Gesundheit: Das Reklame-Massaker

Schlechte Werbung für eine gute Sache

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Konsument 6/2005 veröffentlicht: 21.05.2005

Inhalt

Hepatitis-Kampagne: Drastisch übertrieben.

Selbstmordattentat oder Amok?

An der Bushaltestelle wartet eine Reihe von Leuten. Plötzlich fällt einer um. Wie Dominosteine sinken auch andere Wartende entseelt zu Boden. Selbstmordattentat oder Amoklauf? Falsch: Damit sollen Frau und Herr Österreicher zur Impfung gegen Hepatitis A+B bewogen werden. Denn einige Aufrechte trotzen standhaft der Gefahr, weil sie geimpft sind.

Blut & Sex

Aber so simpel ist die Sache nicht. Hepatitis holt man sich nicht beim Warten an der Bushaltestelle. Hepatitis A wird durch Verzehr von rohem Fisch oder verunreinigtem Wasser übertragen, Hepatitis B vor allem über Blut und sexuelle Kontakte. Und tot umfallen wird man bei einer Ansteckung auch nicht. Todesfälle kommen extrem selten vor. Hepatitis A wird nie chronisch, Hepatitis B nur selten, dies lässt sich aber behandeln. Aber: Hepatitis B grassiert in südlichen Ländern wegen der schlechten hygienischen Bedingungen, es gibt dort kaum Therapiemöglichkeiten. Daher bemüht sich die Weltgesundheitsorganisation, diese Infektionskrankheit auszurotten. Eine Impfung ist also sinnvoll und für Urlauber sogar die Basis jeder Reiseimpfung.

Werbung auch ohne Pankimache möglich

Risikogruppen (medizinisches Personal, bei Piercing/Tattoos, wechselnden Sexualpartnern, Drogenkonsum) sollten sich schützen. Aber das ließe sich auch ohne Panikmache erklären. Aufklärung über gesundheitliche Gefahren ist ja erlaubt. Breite Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente aber nicht. Die Grenze dazwischen interpretieren manche Pharma-Firmen jedoch sehr eigenwillig.

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Bild: VKI