Lebensversicherung

Hände weg

Seite 1 von 13

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 8/2010 veröffentlicht: 20.07.2010

Inhalt

  • Nicht zur Altersvorsorge geeignet
  • Trotz langer Laufzeiten bestürzend niedriger Ertrag
  • Ablebensschutz oft zu gering

Herr Sch. freute sich: Seine Tochter hatte ihm den lang ersehnten Enkel geschenkt und wollte nun mit ihrer Familie in eine größere Wohnung ziehen. Dabei wollte er sie kräftig unterstützen. Bald würde die Er- und Ablebensversicherung fällig, die er 1989 abgeschlossen hatte. Zwanzig Jahre lang hatte er jährlich einen größeren Betrag eingezahlt, insgesamt an die 75.000 Euro. Nach den Prognosen des Beraters sollten weit über 100.000 Euro zusammengekommen sein.

Große Enttäuschung

Doch dann die große Enttäuschung: Knapp über 92.400 Euro zahlte der Versicherer aus – das entsprach gerade einmal einer Nettorendite von 2,4 Prozent, wie Herr Sch. errechnete, und das über 20 Jahre! Noch größer der Frust bei Frau G.: Sie hatte im Jahr 2000 zwei Er- und Ablebensverträge mit jeweils rund 7.300 Euro abgeschlossen. Nach zehn Jahren erhielt sie pro Polizze etwa 8.250 Euro ausgezahlt – das waren schlappe 1,26 Prozent Rendite!

Beispiele wie diese landen nach wie vor zuhauf bei uns, und wie es aussieht, wird sich daran noch lange nichts ändern. Denn obwohl wir schon vor einem Jahr auf das schlechte Abschneiden von Lebensversicherungen hingewiesen haben, werden sie nach wie vor mit Hochdruck vertrieben. Die Zahl der Verträge ist zwar leicht rückläufig, Versicherungssummen und Prämien steigen aber weiterhin an.

Alle profitieren – nur der Kunde nicht

Extrem hoch ist nach wie vor auch die Stornoquote: Mehr als 50 Prozent der Lebensversicherungspolizzen werden vorzeitig wieder gekündigt.

Und wie die noch immer hohe Abschlussrate annehmen lässt, dürften viele der Aussteiger schon kurz darauf in den nächsten Vertrag einsteigen – auf Empfehlung eines Beraters, der ihnen mit einem Neuvertrag die Aussicht auf höhere  Erträge und bessere Konditionen eröffnet. Die Statistik besagt, dass im Durchschnitt nach sieben Jahren Laufzeit gekündigt wird.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
3 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Auskunftsverweigerung der Versicherer
    von REDAKTION am 10.09.2010 um 12:42
    Unserer Meinung nach haben Sie das Recht auf Auskunft. Wir raten, Ihre Fragen nochmals per Post (am besten eingeschrieben) zu stellen. Bei E-Mails ist es nie sicher, ob sie auch tatsächlich an die richtige Stelle gelangen. Kundenfreundliche Versicherer sollten aber auch E-Mails umgehend beantworten! Ihr KONSUMENT-Team
  • Auskunftsverweigerung meiner Versicherer
    von karlinger am 09.09.2010 um 21:18
    Ich muss die Einschätzung von User spock und der Redaktion zur Auskunftsfreudigkeit der Versicherer zu Fragen nach den Kosten leider bestätigen. Ich habe Lebensversicherungsverträge bei drei Versicherern, und habe nach dem interessanten Bericht in KONSUMENT eine Anfrage über die angefallenen Einmalkosten bzw. die laufend anfallenden Kosten jeweils per E-Mail an die Versicherer gerichtet. - Vom Versicherer Finance Life habe ich (als einzigem) rasch und fundiert die gewünschten Auskünfte erhalten. In der Sache waren sie wie erwartet frustrierend. - Vom Versicherer Uniqa habe ich nach 7 Kalendertagen eine E-Mailbestätigung darüber bekommen, dass meine Anfrage an den zuständigen Makler weitergeleitet wurde (was ich an sich schon für eine Zumutung halte, weil mein Vertragspartner die Versicherung ist und nicht der Makler). Seither (wir halten heute bei Tag 17) habe ich weder von Uniqa noch vom Makler irgendetwas gehört. - Vom Versicherer Standard Life habe ich eine automatische Eingangsbestätigung am Tag meiner Anfrage erhalten. Seither (ebenfalls heute Tag 17) habe ich nicht mehr von Standard Life gehört. Habe ich ein (theoretisch) einklagbares Recht auf Erteilung dieser Kostenauskünfte?
  • Fondsgebundene Lebensvesicherung
    von REDAKTION am 26.08.2010 um 10:34
    Ein Berater haftet für seine Beratung: Das Problem dabei ist allerdings, dass Sie die Falschberatung beweisen müssen (durch Aufzeichnungen, Zeugenaussagen usw.) Nur dann haben Sie bei einer Schadenersatzklage Aussicht, Ihre Ansprüche durchzusetzen. Sie haben das Recht, vom Versicherer über die Kosten informiert zu werden. Wir raten, dies schriftlich (am besten eingeschrieben) zu fordern. Nach unseren Erfahrungen muss man hier leider lästig sein... Ihr KONSUMENT-Team
  • Kostenfrechheit Fondsgebundene LV
    von spock am 25.08.2010 um 21:21
    Leider habe ich vor 8 Jahren eine FLV abgeschlossen. Mein Berater hat nichts von Kosten erwähnt, sondern nur Anteile, die für die Lebensversicherung verwendet werden (was ja klar ist). Heute fehlt die Hälte aller meiner Prämien!! Wie stehen die Aussichten, rechtlich gegen den Berater vorzugehen?? Zweitens frage ich mich, wie man gegen den Versicherer vorgehen kann, der mir hartnäckig jegliche Auskunft über Kosten verweigert? Drittens empfehle ich jedem, der in so einem Vertrag steckt einen Ausstieg zu überlegen!! Den Betrag, den ich jetzt beim Ausstieg verliere (Vertragsvermögen-Rückkaufwert), habe ich in 3-4 Jahren durch die gesparten Kosten wieder herinnen. Ansonsten würde ich mich weitere 20 Jahre am Gewinn des Versicherers beteiligen (trifft das Wort Gewinnbeteiligung besser).
  • Abschreibung
    von allerhand am 24.08.2010 um 09:12
    Habe vor 8 Jahren eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen, die eine Laufzeit von 15 Jahren hatte. Mit ein Grund für den Abschluß damals, waren auch die steuerlichen Vorteile. Vor 23 Jahren konnte ich noch einen wesentlich höheren Teil der Prämie beim Finanzamt abschreiben als am Ende der Laufzeit. Dadurch war auch der effektive Gewinn letztlich sehr klein. Dies wäre vielleicht auch einen Absatz in diesem Bericht wert gewesen.
Bild: VKI