Lebensversicherungen: wenig Ertrag

Nur ein Teil wird veranlagt

Seite 1 von 1

Konsument 7/2009 veröffentlicht: 13.07.2009

Inhalt

Viele Konsumenten wollen für ihr sauer Erspartes einen sicheren Hafen. „Lebensversicherungen boomen wieder“, hört und liest man allerorten. Wenn man die Fakten kennt, ist diese Begeisterung aber nur schwer nachvollziehbar. Ein Editorial von "Konsument"-Redakteurin Veronika Kaiser.

Veronika Kaiser (Bild: Wilke) 
Dr. Veronika Kaiser

Derzeit gehen die Börsen nach unten. Viele Konsumenten wollen ihr Erspartes mit Lebensversicherungen sichern. Tatsache ist: Lebensversicherungen werfen oft weit weniger ab, als der Berater versprochen hat. Das zeigt unsere Analyse.

Viele Konsumenten glauben, alles was sie an Prämien einzahlen, werde 1 : 1 veranlagt. Verkauft werden aber hauptsächlich kombinierte Er- und Ablebensversicherungen. Da wird nur ein Teil veranlagt, nicht jedoch die Prämie für die Ablebensversicherung. Die soll ja etwaige Hinterbliebene beim Tod des oder der Versicherten finanziell unterstützen.

Der Rest für Spesen

Aber brauchen alle Lebensversicherungskunden wirklich diese Absicherung? Gut, es gibt auch "reine" Erlebensversicherungen. Aber selbst hier werden von 100 eingezahlten Prämien- Euros bestenfalls 85 veranlagt. Der Rest geht für Spesen drauf.

Was vielen Kunden außerdem nicht klar ist: Fix ist nicht der Zinssatz, der in der Werbung prangt und den der Berater nennt sondern nur der Garantiezinssatz. Und der liegt derzeit bei mickrigen 2,25 Prozent! Wenn man bedenkt, dass Lebensversicherungen meist über zehn und mehr Jahre laufen sollen, keine berauschende Perspektive. Geworben wird allerdings mit Renditen zwischen 4 und 4,5 Prozent.

Nicht einmal ein Prozent jährlich

Die Versicherer tun wenig, um solche Missverständnisse aufzuklären. Enttäuschungen sind also vorprogrammiert. So betrug der tatsächliche Ertrag in einem bei uns dokumentierten Fall nicht einmal ein Prozent jährlich! Und das, nachdem die Konsumentin zwölf (!) Jahre lang eingezahlt hatte. Mit jedem Sparbuch hätte sie locker mehr lukrieren können – und wäre auch nicht so lange gebunden gewesen.

KONSUMENT-Probe-Abo