Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge

Interview mit Manfred Lappe

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veröffentlicht: 19.06.2011

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Die vielgepriesene prämiengeförderte Zukunftsvorsorge hat vielen Konsumenten enorme Verluste beschert. Änderungen sind dringend  nötig. Konsument.at sprach mit dem Experten Dkfm. Manfred Lappe, der ein neues Modell zur Diskussion stellt. Es bewahrt Konsumenten vor Verlusten und spart dem Staat Geld.

Manfred Lappe (Bild: privat) 
Dkfm. Manfred
Lappe

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge ist stark in die Kritik geraten. Immer mehr Verbraucherschützer verlangen starke Änderungen am Modell, um die Ansparer vor weiteren Verlusten zu schützen.

Der Wiener Betriebswirt Dkfm. Manfred Lappe hat konkrete Vorschläge für ein neues Produkt der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge entwickelt. Manfred Lappe ist „Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger“ für die Bereiche Wertpapiere und Fonds. Mit der Pensionsvorsorge und Ansparmöglichkeiten hat er sich unter anderem als Autor der KONSUMENT-Bücher „Private Pensionsvorsorge“ und „Kapital & Zinsen“ beschäftigt.

Lesen Sie auch unseren KONSUMENT-Test "Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge" (6/2011) 

Konsument.at: Was ist der Hintergrund Ihrer Überlegungen für ein neues Vorsorgeprodukt?
Manfred Lappe: Die bisher vom Staat geförderten Vorsorgeprodukte wie Lebensversicherung und staatlich geförderte Zukunftsvorsorge sind stark in die Kritik geraten – und zwar zu Recht. Lebensversicherungen erbringen im Garantiefall im Idealfall kaum mehr als die Einzahlungen der Sparer. Viele Produkte der Zukunftsvorsorge werden auch nur die Sparbeträge und die Prämien wieder auszahlen können. Durch die nicht abgedeckte Inflation kommt es zu realen Kaufkraftverlusten bei den Sparbeträgen.

Konsument.at: Was, glauben Sie, befähigt Sie dazu, ein neues Vorsorgeprodukt zu konzipieren?
Lappe: Als gerichtlicher Sachverständiger kann ich Ihnen erklären, wie die heutigen Produkte in welcher Situation reagieren. Hieraus entstand die Idee, mehrere Produkte in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und zu einem neuen Produkt wieder zusammenzufügen.

Konsument.at: Was ist Ihre Vorstellung für eine notwendige Rendite?
Manfred Lappe: Der Sparer sollte nach Steuern und Kosten eine Rendite auf Basis der mittel- bis langfristigen Inflationsrate erzielen. Dies sind in Europa rund 2 Prozent, da die Europäische Zentralbank (EZB) ein Inflationsziel von „unter, aber nahe bei 2 Prozent“ hat. Die Sparer erhalten sich so ihre Kaufkraft auf die geleisteten Sparbeiträge: bei 2 Prozent Inflation sind 102 Euro im Folgejahr meine Kaufkraft von 100 Euro heute.
Wesentlich ist, dass diese Rendite von 2 Prozent nach Steuern und nach Kosten erzielt wird. Die bisher vom Staat geförderten Vorsorgeprodukte schaffen hier in der Regel nur den nominalen Kapitalerhalt, d.h. es kommt kein Ausgleich für den Kaufkraftverlust zustande.

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