Energiesparlampen

Schädlich für die Augen?

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Konsument 6/2008 veröffentlicht: 26.05.2008

Inhalt

Univ.Prof. Dr. Peter Heilig Univ.Prof. Dr. Peter Heilig betreibt seit Jahrzehnten Studien über Lichtschädigungen der Augen; Spezialgebiet: prophylaktische Ophthalmologie (Vermeiden von Licht- und anderen Schädigungen)  

Bei einem Symposium wurde die Meinung vertreten, dass Energiesparlampen die Augen schädigen. „Mediziner warnen vor Energiesparlampen“, titelten selbst die "Salzburger Nachrichten" ( 9.4. 2008). Was ist dran? Wir fragten den Augenarzt Univ.Prof. Dr. Peter Heilig.

"Konsument": Sind Energiesparlampen schädlich?

Dr. Heilig: Die Antwort lautet: Nein. Sparlampen sind nicht schädlich. Darin ist sich die Fachwelt einig. Das gilt übrigens auch für LCDBildschirme, denen Ähnliches nachgesagt wird.

Aber in der letzten Zeit häufen sich negative Medienberichte …

Heilig: Es hat hier in der Tat irritierende Meldungen gegeben. So hieß es unter anderem: „Tierversuche bestätigen Netzhautschädigungen der Augen durch Fluoreszenzlicht“. Nun, im Jahre 1966 konnte W. K. Noell mit elektrophysiologischen und histologischen Methoden Lichtschäden an der Ratten-Netzhaut dokumentieren. Netzhautschädigungen durch Licht entstehen aber nur unter bestimmten Bedingungen. Im Experiment wurde die Intensität und Dauer der Lichtbelastung der Augen so lange erhöht, bis Schäden auftraten. Aber auch das natürliche, „gesunde“ Licht kann in der Überdosis schaden. So genügen Augenblicke, um in den ungeschützten Augen von Beobachtern einer Sonnenfinsternis einen Sonnenbrand, ja sogar ein Loch entstehen zu lassen. Daher ist die Unterscheidung in „natürliches“ Licht und „unnatürliches“ nicht aufrechtzuerhalten.

Wie vermag der Laie zu erkennen, ob eine Lichtquelle dem Auge Schaden zufügen könnte?

Heilig: Das Gefühl der Blendung, welches sich bis zu einem unerträglichen Schmerz steigern kann, stellt ein Warnsignal des Körpers dar. Ein überstrecktes Gelenk zum Beispiel signalisiert in analoger Weise eine Warnung an das Gehirn, und der Schmerz löst einen Schutzreflex aus. Schutzreflexe des Auges bei „Überbelichtung“ der Netzhaut sind etwa das Zusammenkneifen der Lider oder eine Verengung der Pupille.

Wovon hängt es nun ab, ob Licht schädlich ist oder nicht?

Gleichgültig wie das Licht entstanden ist oder erzeugt wurde, entscheidend ist, wie viel an energiereichem Licht (Photonen) physikalisch messbar auf der Netzhaut landet. Photonen haben gewissermaßen „kein Mascherl“. Im Wesentlichen sind es drei Faktoren, von denen eine mögliche Schädigung des Auges abhängt: die Intensität, die Dauer der Exposition und die spektrale Zusammensetzung des potenziell schädigenden Lichts.

Davon abgesehen kann auch die individuelle Empfindlichkeit eine Rolle spielen. Darüber hinaus könnten gewisse Substanzen (wie bestimmte Medikamente, welche die Empfindlichkeit der Netzhaut verändern) die Lichtsensibilität erhöhen.

Die Kritik an Energiesparlampen und künstlichem Licht im Allgemeinen geht ja darüber hinaus. Es soll für viele Erkrankungen verantwortlich sein …

Ja, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselkrankheiten, Diabetes, Immunstörungen, sogar Brustkrebs wurden damit in Zusammenhang gebracht. Aussagen dieser Art verwirren die Konsumenten, sie verunsichern, halten jedoch einer kritischen Prüfung nicht stand und machen Angst – zu Lasten des viel zitierten Immunsystems. Wieder einmal ist eine Lanze für den Hausverstand zu brechen … Energiesparlampe ist nicht gleich Energiesparlampe.

Es gibt ja verschiedene Modelle, nicht alle haben einen hohen Blaulichtanteil; es gibt auch Sparlampen mit weichem Farbton, der dem des Sonnenlichts sehr nahe kommt. Daher ist jedes Pauschalurteil über DIE Sparlampe äußerst problematisch – im Grunde nicht zulässig. Außerdem sind die Lampen so weit vom Auge entfernt, dass der Vergleich mit Licht-Schädigungs-Experimenten nicht statthaft ist, denn die Lichtintensität nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab.

Was empfehlen Sie Personen, die besonders lichtempfindlich sind?

Ganz besonders lichtempfindliche Personen (sei es infolge genetischer Belastung oder bei bereits bestehender Netzhautschädigung etc.) fühlen sich durch verschiedene künstliche Lichtquellen geblendet. Spezielle Filterbrillen können den Sehkomfort und damit auch das Kontrast-Sehen verbessern. Augenärztliche Beratung wird solchen Patienten besonders empfohlen.

Hier die [ ausführliche Version des Interviews mit Dr. Heilig ]

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