie wird von der bayrischen HypoVereinsbank emittiert, die zur UniCredit Group gehört.

Keine Staatsanleihe

„Nutzen Sie jetzt rot-weiß-rote Renditechancen!“ heißt es in der Kurzdarstellung der Anleihe. Aber der Verweis auf die Republik Österreich könnte in die Irre führen: Es handelt sich keineswegs um eine Anleihe der Republik Österreich. Die Sache ist komplizierter: Bei diesem so genannten „credit-linked-Wertpapier“  hängt die Rückzahlung der Anleihe davon ab, ob Österreich seine  Schulden bezahlt oder nicht, also sozusagen um eine Wette, ob Österreich weiterhin ein Schuldner höchster  Bonitätsstufe (Triple A-Rating) bleibt.In diesem Fall winkt eine jährlicher Zinszahlung von 4,75% des eingezahlten Betrages.

Die Laufzeit beträgt fünf Jahre und gut einen Monat. Danach wird zusätzlich der eingezahlte Betrag in voller Höhe zurückgezahlt, "sofern kein Kreditereignis bei Referenzschuldner eintritt“.

Aber was ist unter einem solchen "Kreditereignis“ zu verstehen?  Im ausführlichen Prospekt wird das so erklärt:

  • Nichtzahlung von definierten Verbindlichkeiten
  • Nichtanerkennung/Moratorium
  • Restrukturierung von definierten Verbindlichkeiten

Die beiden ersten Punkte sind klar: Das „Kreditereignis“ ist dann gegeben, wenn die Republik Österreich ihre  Schulden nicht bezahlt, nicht anerkennt oder ein Moratorium (Zahlungsaufschub) beantragt. Weniger klar ist die „Restrukturierung von definierten Verbindlichkeiten“. Nun ist es aber üblich, dass Staaten ihre Verbindlichkeiten jährlich umschichten. Könnte auch dieser routinemäßige Vorgang gemeint sein?

Wesentliche Fragen bleiben offen

Das bleibt nicht die einzige Unklarheit. Unter den Bedingungen, die ein Kreditereignis auslösen können, ist unter anderem aufgezählt: „Eine tatsächlich oder behauptete Nichtdurchsetzbarkeit, Rechtswidrigkeit, Unmöglichkeit oder Unwirksamkeit einer spezifizierten Verbindlichkeit…“

Das könnte streggenommen bedeuten, dass das Kreditereignis auch dadurch ausgelöst wird, dass ein Wirtschaftsinstitut behauptet, Österreich könne seine Verbindlichkeiten nicht zurückzahlen. Oder wenn die Bonität zurückgestuft wird.

Diese Unklarheiten werden jedoch nicht erläutert. Die Antwort auf die Frage, unter welchen Bedingungen die Bank ihre Anleihe nicht zurückzahlen muss, bleibt der Wertpapierprospekt schuldig.
Aber entscheidend ist darüber hinaus etwas gänzlich anderes: Der Gläubiger ist die bayrische HypoVereinsbank. Auch diese Bank kann – siehe das Beispiel Lehman Brothers und andere Bankinstitute – pleite gehen. Auch dann sieht der Anleger möglicherweise keinen Cent von seinem Geld wieder! Die staatliche Einlagensicherung ist hier nämlich nicht zuständig.

Gefahr des Totalverlusts

Doch das liest man so nicht in dieser Deutlichkeit. Erst wenn man sich im ausführlichen Prospekt durch 25 von 29 Seiten Fachchinesisch gequält hat, kommt man zum springenden Punkt: "Der Kauf von Credit Linked Wertpapieren birgt wesentliche Risiken und ist nur für Investoren geeignet, die über Kenntnisse und Erfahrungen in finanziellen und geschäftlichen Angelegenheiten verfügen, die es ihnen ermöglichen, die Risiken und Vorteile einer Investition in Credit Linked Wertpapiere zu beurteilen. Gemäß den Wertpapierbedingungen kann abhängig von der Wertentwicklung der Referenzverbindlichkeit … die Rückzahlung des Wertpapiers zu deutlich weniger als 100 Prozent erfolen und im ungünstigsten Fall zum vollständigen Verlust der in dieses Wertpapier investierten Mittel führen“.


Dieser Warnung ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Bedenklich ist vor allem, dass sich dieses strukturierte Investment auch an Kleinanleger richtet: Schon mit 100 Euro ist man dabei. 

Unser Fazit

Die Verzinsung, die für die Crelino Anleihe auf die Republik Österreich der HypoVereinsbank geboten wird, liegt mit 4,75 % über dem derzeit üblichen Zinsniveau. Die uralte Anlegerweisheit: „Höhere Zinsen sind gleich höheres Risiko“ gilt auch hier. Vereinzelt sind noch Angebote über 4 Prozent Sparzinsen zu finden. Ob etwas darüber liegende Zinsen das mögliche Risiko dieses Papiers rechtfertigen können, wird erst die Zukunft weisen. Von Wetten auf zukünftige Entwicklungen sollten risikoscheue Anleger jedenfalls die Finger lassen!

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Bild: VKI