Werbung für Zukunftsvorsorge

Unseriös

Seite 1 von 1

veröffentlicht: 12.10.2011

Inhalt

Die Zeitung "Österreich" lockt mit einem iPhone und offeriert gleichzeitig Verträge für die Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge von Wüstenrot. Wesentliche Informationen werden aber verschwiegen.

„Noch heute Zukunftsvorsorge abschließen und das neue iPhone 4S gratis dazubekommen“ Diese Ankündigung  prangt doppelseitig in der Tageszeitung "Österreich“ - siehe Bild und Download. Diese Aktion halten wir aus mehreren Gründen für ärgerlich.

 

"Österreich" wirbt: für die Wüstenrot-Zukunftsvorsorge gibt es ein iPhone (Bild: Screenshot oe24.at) 

Bindung für lange Zeit

Eine Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge wird nämlich auf sehr lange Zeit abgeschlossen. Dies erfährt man in dieser Werbung jedoch nicht. Und auch nicht bei der Hotline, bei der man anrufen kann, um sich über das Produkt zu informieren. Bei unserem Anruf dort zeigt sich der nette Herr am andern Ende der Leitung sehr engagiert, als es galt, persönliche Daten von uns zu bekommen. In punkto Auskunft war sein Engagement jedoch endenwollend: Dass man dieses Zukunftsvorsorge-Produkt nicht kündigen kann, war ihm nicht bekannt. Und daher konnte er uns auch nicht darüber informieren.  „Aber die eigentliche Beratung erfolgt ja dann über einen Wüstenrot-Berater, der das Produkt genau kennt“, tröstete er uns. 

Hohe monatliche Ausgabe

Die Kopplung eines doch eher kurzlebigen Produkts wie ein iPhone mit einem lange laufenden Produkt (Zukunftsvorsorge-Produkte kann man erst nach mindestens zehn Jahren kündigen) halten wir für problematisch. Immerhin muss man für diese Vorsorge monatlich einen knappen Hunderter (99 Euro) locker machen. Ob man dies über einen langen Zeitraum auch schafft, sollte vor Vertragsabschluss daher gut überlegt werden. Von „Österreich“ erfährt man dies jedenfalls nicht. Im Kleingedruckten am Fuß der Seite wird lediglich darauf hingewiesen, dass das iPhone in Rechnung gestellt wird, „sollte der Vertrag innerhalb von 60 Monaten prämienfrei gestellt, reduziert oder gekündigt werden.“ Das könnte Menschen, die mit der Materie nicht so vertraut sind, auf eine falsche Fährte locken und glauben machen, eine Kündigung wäre bereits zu diesem Zeitpunkt möglich.

Nur einmal gefördert

Außerdem gibt es die Förderung für die Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge pro Person nur einmal. Wer also schon eine solche Vorsorge abgeschlossen hat (und das sind schon mehr als eineinhalb Millionen Österreicherinnen und Österreicher) wird die Förderung nicht mehr bekommen können. Auch das wird verschwiegen.

Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Zukunftsvorsorge-Produkte mit staatlicher Prämie wenig sinnvoll sind: Man muss sich sehr lange binden. Die Produkte sind wegen der Garantie mit hohen, den Ertrag schmälernden Kosten belastet. Das bedeutet praktisch: Nur ein Teil der 99 Euro, die monatlich zu zahlen sind, werden auch veranlagt.

Gleichzeitig wurde die Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge wegen des großen Anteils von Aktien im Zuge der Finanzkrise arg gebeutelt. Offenbar sollen mit derartigen Aktionen das ramponierte Image verbessert und wieder neue Kunden angelockt werden.

Unser Fazit:
Wer nach dem allerneuesten iPhone lechzt, fährt letztlich wohl günstiger, wenn er dieses kauft, statt eine Zukunftsvorsorge abzuschließen, um es zu bekommen. 
Dr. Peter Kolba, Leiter unserer VKI-Rechtsabteilung, meint dazu: "Das ist wohl die Lehre aus der Finanzkrise, die einige Anbieter ziehen: Noch unverhohlener als bisher werden `kleine Leute´ für Finanzprodukte angesprochen.“

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
10 Stimmen

Kommentare

  • Kostentransparenz
    von hasenfuss am 14.10.2011 um 12:59
    Ich war diese Woche schon bei 2 Beratungsgesprächen in diesem Zusammenhang dabei, man kann sich das nicht vorstellen. Die Kosten betragen etwa 8 bis 9,5 Prozent des gesamt einbezahlten Beträge, und die Vertreter stellen sich blöd oder wissen es wirklich nicht. Die gesamte staatliche Prämie und noch Anteile am Ertrag werden durch die Kosten verschlungen. Man kann nur scharf davon abraten, sein Geld so lange zu binden nur wegen eines Handys!!! Jeden Monat sein Geld auf ein Festgeldkonto oder einen Fondssparplan einzahlen ist auf Dauer erfolgreicher und das Geld ist jederzeit verfügbar. Abgesehen davon stellt sich die Frage, weshalb ÖSTERREICH ein Handy um 600.- herschenkt, nur damit jemand bei Wüstenrot einen Vertrag abschließt.
KONSUMENT-Probe-Abo