Gutschein

Panne nicht zugegeben

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Konsument 11/2004 veröffentlicht: 15.10.2004, aktualisiert: 20.10.2004

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Als Weihnachtsgeschenk hatte Frau Taucher Gutscheine bekommen. Die böse Überraschung folgte, als sie damit einkaufen wollte.

Was schenkt ein Mann seiner Herzdame, wenn er die Konfektionsgröße nicht genau weiß? Hier haben findige Marketingleute den Geschenkgutschein erfunden. 

So war die Freude von Tatjana Taucher groß, als sie unter dem Christbaum ein Gutscheinheft der Firma Benetton vorfand. 250 Euro hatte ihr Freund, Herr Vogler, dafür ausgegeben. Im Juni wollte Frau Taucher beim Benetton-Ausverkauf zuschlagen. Doch die elektronische Kassa akzeptierte den Gutschein nicht.

Nicht existent . „Seltsam“, meinte die ratlose Verkäuferin, „da ist zwar die Unterschrift von der Kollegin drauf, die ich kenn, aber die Kassa nimmt mir’s nicht.“  Es folgte der Rat, die Filiale in der Kärntner Straße aufzusuchen, wo die Gutscheine ausgestellt worden waren. Dort erfuhr Frau Taucher Niederschmetterndes: „In unserem Buchungsprogramm existiert Ihr Gutschein gar nicht.“ Zwar war ein Gutschein am selben Tag verkauft worden, aber lediglich im Wert von 150 Euro. 

Unter falschem Verdacht . Schlagartig war es aus mit der Freundlichkeit. „Der Gutschein kann auch gestohlen worden sein“, hieß es. Da half es nichts, dass Frau Taucher sich auf ihren Freund berief. Der könne bestätigen, dass er das Gutscheinheft redlich und um den Preis von 250 Euro erworben habe. Das Gutscheinheft wurde einbehalten. Klärung könne vielleicht die Videoaufzeichnung des Kaufvorganges bringen, das würde aber dauern.

Langwierige Verhandlungen . Nun hatte Frau Taucher keine Gutscheine mehr, dafür stand der Verdacht einer Straftat im Raum. Als wir eingeschaltet wurden und nachfragten, bekamen wir die Auskunft: Im System gäbe es lediglich 150 Euro, die 250 seien ein Irrtum. Schließlich schickten wir ein energisches Schreiben an die Firma: Es gab keinerlei Indiz, dass Herr Vogler für die Gutscheine nichts oder zu wenig bezahlt hatte. Im Gegenteil, auch ein beim Kauf anwesender Bekannter kann die 250 Euro bezeugen. Es ist unfair, wenn ein Fehler des Unternehmens zu Lasten des Kunden geht.

Dies wirkte dann doch. Frau Taucher bekam neue Gutscheine ausgestellt. Doch die Frage bleibt: Warum muss ein Weltkonzern so kleinlich sein, wenn ihm eine Panne passiert?

Namen betroffener Konsumenten wurden von der Redaktion geändert.

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Bild: VKI