Zukunfts-Check der Volksbank

Einfach falsch

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veröffentlicht: 10.04.2014

Inhalt

Es braucht nur ein paar Klicks und schon wird einem auf der Homepage der Volksbank verraten, wie es um die eigene Zukunft bestellt ist. Doch so einfach ist es leider nicht …

Zukunfts-Check der Volksbank: einfach falsch - Lücke zu hoch eingeschätzt (Bild: Screenshot/volksbank.at - 10.4.2014) 
Monatliche Versorgungslücke
in der Pension? Schnell zur 
Beratung bei der Volksbank! 

Volksbank zur Pensionsvorsorge

"Sicher und sorglos in die Zukunft" ist das Angebot betitelt, mit dem die Volksbank auf ihrer Homepage speziell die Jugend anspricht. Oder vielleicht auch ältere Bevölkerungsgruppen, wechselt die Volksbank bei diesem Angebot doch vom persönlichen „du“ zum distanzierteren „Sie“. Wesentlich aber sind die Aussagen:

"Zukunfts-Check – Zukunftsvorsorge"

Drei wichtige Themen gebe es, so die Erläuterung, die man für eine gesicherte Zukunft bedenken sollte: Pensions-Vorsorge, Risiko-Absicherung und Vermögens-Aufbau. Und dann kann es auch schon losgehen. „Überprüfen Sie jetzt in wenigen Minuten Ihre persönliche Situation!“

Quelle: https://www.volksbank.at/jugend/deine_zukunft/zukunfts_check

Versuchen wir es gleich mit der Pensions-Vorsorge: Ein 25-jähriger Mann mit einem Nettogehalt von 2000 Euro und vier Jahren anrechenbarer Ersatzzeiten bekommt da kurz und bündig eine gewaltige Pensionslücke präsentiert: Der Vorsorgebedarf betrage 113.443 Euro, die monatliche Vorsorgelücke mache 624 Euro aus.

Dringend zum Beratungstermin

Bei älteren Personen mit höherem Einkommen schnellt der Vorsorgebedarf in die Höhe. Die Botschaft ist klar: Hier muss dringend etwas getan werden! Da ist es nur folgerichtig, dass man mit einem Klick zur Vereinbarung eines Beratungstermins weitergeleitet wird.

Einfache Rechnung: A minus B = Lücke

Doch gehen wir nochmals einen Schritt zurück und schauen uns die Berechnung der monatlichen Versorgungslücke an: Gleich welche Eingaben wir im Vorsorgerechner der Volksbank auch tätigen – die monatliche Versorgungslücke im Pensionsalter ergibt sich immer als Differenz zwischen dem aktuellen Netto-Einkommen und der errechneten Netto-Pension.

Berechnung: so einfach wie falsch

Diese Art der Berechnung ist so einfach wie falsch. Und da hilft auch nicht der Nachsatz der Volksbank: „Das Ergebnis dient als Orientierung, kann ein Beratungsgespräch in der Volksbank aber nicht ersetzen.“
Kaum ein ASVG-Versicherter rechnet damit, dass er in der Pension ebenso viel verdienen wird wie in der Erwerbsphase. Was keineswegs mit einer Einbuße des verfügbaren Einkommens verbunden sein muss. Denn mit dem Beginn der Pensionszeit ändert sich neben dem Einkommen in der Regel auch das Ausgabeverhalten. Es wird nicht mehr für die Pensionsvorsorge angespart, vielmehr soll ja aus dem bisher Ersparten die Pensionslücke geschlossen werden.

Haus und Wohnung abbezahlt

Entsprechende Ausgaben für die Pensionsvorsorge sollten also mit Pensionsantritt abgeschlossen sein. Die selbstgenutzte Eigentumswohnung oder das Haus sollten mit Pensionsantritt abbezahlt sein, so dass Ausgaben für Zinsen und Kreditrückzahlung ebenfalls entfallen. Schließlich sollten auch die Kinder mit der Ausbildung fertig sein, auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr auf Zahlungen der Eltern angewiesen sein. - Natürlich können auch wieder andere Kosten hinzukommen, wie die lange aufgeschobenen Reisen, für die in der Pension endlich Zeit ist.

Lücke zu hoch eingeschätzt

Aber eines ist doch klar: Die Berechnung einer Pensionslücke ist nicht mit einer einfachen Subtraktion zu bewerkstelligen, es erfordert schon etwas mehr Zeit und Eingehen auf die individuelle Situation. Ansonsten wird die Pensionslücke zu hoch eingeschätzt, was fast zwangsläufig zur Folge hat, riskantere (weil höher rentierliche) Veranlagungsprodukte zu kaufen, man lässt sich auf zu lange Vertragslaufzeiten ein oder begeht andere schwerwiegende Fehler.

Buch "Private Pensionsvorsorge"

In unserem KONSUMENT-Buch "Private Pensionsvorsorge" wird das Thema Pensionslücke eingehend behandelt, Es gibt Auskunft darüber, auf welche Faktoren es bei der Berechnung der persönlichen Versorgungslücke ankommt. Ausführlich wird auf die unterschiedlichen Angebote eingegangen und klargestellt, welche Veranlagungsprodukte für ein Ansparen bei der privaten Pensionsvorsorge empfehlenswert sind und welche nicht. Mit diesem Buch erhalten Sie Informationen von neutraler Seite und können sich somit auf Beratungsgespräche bezüglich privater Pensionsvorsorge bestmöglich vorbereiten.


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