Wiener Städtische Versicherung: Selbstbehaltsretter

Kein Retter in der Not

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veröffentlicht: 22.11.2011

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Der Selbstbehaltsretter der Wiener Städtische Versicherung soll den Selbstbehalt in der Krankenversicherung verringern – mit unerfreulichem Nebeneffekt für die Versicherten.

Der Begriff Selbstbehalt meint im Versicherungswesen: Einen Teil des Schadens zahlt der Versicherte aus eigener Tasche und spart dadurch Prämie. Selbstbehalte werden meist als Fixbetrag vereinbart. In der privaten Zusatzkrankenversicherung werden Selbstbehalte wegen der hohen Prämien häufig angeboten. Mit einem Selbstbehalt von rund 1.000 Euro jährlich ermäßigt sich die Versicherungsprämie je nach Tarif um rund ein Drittel.

Zusatzangebot zur privaten Krankenversicherung

Die Wiener Städtische bietet seit Kurzem einen Selbstbehaltretter für die Zusatzkrankenversicherung an. Abgeschlossen werden kann dieser zusätzlich zu den Medium-Sonderklasse-Tarifen TOP-MED und der Vorgängerserie MB.

Hat man dieses Zusatzprodukt abgeschlossen, verringert sich der Selbstbehalt jährlich stufenweise um 20 Prozent, wenn man im Kalenderjahr nicht ins Spital muss, also keine Leistung in Anspruch nimmt. Nach sechs Jahre wird dann kein Selbstbehalt mehr fällig, wenn man im Spital „auf Klasse“ liegt. Nach einer Leistung der Versicherung (Krankenhausaufenthalt) beginnt die jährliche Verringerung des Selbstbehalts wieder von vorn. Wenn man wegen eines Unfalls im Krankenhaus liegt, muss kein Selbstbehalt bezahlt werden. Dieser Spitalsaufenhalt wirkt sich auch nicht auf den Selbstbehaltsretter aus.

Mit der eigentlichen Krankenversicherungsprämie hat die Prämie des Selbstbehaltsretters nicht viel zu tun. Die Höhe richtet sich nur nach Höhe des Selbstbehalts, Abschlussalter der/des Versicherten und Bundesland. Die Monatsprämie beträgt bei einem jährlichen Selbstbehalt von 950 Euro  für Wien für eine/n 30-Jährige/n 8,49 Euro, für 40-Jährige 9,80 und für 50-Jährige 11,19 Euro. Für die Bundesländer Niederösterreich, Burgenland und Steiermark beispielsweise macht der Selbstbehalt 600 Euro aus, die Monatsprämie für den Selbstbehaltsretter für 30-Jährige 5,36 Euro, für 40-Jährige 6,19 und für 50-Jährige 7,07 Euro.

Verlockung zum Verzicht

Raucht Ihnen beim Lesen der Kopf? Verständlich, denn diese Produktgestaltung ist zu hinterfragen: Eine Zusatzkrankenversicherung ist ziemlich teuer. Also wählt man die Variante mit Selbstbehalt, um die hohen Prämien etwas zu verringern. Und damit der Selbstbehalt nicht zu hoch wird, nimmt man noch den Selbstbehaltsretter dazu. So werden den privat Krankenversicherten immer neue Varianten offeriert.

Das geschieht wohl nicht aus reiner Menschenliebe. Vermutlich wird damit spekuliert, dass Besitzer einer Spitalstarif-Polizze mit Selbstbehaltsretter im Fall des Falles auf die Sonderklasse verzichten. So kassieren sie Ersatztagegeld und behalten ihren Bonus. Aber eigentlich hat man eine Zusatzkrankenversicherung ja, um sich den Arzt seines Vertrauens aussuchen zu können und um nicht mit Krethi und Plethi in der allgemeinen Gebührenklasse des Spitals liegen zu müssen. Da kann man gleich darauf verzichten! Dieses Produkt verführt dazu, Leistungen nicht in Anspruch zu nehmen, für die man brav (und üppig) bezahlt.

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