Kinder und Medikamente

Riskante Gratwanderung

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Konsument 3/2010 veröffentlicht: 23.02.2010

Inhalt

  • Wenige Arzneimittel sind für Kinder untersucht und zugelassen
  • Säuglinge und Kleinkinder nie eigenmächtig behandeln
  • Dosierungen, Altersbegrenzungen und Einnahmezeiten beachten

Schwierige Versorgungslage

 

Kinder sind Patienten wie Erwachsene, sie haben Wehwehchen und schwere Erkrankungen und sind bei der Behandlung auf Arzneimittel angewiesen. Doch nur ein geringer Teil aller Medikamente ist für die kleinen Patienten auch tatsächlich zugelassen, neben Impfstoffen sind es meist Mittel gegen harmlosere Erkrankungen. Je schwerer die Krankheit und je jünger die Patienten, desto schwieriger ist die Versorgungslage. Für fast 90 Prozent aller Medikamente, mit denen auf Neugeborenen-Intensivstationen die besonders gefährdeten „Frühchen“ behandelt werden, bestehen beispielsweise keine entsprechenden Zulassungen.

 

„Off-Label-Use“

 

Ärzte haben deshalb häufig gar keine andere Wahl, als Kinder mit Präparaten zu behandeln, die gar nicht für sie gedacht sind. „Off-Label-Use“ (zulassungsüberschreitende Anwendung) nennen Mediziner diese Praxis. Daran hat auch eine EU-Verordnung vom Januar 2007 nichts geändert, die die Pharmafirmen dazu auffordert, neue und für diese Altersgruppe bedeutsame Medikamente (was für die meisten Mittel gilt) auch für Kinder zu testen. Das Problem beim Off-Label-Use liegt darin, dass der Arzt in der Regel über keinerlei Informationen hinsichtlich richtiger Dosis, Darreichungsform oder möglicher Nebenwirkungen bzw. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verfügt. Die Verantwortung für die Folgen der Anwendung trägt er dennoch.

 

Teure Medikamentenentwicklung

 

Mangelnde Rentabilität ist einer der Hauptgründe dafür, warum so wenig Medikamente für Kinder zugelassen sind. Die Entwicklung von kindgerechten Medikamenten ist aufgrund des vergleichsweise geringen Bedarfs sehr teuer, zumal wenn es um selten auftretende Krankheiten geht. Dies geben die Hersteller auch unumwunden zu: „Das Missverhältnis von weit überdurchschnittlichem Entwicklungsaufwand und weit unterdurchschnittlichen Einnahmemöglichkeiten erschwert den Weg zu mehr zugelassenen Arzneimitteln für Kinder“, heißt es in einer Stellungnahme des deutschen Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller aus dem Jahr 2006.

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