Beratung in Tiroler Apotheken

Grassierender Beratungsnotstand

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Konsument 11/2008 veröffentlicht: 17.10.2008

Inhalt

  • Beratung freundlich, aber oft wenig kompetent
  • Mitunter leichtsinniger Umgang mit der Rezeptpflicht
  • Schlankheitsberatung heißt Verkauf fragwürdiger Mittel

Aufklärung und Beratung

Internetapotheken, Drogeriemärkte und sogar Discounter drängen zunehmend mit Medikamenten und Medizinprodukten auf den Gesundheitsmarkt. Die Apotheker begegnen der Konkurrenz mit Argwohn und dem Argument, nur sie böten eine Beratung auf fachlich hohem Niveau. Aufklärung und verantwortungsvolle Medikation sind in der Tat unerlässlich: So heilsam eine Arznei für einen Patienten auch sein mag, so gefährlich wird sie bei falscher Anwendung.

Tadel und Selbstkritik

Vor zweieinhalb Jahren haben wir die Beratungsqualität in 30 Wiener Apotheken unter die Lupe genommen (siehe dazu: Weitere Artikel: „ Apothekentest 6/2006 "). Bereits damals stellten wir fest, dass sich die Leistung der Apotheker auf diesem Gebiet nicht immer mit dem Selbstverständnis der Branche deckt. Nur drei Apotheken meisterten die gestellten Auf­gaben (Schlankheits- und Reiseberatung sowie fieberndes Kind) gut beziehungs­weise sehr gut. Für unseren Test gab es eini­gen Tadel seitens der Apothekerkammer, aber auch selbstkritische Töne waren zu vernehmen: „Nichtsdestotrotz bietet diesesErgebnis auch die Chance zur Weiterentwicklung und Verbesserung“, hieß es in ­einer Presseaussendung.

30 Apotheken im Test

Um die angekündigten Verbesserungen zu überprüfen und auf vielfachen Wunsch unserer Leserinnen und Leser aus dem Westen Österreichs haben wir den Test in leicht veränderter Form im Bundesland ­Tirol wiederholt. Unsere beiden Testpersonen besuchten zwischen Landeck und Lienz 30 zufällig ausgewählte Apotheken – die meisten, nämlich acht, in Innsbruck, da sich in der Landeshauptstadt rund ein Viertel aller Tiroler Apotheken befinden. Testperson 1 war eine Mutter mit einem an einer fiebrigen Erkältung leidenden Kleinkind, Testperson 2 eine übergewichtige ­Dame, die ihr Gewicht reduzieren möchte.

Schwerpunkte bei der Bewertung

Bei der Bewertung legten wir im Fall 1 ­unser Hauptaugenmerk auf eine korrekte Anam­nese (Erhebung der Krankengeschichte), die verkauften Medikamente und die fachliche Erläuterung zur Anwendung dieser Präparate. Weiters berücksichtigten wir, ob grundsätzliche Empfehlungen zur Behandlung von Erkältungskrankheiten gege­ben wurden. Schließlich erwarteten wir auch eine Aufforderung an die Mutter, ­einen ­Kinderarzt aufzusuchen. Im Fall 2 lag der Schwerpunkt beim Beratungsgespräch zum Thema Übergewicht. Zur Abwertung kam es, wenn Präparate zum Abnehmen verkauft wurden. Beide Testpersonen ­gaben zudem ihren persönlichen Eindruck von der jeweiligen Apotheke wieder, was bei der Bewertung allerdings eine unter­geordnete Rolle spielte.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
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Bild: VKI