Hormone in Kosmetika

Ein Gesundheitsrisiko?

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KONSUMENT 3/2014 veröffentlicht: 27.02.2014

Inhalt

Sind hormonaktive Substanzen in Kosmetika ein Gesundheitsrisiko?

Wir sagen: Viele Kosmetika enthalten zwar Substanzen, die das Hormonsystem beeinflussen können, ein Gesundheitsrisiko ist jedoch bis heute nicht eindeutig belegt. Umweltschäden, die auf das Konto der Parabene gehen, sind dagegen bereits nachweisbar.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt

 

Parabene als Konservierungsmittel zugesetzt

Ob Deos, Lippenstifte oder Bodylotions, immer wieder kommen Kosmetika in Verruf, weil sie gesundheitsschädliche Verbindungen enthalten sollen. In letzter Zeit sind es vor allem sogenannte hormonaktive Substanzen, meist die als Konservierungsmittel zugesetzten Parabene, welche die Produkte ins Gerede bringen. Ihren hormonähnlichen Wirkungen kam man durch Tests an Zellkulturen im Labor sowie im Tierversuch auf die Spur. Hier zeigen die Konservierungsmittel eine schwache Wirkung auf die Östrogen-Aktivität.

Gesundheitliche Gefahren für Menschen sind nicht erforscht

Derartige Befunde alleine geben jedoch noch keinen Aufschluss darüber, ob auch für den menschlichen Organismus gesundheitliche Gefahren bestehen. Dafür wären Studien am Menschen notwendig. Die sind, was Parabene anbelangt, nur spärlich vorhanden und ihre Ergebnisse sind nicht eindeutig. So gut wie überhaupt nicht erforscht ist zudem, ob Wechselwirkungen mit bestimmten Krankheiten bestehen. Es ist nicht einmal ausreichend geklärt, wann und wie hormonell wirksame Stoffe – in der Fachwelt als endokrine Disruptoren bezeichnet – in die körperliche Entwicklung eingreifen. Tier- und Laborstudien deuten allerdings darauf hin, dass sie in der Embryonalentwicklung und während der Pubertät besondere Wirksamkeit entfalten.

Risikobewertung schwierig ...

Endokrine Disruptoren sind nicht nur in Kosmetika enthalten, sondern auch in zahlreichen anderen Produkten. Derzeit stehen rund 800 Chemikalien im Verdacht, das Hormonsystem stören zu können. Sie werden unter anderem mit Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, Übergewicht, Autoimmunerkrankungen oder Parkinson in Verbindung gebracht. Eine Risikobewertung ist allerdings schwierig, da unklar ist, welche der Substanzen in welchem Maß überhaupt vom Körper aufgenommen werden.

... dennoch möglicherweise erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt

Andererseits wird laut dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2012 aufgrund von sich möglicherweise aufsummierenden Effekten das gesundheitliche Risiko durch endokrine Disruptoren möglicherweise sogar noch stark unterschätzt. Neben dem direkten Einfluss auf die menschliche Gesundheit werden auch inzwischen belegte Gefahren für die Umwelt thematisiert. Der WHO-Bericht geht beispielsweise davon aus, dass der Bestandsrückgang vieler Greifvogelarten, Schnecken und Robben auf hormonaktive Substanzen zurückzuführen ist.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Bei den Lesern steigen Erwartungen und Sorgen. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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