Bauchfett

Welches Risiko besteht?

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KONSUMENT 12/2014 veröffentlicht: 20.11.2014

Inhalt

Ist Bauchfett bzw. ein großer Bauchumfang besonders gefährlich?

Beweislage: Möglicherweise Ja

Wir sagen: Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass Fettdepots im Bauch die Lebenserwartung verkürzen. Möglicherweise sind auch Personen mit unauffälligem Body-Mass-Index gefährdet.

 

Seit einigen Jahren gilt Bauchfett als besonders schädlich für die Gesundheit. Das Fettdepot wird auch Viszeralfett genannt und liegt im Bauchraum zwischen den inneren Organen. Im Unterschied zu oberflächlichen Speckrollen und -polstern, etwa an Schenkeln, Armen oder Hüften, scheint das Viszeralfett einen negativen Einfluss auf verschiedene physiologische Vorgänge zu haben, wie Studien zeigen.

Fettverteilung im Körper wurde untersucht

Dafür wurde bei Hunderttausenden Menschen der Bauchumfang gemessen und die Relation zu Körpergröße, Hüftumfang oder Schenkelumfang berechnet. Untersucht wurde auch, ob die Fettverteilung im Körper bessere Hinweise auf mögliche Erkrankungsrisiken liefern kann als der üblicherweise herangezogene Body-Mass-Index (BMI).

Body-Mass-Index (BMI)

Der BMI gibt nämlich nur das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße an. Darüber, wie sich das Fett im Körper verteilt beziehungsweise welches Verhältnis von Fett- zu Muskelmasse vorliegt, gibt der BMI keinen Aufschluss.

Erkrankungen können sich häufen

Eine Übersichtsarbeit aus Studien an rund 690.000 Personen deutet darauf hin, dass ein allzu ausladender Bauch negative Konsequenzen für die Gesundheit hat und auch die Lebenserwartung verkürzt.

Eine ähnliche Tendenz zeigt sich in einer Übersichtsarbeit mit über 650.000 Teilnehmern, die im März 2014 publiziert wurde. Demnach macht Bauchfett anfälliger für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Die Arbeit deutet zudem an, dass unter Umständen auch Personen mit einem unauffälligen BMI gefährdet sein können – also beispielsweise Menschen, die bis auf den Bauch wenig Fettpolster mit sich herumtragen.

Schwächen der Studie

Allerdings weisen die Studien gewisse Schwächen auf, etwa eine uneinheitliche Fragestellung.

  • So ist es beispielsweise denkbar, dass Bauchfett und ein übermäßiger Bauchumfang nicht für alle Menschen dasselbe Risiko bedeutet.
  • Möglicherweise sind dabei auch bestimmte Vorerkrankungen (z.B. eine koronare Herzerkrankung) oder das Alter entscheidend.
  • Zudem könnten auch genetische Faktoren eine Rolle spielen – so ließen sich etwa Unterschiede zwischen asiatischen und europäischen Populationen erklären.

Eine eindeutige Beantwortung bedarf weitere Studien

Strittig ist weiters, welche Bauchfett-Maßzahl am besten zur Risikoeinschätzung geeignet ist. Mitunter wird nur der Taillenumfang gemessen. In neueren Studien wird auch auf das Verhältnis von Taille zu Körpergröße, Hüftumfang oder Oberschenkelumfang Bezug genommen. Zur eindeutigen Beantwortung der Frage sind weitere Studien notwendig.

 

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