Ärzte-Test: Diabetesberatung

Einstellungssache

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Konsument 10/2006 veröffentlicht: 13.09.2006

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  • Bei ersten Diabetes-Anzeichen sofort zum Arzt .
  • Gute Beratung ist von entscheidender Bedeutung .
  • Diabetes ist nicht heilbar, aber man kann sich gut darauf einstellen

Nur die Hälfte weiß davon

Weit über eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher leiden unter sogenanntem Alterdiabetes (Diabetes mellitus Typ 2), doch nur die Hälfte weiß davon. Hauptrisikofaktoren für den „Zucker“ sind Übergewicht, Bluthochdruck, eine gestörte Glukoseverwertung (Glukosetoleranz), Bewegungsmangel oder Vererbung. Zu Beginn verläuft die Krankheit beschwerdefrei.

Acht bis zehn Jahre bis zur ersten Diagnose

Bis sich erste Symptome bemerkbar machen und der Arzt die Diagnose stellt, vergehen durchschnittlich acht bis zehn Jahre. In vielen Fällen treten zu diesem Zeitpunkt bereits Augenveränderungen oder Nierenschäden auf. Wer nicht spätestens dann seine Lebensweise umstellt, dem drohen Fußamputation Erblindung, Herzinfarkt, Nierenversagen oder Schlaganfall.

Für Patienten mit erhöhtem Blutzuckerwert ist eine genaue Anamnese (Erhebung von Vorgeschichte, Krankheitsentwicklung und aktueller Befindlichkeit) unerlässlich. Sind die Risikofaktoren der Erkrankung bekannt, kann die Stoffwechselstörung durch eine Änderung des Lebensstils positiv beeinflusst werden. Aufklärung und Beratung durch den Arzt sind für den Diabetiker deshalb von entscheidender Bedeutung.

13 Ärzte im Test

Da in Wien zahlreiche Wahlärzte praktizieren, haben wir in unserem Test Wahlärzte für Allgemeinmedizin unter die Lupe genommen. Im Unterschied zu Kassenärzten können diese ihre Honorare frei festlegen. Die Krankenkassen erstatten dem Versicherten für die Behandlung 80 Prozent der Kosten, die ein Kassenvertragsarzt laut Honorarordnung verrechnen darf.

Viele Ärzte lehnen ab  

Die Auswahl der Mediziner erfolgte zufällig. Dabei zeigte sich allerdings, dass viele  Ärzte für eine Diabetesberatung nicht zur Verfügung stehen. Obwohl „Zucker“ inzwischen zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten gehört, stieß unserer Testperson immer wieder auf Ablehnung. Die telefonische Anfrage um einen Beratungstermin wurde mehrfach mit der Bemerkung abgewiesen, dass Diabetes nicht in das Fachgebiet des betreffenden Arztes falle.

Sehr unterschiedliche Honorare

13 Ärzte, die mit der Testperson einen Termin vereinbarten, nahmen sich für die Beratung zwischen 30 und 120 Minuten Zeit. Das in Rechnung gestellte Honorar variierte zwischen 0 und 180 Euro, wobei die Höhe des Betrages nicht von der Beratungsdauer abhängig war. So wurden für 45 Minuten einmal 43, einmal 100 und von einem Arzt sogar 180 Euro verrechnet.

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Kommentare

  • Blutabnahme trotz bestehenden Blutbefundes, viel Geld für unnötige Untersuchung
    von Doettelmayer am 06.01.2014 um 23:08
    Als Angesprochene möchte ich gerne aus meiner Sicht zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen: eine "Patientin" kommt in meine Praxis und gibt an, dass in der Apotheke ein erhöhter Blutzucker gemessen wurde - nun hätte sie gerne Tipps zum Thema Diabetes. Bei der Anmeldung gibt sie ihre Österreichische Sozialversicherungsnummer an. Somit können sämtliche anfallenden Laborkosten direkt mit der GKK verrechnet werden, der Patient hat also keine Laborkosten "extra" zu bezahlen. Selbstverständlich muss eine im Raum stehende "Diagnose" zuerst bestätigt werden - um ihrer Test-Rolle gerecht zu werden, "musste" die Testpatientin meiner Empfehlung einer Blutabnahme zustimmen, andernfalls hätte ich jede weitere Behandlung ablehnen müssen - Hellsehen ist nicht mein Metier und ohne Diagnose keine Therapie. Daher ist die Behauptung, dass die Testperson einen Blutbefund bei sich hatte, unwahr. Kein/e Ärztin/Arzt "reißt" sich um unnötige Blutabnahmen, ich persönlich betrachte es als reinen Patientenservice (eine Überweisung ins Labor zu schreiben ist schneller und einfacher....). Wahr ist, dass sie mit genau diesem, von mir angeordneten Blutbefund des Labors D. (auf dem mein Name als Zuweiser gelöscht wurde) NACH meinem Besuch jene KollegINNen aufsuchte, die eine sofortige Diagnose ohne nochmaliger Blutabnahme stellten konnten. Soviel zu standartisierten Testbedingungen. Es wären nie "Kosten" für die "Patientin" angefallen, hätten die, bei der Anmeldung von ihr angegebenen, Daten gestimmt. Stattdessen stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Testperson zu diesem Zeitpunkt nicht versichert war - was sie allerdings verschwieg. Somit sandte das Labor automatisch die Rechnung an die "Patientin" als Privathonorar. Aus ganzheitlicher Sicht versuchte ich auf alle schriftlich angegebene Probleme der Testperson einzugehen (und das waren eine ganze Menge, dazu gibt es eine speziellen Fragebogen im Vorfeld) und so veranlasste ich einen entsprechend umfangreichen Laborbefund, welcher für rund 800 Euro zur Gänze von der Krankenkasse übernommen worden wäre! Das muss ich dem Vorwurf "viel Geld für unnötige Untersuchung" entgegenhalten. Mich hat diese Angelegenheit sehr nachdenklich gestimmt. In welcher Gesellschaft leben wir, in der eine sehr kranke, dringend behandlungsbedürftige, nicht versicherte Person offiziell von Ärztin/Arzt zu Ärztin/Arzt geschickt wird? Just von jener Instanz, die vorgibt objektiv und unbestechlich zu sein, sollte ethisches Handeln verlangt werden dürfen. Ich bedanke mich für die Möglichkeit meiner Stellungnahme, Dr. Sonja Kofler
Bild: VKI