Jod im Salz

Erkrankung und Jodmenge: Zusammenhang unklar

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KONSUMENT 4/2015 veröffentlicht: 26.03.2015, aktualisiert: 15.04.2015

Inhalt

Kann zu viel Jod eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und in der Folge eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen?

Wir sagen: Bei Personen mit hohem Jodkonsum scheinen Autoimmunerkrankungen häufiger aufzutreten. Der endgültige Beweis, dass die Krankheit tatsächlich durch hohe Jodmengen verursacht wird, steht jedoch noch aus.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt

 
Jodiertes Speisesalz findet sich wohl in jeder Küche. Dass Speisesalz mit Jod versetzt ist, geht auf einen noch vor einem halben Jahrhundert grassierenden Jodmangel in der Bevölkerung zurück. Folge war unter anderem eine stark vergrößerten Schilddrüse, umgangssprachlich Kropf genannt. Ab 1963 wurde deshalb das Speisesalz in Österreich mit Jod angereichert. Die Fälle von Kropfbildung gingen daraufhin deutlich zurück. Jodmangel kann zudem gravierende gesundheitliche Folgen haben, etwa während der Schwangerschaft oder der weiteren Entwicklung des Kindes.

Jod kann Entzündungen der Schilddrüse auslösen

Eine Unterversorgung kann die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und zu schwerer geistiger Behinderung führen. Jod ist vor allem in Fisch, Meeresfrüchten und manchen Algen, etwa in Nori (wird zum Rollen von Sushi verwendet), enthalten. Jod ist also einerseits essenziell, steht andererseits aber im Verdacht, chronische Entzündungen der Schilddrüse auszulösen, wenn es im Übermaß aufgenommen wird. Bei dieser nach dem japanischen Mediziner Hashimoto benannten Erkrankung greift das Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe an. Symptome sind Müdigkeit, Verstopfung, Muskelschmerzen, Gewichtszunahme bis hin zu geistiger Verlangsamung und Depressionen.

Verschiedene Ursachen der Erkrankung

Etwa ein Zehntel der Bevölkerung ist davon betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Vermutung, dass eine erhöhte Jodaufnahme die Hashimoto- Erkrankung auslösen könnte, ergibt sich aus diversen Studien. Im Rahmen einer Arbeit wurden etwa drei Regionen in China über einen Zeitraum von fünf Jahren miteinander verglichen: Die Zahl der Erkrankungen war dort am höchsten, wo die größte Menge an Jod konsumiert wurde. Dabei wurde allerdings nicht untersucht, inwieweit auch andere Gründe für die Häufung der Krankheitsfälle verantwortlich sein könnten. Die Krankheit wird nämlich auch durch Vererbung, Stress oder Umwelteinflüsse ausgelöst. Sie kann auch Folge einer Schwangerschaft sein.

Diverse Studien ohne eindeutiges Ergebnis

Die Aussagekraft der chinesischen Studie ist außerdem deshalb begrenzt, weil die Fallzahlen sehr klein sind. In einer dänischen Studie wurden insgesamt mehr als 500.000 Menschen über einen Zeitraum von sieben Jahren untersucht, nachdem in Dänemark die verpflichtende Jodierung von Speisesalz eingeführt worden war. Bei 20- bis 59-Jährigen, die zu Studienbeginn mit Jod leicht unterversorgt gewesen waren, war nach Einführung der Jodierung ein deutlicher Anstieg bei Fällen von Schilddrüsenunterfunktion zu verzeichnen.

Unklar ist jedoch auch in dieser Arbeit, ob nicht andere Faktoren dafür verantwortlich sein könnten. Fazit: Zwar scheint es einen Zusammenhang zwischen einer Jodüberversorgung und dem Auftreten der Hashimoto-Erkrankung zu geben, ein sicherer Beweis steht jedoch noch aus. Um zu beweisen, dass eine Jodüberversorgung alleine dafür verantwortlich ist, wären Studien notwendig, die andere mögliche Faktoren berücksichtigen.

Gesundheitlicher Nutzen überwiegt

Insgesamt überwiegt der gesundheitliche Nutzen von Jod allerdings deutlich. Der Körper ist darauf angewiesen, dass wir mit der Nahrung ausreichende Mengen an Jod zu uns nehmen. Ohne Jod funktioniert unsere Schilddrüse nicht. Diese steuert über ihre Schilddrüsenhormone viele Stoffwechselvorgänge in unserem Körper. Gerade in der Schwangerschaft und in der Kindheit ist eine ausreichende Jodversorgung wichtig, da sonst die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt ist. Die Folgen reichen bis zur schweren geistigen Behinderung. In Österreich nimmt bis zu eines von zehn Kindern noch immer zuwenig Jod zu sich. Ausreichend Jod mit der Nahrung zu essen ist deshalb sehr wichtig. Es ist besonders in Fisch, Meeresfrüchten und manchen Algen enthalten – etwa in Nori, welches zum Rollen von Sushi verwendet wird. Für gesunde Menschen sind auch große Jodmengen wie beispielsweise bei einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel unbedenklich, denn die Schilddrüse kann sich normalerweise gut an eine höhere Dosis anpassen. Bei Personen mit eventuell unerkannten Schilddrüsenproblemen können hohe Mengen an Jod allerdings schwere Störungen auslösen.
 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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Bewertung

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Kommentare

  • Jodversorgung in Östereich
    von furlan am 02.04.2015 um 22:48
    der Artikel ist für den Laien sehr irreführend geschrieben. Der wichigste Punkt der zu klären wäre ist wie ist die Jodversorgung denn in Österreich wirklich. Es besteht nämlich trotz der Kochsalzjodierung bei vielen Menschen nur eine grenzwertig niedere Jodversorgung bei uns, bei Schwangeren und Stillenden sogar meist ein Jodmangel. Eine Überversorgung mit Jod ist eigentlich nur bei Menschen zu verzeichnen die aus medizinischen Gründen hohe Jodmengen zugeführt bekommen, z.b. Röntgenkontrastmittel oder Amiodaron gegen Herzrhythmusstörungen. Es ist richtig daß bei besserer Jodversorgung die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse zunehmen, aber wir sind weit davon entfernt eine Jodüberversorgung zu haben und die Jodmangelkröpfe mit ihren Folgen sind das weit größere Problem als die Hashimotothyreoiditis. Beim Jodmangel ist die Datenlage eindeutig, sodaß ich davor warne, über Jodexzess Angst zu verbreiten wo wir doch viel näher am Jodmangel sind.
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