Maturareise: Alkoholwerbung

VKI klagt DocLX und Summersplash

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veröffentlicht: 24.10.2011, aktualisiert: 25.10.2011

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DocLX Travel Events (mit Ruefa) und Splashline (mit TUI) organisieren Maturareisen. Beide Firmen werben aggressiv mit hochprozentigem Alkohol, der jederzeit und überall zur Verfügung stünde. Der VKI klagt nun beide auf Unterlassung.

Die beiden Unternehmen bieten Reisen in den Maturajahrgängen österreichischer Schulen an. Gleichzeitig ist in vielen Bundesländern den Schülern nach den Jugendschutzbestimmungen der Konsum harter Getränke verboten. Ebenso wie es für Radio und Fernsehen Werbebeschränkungen gibt und man damit – so das Schulunterrichtsgesetz – an Schulen keine Werbung treiben darf. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) geht daher gegen diese aggressive Alkohol-Werbung mit Verbandsklage nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) vor und klagt auf Unterlassung solcher Werbemaßnahmen.

Alkohol "dauernd und rund um die Uhr" 

DocLX wirbt in den Prospekten prominent damit , dass im Preis „24/7 Ottakringer, Bacardi und Eristoff“ inbegriffen seien. So lautet der Werbeslogan: „AUF EUCH WARTET DIE BESTE PARTY EURES LEBENS“ und weiter in Fettdruck: "Und das Beste. Erstmals gibt’s in der Geschichte von Event-Maturareisen Ottakringer Bier, Bacardi und Eristoff jederzeit und überall und immer und alle Tage und die ganze Woche und dauernd und rund um die Uhr und im gesamten Club 4 FREE!“

Weiter im Prospekt finden sich Fotos von fröhlich feiernden Mädchen vor Cocktailgläsern, die Fotografen mit Wodka-Flaschen zuprosten.  Strahlende Mädchen küssen Rum-Flaschen und halten diese in die Kamera. Und wieder der Slogan: „IMMER UND ÜBERALL BACARDI RUM & ERSTOFF VODKA 4 FREE“.

"Premium Alkohol ... von 0-24h"

Splashline bewirbt das Matura-Event 2012 "Summer Splash" auf der ersten Seite des Kataloges sinnigerweise mit einer – aus Menschen im Pool – geformten Flasche von "Absolut-Vodka“. Auf der Homepage erfährt man: „Premium Alkohol wie Absolut Vodka und Havana Club Rum im All Inclusive Konzept von 0-24h! Wir bleiben unserer Linie treu – Summer Splash ist auch 2012 die Maturareise, bei der es rund um die Uhr Absolut Vodka, Havana Club Rum und die passenden Qualitäts-Beigetränke gibt!“ Dazu finden sich zahlreiche Bilder, auf denen Jugendliche mit Rum- und Wodkaflaschen in der Hand in die Kamera lachen. 

Schutz der Jugendlichen vor Alkoholsucht

"Während Mediziner besonders vor Alkohol für Jugendliche warnen und der Gesetzgeber daher auch  Werbeverbote im Fernsehen und Radio vorschreibt, werden hier Matura-Reisen als Alkohol-Spektakel zu verkaufen versucht“, zeigt sich Dr. Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI empört. In mehreren Bundesländern ist den jeweiligen Jugendschutzgesetzen zufolge die Abgabe an und der Konsum von hochprozentigem Alkohol durch Minderjährige sogar verboten.

Während in den Schulen Suchtprävention betrieben wird, öffnen viele Schulen den Maturareise-Anbietern Tür und Tor.  Dies offenbar ohne Kenntnis der - wie in diesem Fall - aggressiven Alko-Werbung.

VKI klagt Auftraggeber der Alko-Werbung

Der VKI hat daher nunmehr gegen DocLX und Splashline als Auftraggeber dieser Werbelinie Verbandsklage nach dem UWG eingebracht. "Wir verlangen die Unterlassung solcher Alko-Werbung insbesondere bei Maturareisen, weil gerade Jugendliche vor Alkoholsucht besonders zu schützen sind“, sagt Dr. Peter Kolba. "Wir betreten damit juristisches Neuland und hoffen, das Verbot aggressiver Werbung so mit Leben zu erfüllen."

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Kommentare

  • Maturareisen mit Alkowerbung
    von ams wien am 01.11.2011 um 11:24
    Seit Jahren wundere ich mich, wie Schulen es zulassen, dass Reiseveranstalter für Reisen, wo Alkohol im Mittelpunkt steht in den Schulen werben dürfen. Was denken sich die Veranstalter und die Eltern wenn Jugendlichen alkoholisiert vom Partyschiff wieder an den Strand schwimmen? Hat man vergessen, dass vor wenigen Jahren 3 deutsche Maturanten auf einer "ALkoholmaturareise" wegen gepanschtem Alkohol gestorben sind? Würden Eltern für sich selbst eine Reise in einem Mehrbettzimmer, mit schlechter Ess-und Trinkqualität zu überhöhten Preisen buchen? Noch dazu meistens in Ländern, wo Alkohol hoch besteuert ist, und die Kosten von Qualität den Gewinn minimieren würden. Ich frage mich, wo ist unsere Gesellschaft angekommen, dass wir Eltern bereit sind sogar noch dafür viel Geld zu bezahlen, unsere Kinder, in jeder Hinsicht, hohen Risiken auszusetzen. Zahlen wir für eine eventuelle Bewusstlosigkeit durch Alkohol bei unseren eigenen Kindern?
  • wer bietet mehr promille?
    von powerplana am 28.10.2011 um 11:11
    ich finde das ungeheuerlich, dass die veranstalter damit auch an den schulen auftreten können, ist denn werbung an schulen nicht verboten????
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