Schwarzgeld

Ein supersauberes Geschäft

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KONSUMENT 11/2011 veröffentlicht: 21.10.2011

Inhalt

"Herr Huber schaute sich nach allen Seiten um und betrat dann das Geschäft." Eine kleine Studie in Sachen Geld. - "Kunde König" - ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasbock (Bild: VKI) 
Alois Grasböck

Herr Huber schaute sich nach allen Seiten um und betrat dann das Geschäft. Außer einem Verkäufer war niemand da – das musste sein Kontaktmann sein. "Ich komme auf Empfehlung von Heinz Lobbymüller“, sagte Huber. "Meine Frau hat mir nach langen Verhandlungen den Kauf einer Kamera bewilligt.“

"... eine strenge Kontroll-Ehe"

Der Verkäufer grinste. "Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um eine strenge Kontroll-Ehe handelt? Gemeinsames Konto, Erklärungszwang für jeden ausgegebenen Euro und daraus resultierender Mangel an frei verfügbaren Mitteln?"

Öffentliche Gelder und große Beträge

"Exakt“, antwortete Huber und verkniff sich die Bemerkung, dass er seine Gattin insgeheim "Rechnungshof“ nannte. "Alles klar. Normalerweise arbeiten wir hier mit öffentlichen Geldern und großen Beträgen, aber wenn Sie eine Empfehlung von Lobbymüller haben, will ich eine Ausnahme machen. Mein Vorschlag: Sie kaufen eine Kamera um 199 Euro, ich stelle Ihnen eine Rechnung über 599 Euro aus. Die Differenz von 400 Euro teilen wir uns. Damit haben Sie 200 Euro, von denen Ihre Frau nichts weiß."

Huber erschien der Plan ein wenig zu simpel. "Und wenn sie merkt, dass die Kamera keine 599 Euro wert ist?" "Das merkt sie nicht. Sollte dennoch ein Verdacht aufkommen, besorgt Ihnen Lobbymüller für 50 Euro ein Gutachten, das nachweist, dass Sie mit dieser Kamera das Schnäppchen des Jahrzehnts gemacht haben."

Beraterleistung im Time-Management

Das klang überzeugend, aber eine Frage hatte Huber noch: "Und was ist, wenn Sie mit den 200 Euro Schwarzgeld auffliegen und die Behörden eine Spur zu mir finden?“ "Wieso Schwarzgeld? Fragen Sie mich, welcher Wochentag morgen ist!“ Huber fragte. "Morgen ist Mittwoch. Damit habe ich eine Beraterleistung im Time-Management erbracht, für die ich Ihnen 200 Euro verrechne, falls es eng werden sollte. Eine supersaubere Methode, die sich hundertfach bewährt hat.“ Und so geschah es.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären purer Zufall.

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