Gesundheitsdaten: Fit für die Versicherung

Kommentar von Bernhard Matuschak

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KONSUMENT 1/2015 veröffentlicht: 23.12.2014

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Der Versicherungskonzern Generali will (zunächst in Deutschland und Frankreich) Kunden, die eine private Krankenversicherung haben mit Gutscheinen und Prämienrabatten belohnen. Sie müssen dafür persönliche Fitnessdaten preisgeben. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak.

  Bernhard Matuschak (Bild: U. Romstorfer/VKI)

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Bernhard Matuschak

Persönlicher Gesundheits-Check

Der Versicherte muss dazu etwa sportliche Aktivitäten dokumentieren sowie Einblick in seine Ernährungsgewohnheiten und Lebensführung (z.B., dass er nicht raucht oder trinkt) gewähren. Der Konzern verkauft das Angebot als eine Art persönlichen Gesundheits-Check für den Kunden. Was so verführerisch und vernünftig daherkommt, hat allerdings mehr als nur einen Pferdefuß.

Nachteile der privaten Krankenversicherung von Generali

1. Mit dem Generali-Modell wird der Versicherungsgedanke, ein individuelles Risiko im Kollektiv abzusichern, ad absurdum geführt. Das Belohnungsmodell führt nämlich letztlich dazu, dass die Prämienhöhe sich nach dem persönlichen Risiko bemisst. Was wird dann also versichert?

2. Dem Kunden wird suggeriert, eine „gesunde“ Lebensführung werde belohnt. Betrachtet man die Sache jedoch aus einem anderen Blickwinkel, so wird ein „ungesunder“ Lebenswandel bestraft.

3. Wer sich für das Generali-Modell erwärmt, sollte sich bewusst sein, dass er im Alter, wenn die sportliche Leistungsfähigkeit nachlässt, genauso draufzahlt. Am Ende gehört also jeder zu den Verlierern.

4. Wer glaubt, ein gutes Geschäft zu machen, indem er seine persönlichen Daten gegen Gutscheine und Rabatte eintauscht, könnte sich gewaltig irren. Hinter dem Geschäft mit Daten steckt in vielen Fällen Abzocke. Konsumenten lassen sich allzu gerne mit einer lächerlichen Prämie für den persönlichen Datensatz abspeisen, die den wahren Wert nicht im Entferntesten widergibt.

5. Wir wissen nicht, was mit unseren Daten geschieht. Wer außer dem Generali-Konzern wird noch Profit daraus ziehen?

6. Wir sollten uns bewusst sein, dass Überwachungs- und Datensammelwut auf einen neuen Level gehoben werden und dass wir vor lauter Selbstoptimierung zum Hamster im Laufrad verkommen.

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