Sparbucheröffnung: Striptease in der Bank

Kommentar von KONSUMENT-Redakteur Manfred Tacha

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Konsument 11/2010 veröffentlicht: 15.10.2010

Inhalt

Viele Banken erheben bei der Sparbucheröffnung Daten, die sie nichts angehen und sträuben sich mit Händen und Füßen, wenn man sie gelöscht haben will. - Ein Aufgespießt von KONSUMENT-Redakteur Manfred Tacha.

Manfred Tacha (Bild: Wilke)
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Manfred Tacha

Kürzlich wollte ich bei der Bank Austria ein kleines Sparbuch mit Losungswort für meine Mutter eröffnen und legte meinen Führerschein vor. Die junge Dame fragte: Familienstand (ledig, verheiratet, geschieden?), Berufstätigkeit (angestellt, selbstständig, arbeitslos?), Kinder? Wie viele? Wie alt?

Ihre Begründung: "Wissen Sie, das ist das Gesetz. - Wir müssen die Daten eingeben."

Kein Gesetz verlangt, dass die Bank das Alter der Kinder erfährt, wenn der Papa für die Oma ein Sparbuch eröffnet. In § 40 Abs.1 des Bankwesengesetzes heißt es: "Die Identität des Kunden ist durch persönliche Vorlage seines amtlichen Lichtbildausweises festzustellen." Also Foto, Namen, Geburtsdatum und Unterschrift - und sonst nichts. Das war also kein Unfall, das hat System.

Mit Weitergabe an Externe einverstanden ...

Den Kunden lässt die Bank Austria das Losungswort auf einem kleinen Formular eintragen und unterschreiben. Wer nicht aufpasst, unterschreibt damit auch das Kleingedruckte. In diesem Kleingedruckten stimmt man der Verwendung dieser unsauber erhobenen persönlichen Daten fur Anrufe, Zusendungen usw. sowie der Weitergabe an externe Firmen zu. – Raffiniert.

Nachdem ich die Sparbucheröffnung verärgert abgebrochen und mich beschwert hatte, hat sich die bankeninterne Ombudsstelle entschuldigt. Ich musste aber hartnäckigst und mehrfach intervenieren, damit die Bank Austria meine Daten vollständig löscht.

Andere Banken sind genauso Denizbank Fragebogen für Neukunden (Scan: M. Tacha)

Andere Banken sind genauso. Von der Bank Austria verärgert gehe ich zur Erste Bank gegenüber. Dort dieselbe Litanei: "Ihre Adresse, Telefonnummer, Familienstand; angestellt, selbstständig oder arbeitslos …?“ Und die Deniz-Bank - siehe Bild rechts - war bei einer Sparbucheröffnung 2009 besonders kreativ: "Sind sie eine politisch exponierte Person? Wofür benötigen Sie Bartransaktionen? …“

Die Chronologie der Sparbucheröffnung bei Bank Austria und Erste Bank finden Sie in unserem Forum "Banken und Versicherungen" im Eintrag "Datenschutz: Sparbucheröffnung bei der Bank Austria".

NACHTRAG

Ein Abonnent sandte uns nach Veröffentlichung den entsprechenden Passus im Bankwesengesetz:
Bankwesengesetz § 40
Bankwesengesetz § 40b
 

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Kommentare

  • Sparbucheröffnung
    von ling am 13.05.2016 um 17:22
    Danke für den informativen Artikel - insbesondere den Nachtrag aus dem Bankwesengesetz. Abgesehen davon, dass die Bestimmungen für einen Laien fast unlesbar sind, entnehme ich nicht mehr daraus als dass Name, Adresse und Ausweisleistung erforderlich sind - also genauso wie im Artikel beschrieben. Zusätzlich besteht ja noch die Möglichkeit diverse Erklärungen hinsichtlich Datenverwendung bzw -weitergabe sofort zu widersprechen. Ich mache das auch, indem ich auf einem Formular eine entsprechende Anmerkung anbringe oder den Passus einfach streiche. Der Bearbeiter ist dann zwar etwas irritiert, doch bis dato konnte ich noch immer ein Sparbuch problemlos eröffnen. Der Widerspruch kann übrigens auch per E-Mail eingebracht werden, und das funktioniert auch. Die Bank hat unmittelbar darauf sofort geantwortet und bestätigt, dass sie die geforderten Änderungen durchgeführt hat. Was mit den Daten zwischen Bekanntgabe und Widerspruch passiert, das entzieht sich natürlich meiner Kenntnis, doch leider ist es in Österreich so, dass man zuerst zustimmen und danach widerrufen kann. Dagegen hat auch der VKI (noch) nichts unternehmen können. Doch die Hoffnung stirbt ja zuletzt...
  • Sparkonto eines Vereins
    von ptizin am 31.10.2010 um 09:21
    Für einen kleinen Verein, dessen Obmann ich bin, habe ich voriges Jahr ein Sparkonto eröffnet, das ein bisschen mehr als 0,125 Prozent Zinsen bietet. Das war mehr als mühsam - Banken wollen offenkundig nur Geld von Privaten! Ich frage mich, wieso ist das Geld des Privatkunden besser als das Geld des Vereins???
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