Raiffeisen Preload BioCard

Schwer verdaulich

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veröffentlicht: 01.08.2014

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Die BioCard von Raiffeisen ist zwar biologisch abbaubar, die Attraktivität leidet aber unter vergleichsweise hohen Kosten und geringer Nutzbarkeit.

Prepaid-Karten der Banken bieten alle Vorteile der beliebten Kreditkarten, funktionieren aber auf Guthaben-Basis. Also ideal als Reisebegleiter ohne großes Verlustrisiko. Beliebt aber auch als Geschenk für Jugendliche oder Erwachsene, die nicht das Risiko von Kreditkarten eingehen wollen/dürfen, im Kaufrausch über den eigenen Verhältnissen zu leben.

Raiffeisen PRELOAD BioCard - viele Spesen, wenig Sinn (Bild: Screenshot vom 1.8.2014) 

(Fast) 100% abbaubar

Als innovativ wird derzeit die Preload BioCard der Raiffeisen-Gruppe beworben. Denn die Karte besteht aus kompostierbaren Bio-Polymer auf Basis Maisstärke, sie sei damit ebenso wie die Verpackung aus Karton zu 100 Prozent biologisch abbaubar, so zumindest die Werbung für dieses Produkt. Angeboten wird diese Karte in einer Auflage von nur 6.000 Stück, was möglicherweise neben nachhaltig denkenden Menschen auch Sammler ansprechen könnte.

Prepaid-Card im Detail

Wir haben uns diese spezielle Karte einmal näher angesehen, die Vorgehensweise und mögliche Folgerungen lassen sich jedoch auch auf andere Prepaid-Karten übertragen:

  • Aktivierungsentgelt: Üblich auch bei Prepaid-Karten ist ein einmaliges Aktivierungsentgelt. Bei der BioCard beträgt dies im Vergleich zu anderen Karten bescheidene 3,50 Euro.
  • SMS-Gebühr: Der Karten-Inhaber kann die Höhe des noch verfügbaren Guthabens jederzeit abfragen. Dies geschieht mittels SMS, von denen jede einzelne mit 0,35 Euro zu Buche schlägt.
  • Aufladeentgelt: Oft gibt es bei Prepaid-Karten auch ein Aufladeentgelt. Bei der BioCard der Raiffeisenbank entfällt dieses. Dies klingt zuerst einmal günstig, liegt in der Praxis jedoch einfach daran, dass ein Aufladen der BioCard schlicht nicht möglich ist.
  • Nur einmal: Bei der BioCard gibt es nur ein einmaliges Aufladen der Karte, wobei ein Mindestbetrag von 20 Euro und ein Maximalbetrag von 150 die Grenzen bilden.

Relativ hohe Kosten

Der Nutzer ist natürlich in der Wahl des einmaligen Aufladebetrages frei. Die anfallenden Kosten müssen aber auch in Relation zu diesem Betrag gesehen werden. Das scheinbar geringe Aktivierungsentgelt von 3,50 Euro macht bei einem Aufladebetrag von 20 Euro satte 17,5 Prozent und beim Maximalbetrag von 150 Euro immerhin noch stolze 2,33 Prozent aus. Auch das Entgelt für das Abfragen per SMS ist nicht ohne. Bei einem Guthaben von 20 Euro sind je SMS gute 1,75 Prozent des Anfangsguthabens verbraucht. Da gilt es zu überlegen, wie oft man eine Abfrage starten will.

Maximal zwei Jahre gültig

Ebenfalls zu bedenken ist, dass die BioCard maximal zwei Jahre gültig ist. Ein eventuelles Restguthaben wird dann auf das ursprüngliche Überweisungskonto rückerstattet, für die Zeit dazwischen gibt es allerdings keine Guthabenzinsen. Hingegen wird für die Zeit zwischen der Kartenrückgabe und der Auszahlung des Restguthabens ein Kontoführungsentgelt je Quartal in Höhe von 3,50 Euro in Rechnung gestellt. Und sollte man die Karte verlieren und sie sperren lassen wollen, so wird hierfür ein Entgelt von 35 Euro in Rechnung gestellt. 35 Euro für einen maximal möglichen Verlust von 150 Euro ist ebenfalls alles andere als günstig. Im Übrigen sind Sperrgebühren seit Inkrafttreten des Zahlungsdienstegesetzes gar nicht mehr zulässig.

Wie nachhaltig ist die BioCard?

Wer aus lauter Ärger über diese Kostenbelastung in die Karte hineinbeißen möchte, sei gewarnt. Bio bedeutet ja nicht gleich genießbar. Dem stehen einerseits der eingebaute Chip entgegen (wird wohl nicht aus Maisstärke sein) und andererseits eine vertragliche Besonderheit. Denn der Kartennutzer wird nicht zum Karten-Eigentümer, sondern muss die BioCard bei Vertragsablauf oder vorzeitiger Kündigung an den Eigentümer Raiffeisen zurückgeben. Und damit ist dann auch klar: Zusätzlichen Genuss im Sinne von Sammlerfreuden können Sie bei diesem Produkt auch vergessen.

Sinn ist nicht klar

Uns ist auch nach längerem Grübeln der Sinn der betragsmäßigen Obergrenze und die Unmöglichkeit eines Neuaufladens nicht ganz klar. Denn 150 Euro reichen als Urlaubskasse kaum aus und lassen sich ansonsten auch anders und kostengünstiger mit auf Reisen nehmen. Aber auch als kleines Geschenk an Jugendliche ist die Karte angesichts der drohenden Kostenbelastung nicht wirklich sinnvoll.

Material, Arbeit und Energie

Nichts gegen ein nachhaltigeres Leben und die verstärkte Nutzung von Bio-Produkten. Aber auch die Herstellung von Bio-Produkten ist mit Kosten verbunden: für Material, Arbeit und Energieverbrauch. Bei der BioCard sollte der Verbraucher daher auch überlegen, ob man mit einem Verzicht auf dieses Bio-Produkt nicht besser fährt: Man verschwendet keinen Mais, der als Nahrungsmittel mehr Nutzen leistet und spart Energie – das dürfte dem Nachhaltigkeitsideal weit eher entsprechen.

Mehr Informationen zum Thema Geld finden in unserer Rubrik Bare-Münze.

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Bild: VKI