Teppichkauf in Antalya

Beim Umrechnen vertan

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Konsument 6/2005 veröffentlicht: 23.05.2005, aktualisiert: 03.06.2005

Inhalt

Euro, Schilling, türkische Lira – im Wirrwarr der Währungen verhedderte sich eine betagte Dame hoffnungslos.

Besuch eines Teppich-Knüpf-Zentrums

Ihr Leben lang war Frau Pichler vom Glück nicht verwöhnt gewesen. Und nun hatte ihre Schwester bei einem Preisausschreiben einen Türkeiaufenthalt gewonnen. Im Dezember 2004 reisten die beiden Damen an die Türkische Riviera. Dabei wurde auch ein Teppich-Knüpf-Zentrum besucht.

Massiv bearbeitet. Routinierte Türkeiurlauber kennen die Werbeshow, die da abgezogen wird. Frau Pichler jedoch war diesen Methoden hilflos ausgeliefert: "Der Euro-Preis fiel und fiel, zum Schluss wusste ich nicht mehr, wie teuer die Teppiche sind. Ich konnte die Euro nicht mehr in Schilling umrechnen. Es ging alles so schnell. Hätte man mir gesagt, was der Teppich kostet, hätte ich ihn garantiert nicht genommen", erzählte sie später. Zwar beteuerte sie, dass sie nur eine kleine Pension hätte. Schließlich aber erlegte sie die Anzahlung von 1000 Euro per Einzugsermächtigung.

Rasch storniert. Auf der Fahrt zurück zum Hotel dämmerte Frau Pichler, dass sie soeben einen Orientteppich um 140.000 Schilling gekauft hatte – sie rechnete noch immer in der gewohnten Währung. Flehentlich bat sie den Reiseleiter, ob er ihr beim Stornieren behilflich sein könne. Und der überbrachte binnen Kurzem die gute Nachricht: Das Teppichhaus sei einverstanden, dazu werde sie daheim noch einen Anruf erhalten. In Wien schickte Frau Pichler zusätzlich ein Fax mit der Rücktrittserklärung.

Hartnäckig umworben. Mittlerweile wurden jedoch 1000 Euro von ihrem Konto abgebucht. Dies machte die Bank wieder rückgängig, weil Frau Pichler Einspruch erhob. Doch dann kam der Anruf  aus der Türkei. Da war allerdings von Storno keine Rede mehr. Die Teppichfirma bestand darauf, dass Frau P. den angezahlten Teppich nehmen müsse. Wiederum wurden 1000 Euro vom Konto eingezogen und umgehend von der Bank rückgebucht. Da suchte Frau Pichler endlich Hilfe. Die Mitarbeiterin unserer Europäischen Verbraucherberatung entdeckte in den Unterlagen den fett gedruckten Satz: „Unsere Firma legt großen Wert auf Verbraucherschutz.“ Natürlich konnten wir uns im Brief an das Unternehmen den Hinweis nicht verkneifen, dass diese Usancen nicht gerade konsumentenfreundlich sind. Immerhin lenkte die Teppichfirma ein und gab uns schriftlich, dass der Teppichkauf von Frau Pichler storniert ist.

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