Gewinnspielbetreiber verurteilt

"Sie haben eine Million gewonnen"

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KONSUMENT 12/2014 veröffentlicht: 20.11.2014

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Gewinnspielbetreiber „Friedrich Müller“ wurde vom Landesgericht für Strafsachen Wien wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges zu vier Jahren unbedingter Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ein weiterer Prozess wurde neu eröffnet.

Gewinn vorgegaukelt

Vor zehn Jahren war Gerhard B. alias „Friedrich Müller“ ein bekannter Mann. Damals bekamen vor allem ältere Personen häufig Post von dem Versandhaus-Geschäftsführer. „Sie haben eine Million gewonnen!“ lautete die erfreuliche Nachricht, die „Friedrich Müller“ an hunderttausende, meist ältere Personen in Österreich, Deutschland und andere Länder verschickte. Man müsse nur noch eines tun, den Gewinn über eine Mehrwertnummer anfordern. Viele der vermeintlichen Glückspilze riefen an, dabei war der Hauptgewinn längst in einer Vorauslosung einer bestimmten Person zugeteilt worden. Forderte diese den Gewinn jedoch nicht an, sparte sich das Versandhaus die Auszahlung und machte auf diese Weise – mit dem Mehrwertentgelt – hohe Millionengewinne.

Enttäuschte Gewinner

Zurück blieben hunderttausende enttäuschte Personen, die Mehrwertentgelt für nichts bezahlt hatten. Einige Pensionisten reisten gar von Deutschland nach Wien, um sich den vermeintlichen Millionengewinn selbst abzuholen. Sie blieben auf den Kosten für die Zugtickets sitzen.

VKI-Anzeigen

Der VKI klagte die irreführenden Gewinnzusagen mehrmals ein. Aber erst strafrechtliche Ermittlungen, die aufgrund der VKI-Anzeigen eingeleitet wurden, machten dem Spuk in Österreich ein Ende. Dafür trat „Friedrich Müller“ nun in anderen europäischen Staaten nach derselben Methode in Erscheinung.

Vier Jahre Gefängnis

Die nun vom Landesgericht für Strafsachen Wien abgeurteilten Fälle beziehen sich auf Gewinnzusagen, die B. 2008 an deutsche Verbraucher verschickt hatte. Das noch nicht rechtskräftige Urteil lautet auf schweren gewerbsmäßigen Betrug abzubüßen mit einer vierjährigen unbedingter Freiheitsstrafe. „Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlen vielleicht langsam, aber sie mahlen“, kommentiert Mag. Ulrike Wolf, Juristin im Bereich Recht des VKI das Urteil. „Wir hoffen insbesondere auf die abschreckende Wirkung des Urteiles auf Trittbrettfahrer derartiger unlauterer Methoden.“

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Kommentare

  • Gewinnspiele
    von ling am 21.11.2014 um 09:55
    Es ist sehr gut, dass es den VKI und "Konsument" gibt, denn solchen Betrügern gehört das Handwerk gelegt. Wichtig ist auch, dass - sofern dieses Urteil mit 4 Jahren Haft bereits rechtskräftig ist - es sich um eine unbedingte Strafe handelt, dh, dass der/die Täter/innen auch wirklich eine Haftanstalt von innen sieht/sehen. Erschreckend ist allerdings der Hinweis auf den freigesprochenen Mitbeteiligten, der sieben Jahre auf sein Verfahren warten musste. Leider ist eine solche Verfahrensdauer kein Einzelfall in unserem Land. Was ich jedoch allgemein dazu sagen möchte, ist: Wir leben heutzutage in einer Zeit, in der man meint, dass die Menschen aufgeklärt und einigermaßen skeptisch sind. Es gibt praktisch weltweite Informationen in Echtzeit, Fernsehen, Radio, Printmedien sind für niemanden mehr Luxus - man kann sich informieren. Leider ist es noch immer so, dass von einem überwiegenden Teil der Bevölkerung grundsätzlich geglaubt wird "was in der Zeitung steht" und "im TV gesendet wird". Damit ist es schon lange vorbei. Soferne ein Medium von Sponsoren und Werbekunden abhängig ist, bleibt Objektivität ein Fremdwort. Deshalb zahle ich gerne wesentlich mehr für ein Magazin wie "Konsument", habe aber die Sicherheit, dass die Inhalte neutral bleiben. Die Frage zum erwähnten Betreff ist: Wer hat einem etwas zu schenken, ohne dass man überhaupt an einem Gewinnspiel teilgenommen hat? Niemand. Ich käme nie auf die Idee auch nur einem Finger krumm zu machen, um einen solchen "Gewinn" einzufordern. Die Sache schreit ja förmlich nach "Schmäh", Betrug oder neudeutsch "Abzocke". Ich frage mich wirklich wer noch so dumm sein kann sich von derartigen Angeboten beeindrucken zu lassen? Offenbar ein nicht zu unterschätzender Bevölkerungsanteil. Ähnliches gilt übrigens auch für die derzeit massenhaft kursierenden Mails mit fast schon kreativen Betreffangaben: "Von Notar bestätigt: ...", "Arbeitsloser streift Millionengewinne ein", etc. Auch hier werden Einkünfte in astronomischer Höhe versprochen, dahinter ist jedoch nichts. Was man in diesen Spam-Mails oftmals gratis mitgeliefert bekommt, ist der neueste Trojaner, der die Angelegenheit meistens ins Gegenteil verkehrt, nämlich, dass es ab jetzt sehr teuer werden kann. Doch es müssen ja nicht gleich Gewinnspiele wie im genannten Fall sowie Phishing-Mails sein. Es reicht oft schon die gute alte Teilnahmekarte am Gewinnspiel im Supermarkt, bei Hausmessen sowie in Baumärkten. Ich bin immer wieder überrascht wie schnell der Stift gezückt und gleich mehrere dieser Karten (mit allen Daten) ausgefüllt und eingeworfen werden. So leicht gelangen Unternehmen an Verwertbares (die Betonung liegt auf "Wert"). Von den sozialen Netzwerken als wahre Datenschleuder möchte ich hier gar nicht reden. Ich habe schon mehrmals versucht Leute auf der Straße anzureden und um Name, Adresse und Telefonnummer zu fragen - mit viel Glück bin ich nicht beschimpft worden, Daten habe ich keine erhalten. Bei Teilnahmekarten sind die Leute wesentlich toleranter. Hier werden Informationen preisgegeben, die man sonst nicht so einfach erhalten würde. Es muss also in den Gewinnaussichten ein derartiger Anreiz liegen, dass man ganz einfach nicht widerstehen kann. Lottospiel ist ja ganz ähnlich gelagert, wenngleich die Chancen viel geringer sind. Fazit: Vieles erscheint gratis, nichts ist umsonst, denn es kostet jedenfalls Daten. Und diese sind anscheinend viel Geld wert. PS: Die Täter/innen widme ich den Freunden der gegenderten Schreibweise, denn bei allen krampfhaften Versuchen diese durchzusetzen werden solche Begriffe gerne übersehen. Oder haben Sie schon einmal eine Geisterfahrer/innen-Warnung gehört?
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