ELGA: Elektronische Gesundheitsakte

Keine Angst vor ELGA

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KONSUMENT 5/2014 veröffentlicht: 24.04.2014, aktualisiert: 30.06.2014

Inhalt

Die elektronische Gesundheitsakte ELGA soll Patientensicherheit und Behandlungsqualität in Österreich verbessern. Kritiker bezweifeln den medizinischen Nutzen und bemängeln den ­Datenschutz. Was steckt tatsächlich in ELGA?

ELGA soll die Sicherheit und die Behandlung von Patienten verbessern ... (Kartoon: Pitter)

Kaum ein Thema im Gesundheitsbereich ist derart umstritten wie die elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Die ersten Daten werden nicht vor Mitte 2015 eingespeist, aber bereits jetzt ist eine heftige Debatte über Sinn und Nutzen von ELGA entbrannt.

Datenschutz vs. Patientensicherheit

Ärztevertreter sorgen sich um den Datenschutz und können keine erwähnenswerten Verbesserungen gegenüber dem Status quo erkennen.

Sie bemängeln, dass das Projekt nicht nur hohe Kosten verursache, sondern auch schwer in den ärztlichen Alltag zu ­integrieren sei. Demgegenüber verweisen Gesundheitsministerium und Sozialversicherung darauf, dass ELGA die Behandlungsqualität und die Sicherheit der Patienten verbessern werde.

Vermeidung von Wechsel- und Nebenwirkungen

Als wesentliches Argument für eine umfassende zentrale und zeitnahe Erfassung von Gesundheits- und Behandlungsdaten wird etwa die Vermeidung von gefährlichen Wechsel­wirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten genannt. Tatsächlich nimmt etwa ein Drittel aller Menschen ab 65 Jahren sechs und mehr Medikamente ein. Da am Behandlungs- und Betreuungsprozess in der Regel mehrere Ärzte beziehungsweise Einrichtungen beteiligt sind, geht der Überblick bei der Verschreibung häufig verloren. Dazu kommt noch der Bezug von verordnungsfreien Medikamenten in der Apotheke.

Wirkungsverlust, Krankenhaus oder Tod

Die Folgen sind Wirkungsverluste sowie gefährliche Wechsel- und Nebenwirkungen. Schätzungen des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zufolge sind Wechsel- und Neben­wirkungen von Medikamenten in Deutschland für bis zu 300.000 Krankenhausaufnahmen im Jahr und für ­Tausende Todesfälle verantwortlich.

Dass die Zahlen so hoch sind, liegt daran, dass bei manchen Präparaten ein hohes Risiko für Wechselwirkungen besteht. Darunter fallen etwa Antithrombosemittel, nicht­steroidale Antirheumatika (z.B. die Schmerz­wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen), Anti­depressiva oder Herz-Kreislauf-Medika­mente. Und genau diese Präparate werden häufig verabreicht.

Lebensgefährliche Kombinationen, Unverträglichkeiten, Allergien

Lebensgefährliche Kombinationen sind etwa Acetylsalicylsäure und das Antidepressivum Citalopram. Ebenfalls hochproblematisch bis lebensgefährlich ist es, wenn bei Verordnungen Allergien beziehungsweise Unverträglichkeiten gegen Medikamente nicht beachtet werden.


- In der Diskussion um ELGA wird oft vor dem gläsernen Patienten gewarnt. Mit ELGA ließen sich aber z.B. Behandlungsfehler von Ärzten transparenter nachweisen. Geht es vielleicht eher um gläserne Ärzte? Lesen Sie dazu den Kommentar von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak: "ELGA - Der gläserne Arzt".

- Wer sich von ELGA abmelden möchte, kann dies direkt auf www.gesundheit.gv.at machen.

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Kommentare

  • Die Idee von ELGA
    von ritus am 11.12.2015 um 13:11
    Ich finde die Idee prinzipiell nicht schlecht, ABER: Ich würde mir wünschen, daß meine medzinisch relevanten Daten NUR auf meiner E-Card gespeichert und für den Arzt abrufbar sind. Ab einem gewissen Alter kann man seine Untersuchungen, Behandlungen, Befunde, Medikamente, die für eine weitere Behandlung relevant sind, nicht mehr so leicht und schon gar nicht spontan aus dem Gedächtnis abrufen. Da braucht man gar nicht geistig geschwächt sein, um Allergien, Kreuzallergien, Krankheitsbilder, Injektionen usw. zu vergessen, besonders wenn man das Glück hat, nur selten ernsthafte Erkrankungen zu erleiden. Was mich so gruindsätzlich skeptisch dagegen stimmt ist die Tatsache, daß es für wirtscftlich und gesellschaftlich interessante Daten keine 100%ige Sicherheit gegen Diebstahl oder Mißbrauch gibt, einmal abgesehen von der zukünftigen Verwendung der Daten für eine versicherungsrechtliche Schlechterstellung von Patienten mit hohem Behandlungsaufwand und gering eingeschätztem Behandlungserfolg.
  • Falsche Angabe im Artikel
    von REDAKTION am 12.05.2014 um 08:28
    Wie im Artikel beschrieben, muss der Arzt vor einer Verschreibung die auf Knopfdruck aufscheinende Medikamentenliste genau kontrollieren. Er hat die Verschreibung so zu gestalten, dass gefährliche Wechselwirkungen auszuschließen sind. Was ELGA zunächst nicht leisten kann, ist eine automatische Wechselwirkungsprüfung. Diese würde die Arbeit der Ärzte erleichtern, andererseits muss jeder Arzt in Österreich Kenntnis über die gefährlichsten Medikamentenkombinationen haben. Dies gehört zur medizinischen Grundausbildung.
  • Falsche Angabe in Artikel
    von tricky am 09.05.2014 um 18:14
    lt. ORF Online vom 28.02. ist die Wechselwirkungsprüfung in ELGA NICHT mehr vorgesehen. Angeblich wegen zu vielen falschen Alarmen: http://orf.at/stories/2220247/ im Artikel wird das aber als ein Hauptpluspunkt von ELGA beschrieben. Ich hätte das auch als wichtigstes Pro-Argument verstanden, aber anscheinend kommt diese Wechselwirkungsprüfung jetzt GAR NICHT??
  • Abmeldung!
    von GeHuNi am 05.05.2014 um 21:44
    Alleine schon die Tatsache, dass man hier das opt-out-Verfahren gewählt hat (man ist automatisch dabei und muss sich - so man das nicht wünscht - aktiv von diesem System abmelden), ist für mich Grund genug, nicht daran teilnehmen zu wollen. Denn: wenn ein System gut ist, wird das früher oder später allen klar (es spricht sich herum) und es funktioniert auch umgekehrt (nämlich mittels opt-in-Verfahren).
  • . . . , geht der Überblick bei der Verschreibung häufig verloren.
    von der besserwisser am 04.05.2014 um 20:07
    tatsache ist, dass ich mich nicht erinnern kann, dass jemals ein arzt fragte, welche anderen medikamente ich bereits nehme oder welche beschwerden ich habe, welche wechselwirkungen hervorrufen könnten. es fehlt also an der nötigen sorgfaltspflicht - zukünftig könnte sich dann kein arzt mehr darauf ausreden, er habe es nicht gewusst, er sei nicht informiert worden, . . . das ist, meiner meinung, einer der gründe, dass elga von den ärzten derart verteufelt wird. und natürlich - nicht zu vergessen: die doppelverschreibungen gewisser untersuchungen, röntgen, etc. denn auch hier kann sich zukünftig kein arzt mehr ausreden, er hätte nicht gewusst, dass eine bestimmte untersuchung bereits gemacht wurde. das - meine ich - sind die wahren gründe für die breite ablehnung der ärzte von elga.
Bild: VKI