Produktpiraterie

Irrtum schützt vor Strafe nicht

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KONSUMENT 5/2011 veröffentlicht: 25.04.2011

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Wer im Internet ein sagenhaft günstiges Designer-Schnäppchen entdeckt, sollte sich vorsehen. Handelt es sich um ein Plagiat, kann das gute Stück nämlich vom Zoll konfisziert werden und es drohen empfindliche Strafen.

Der Kellerraum wirkt, als würden hier die Preise für eine Tombola aufbewahrt. Auf den Regalen sind verschiedene sorgsam beschriftete Exponate ausgestellt. Neben Textilien und Handtaschen namhafter Designer finden sich Markenuhren, Tennisschläger und Sportschuhe. Auch Produkte des täglichen Lebens, vom Nassrasierer bis zur Zahnbürste, sogar Lebensmittel wie etwa ein Karton eines ­bekannten österreichischen Energygetränks füllen die Stellagen. Als Hauptgewinn könnte ein in der Ecke des Raumes abgestelltes Minibike durchgehen.

2800 Sendungen beschlagnahmt

Doch der Schein trügt. Alles, was hier teuer und exklusiv aussieht, und sogar die Pro­dukte des Alltags sind in Wahrheit nichts als Fälschungen. Das vermeintliche Tombola-­Lager ist die Asservatenkammer der österreichischen Zollbehörden und das Reich von Gerhard Marosi. Der im BMF für Produktpiraterie und Artenschutz zuständige Zollbeamte ist Fälschern und Importeuren von illegalen Gütern auf den Fersen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte die Behörde 2.803 ver­dächtige Sendungen mit 292.606 verschiedenen Artikeln. Handelte es sich um Originalwaren, würde ihr Wert 6,765 Millionen Euro betragen.

Medikamente aus dem Internet

Als Ursprungsländer traten, wie auch schon in den Jahren zuvor, vor allem China (78,5 % aller Fälle) und Indien (14,2 %) in Erscheinung. Was die Schadenssumme angeht – ­gemessen am Wert der Originalware – lagen Kleidung (rund 1,6 Millionen €), Schuhe (1,5 Mio €) und Uhren (fast 1,2 Mio €) voran. „Die größte Sorge bereiten uns allerdings Medikamente, die per Internet bestellt werden“, sagt Marosi. Fast 17.000 gefälschte Packungen, vor allem von sogenannten Lifestylepräparaten (Potenz-, Schlankheits- und Haarwuchsmittel), wurden 2010 aus dem Verkehr gezogen. Im September 2010 wurden etwa 23.000 Stück zum Großteil gefälschte Viagrapillen beschlagnahmt. Die Sendung wurde in einem Koffer von Thailand nach Österreich geschmuggelt.

  

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