Kunde König: Dicke Kinder

Hinaufessen & herunterbringen

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Konsument 10/2004 veröffentlicht: 16.09.2004

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Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Dicke sind das bessere Kapital

Kinder sind unser wertvollstes Kapital für die Zukunft, sagte der Spielwarenkonzern. Aber dicke Kinder sind ein noch besseres Kapital, riefen ein paar andere in der Runde. Die Dickerln sind mehrfach wertvoll, zum Beispiel für: Teilweise schlechtes Gewissen der Eltern, das sich relativ leicht in Umsätze verwandeln lässt. Schlechtes Gefühl bei den Kindern selbst, vor allem, wenn sie zu jungen Frauen heranwachsen und in die bewährte Schlankzwang-Mühle geraten.

Bei Buben und Männern ist der Schlankmachermarkt kleiner, vor allem, seit der Bulle von Tölz erfolgreich so tut, als ginge es mit Bauch auch. Umso mehr müssen wir bei den Mädchen aufpassen, dass rundliche Models nicht zu sehr in Mode kommen!

Störfaktor gesunde Jause

Kleinere Störaktionen wie das gelegentliche Auftreten der gesunden Schuljause sind keine ernsthafte Bedrohung, die haben gegen unsere konzentrierte Zucker- und Fett-Werbung in diversen TV-Kinderprogrammen wenig Chancen. Hat sich die Fast-Food-Abteilung schon beim DJ Ötzi für den „Burger Dance“ bedankt?

Keimzelle kindlichen Specks

Nachträgliche Gratulation übrigens zu der Fertigmenü-Werbung unserer Schistars im vergangenen Winter! Dieses Essen mag als Dickmacher nebensächlich sein, die Werbung war jedoch ein gutes Argument gegen eventuellen Frischgemüse-Wahn in den Familien, diesen wichtigen Keimzellen des kindlichen Specks! Gerade da muss man den Anfängen wehren, denn wer als Kind nicht dick wird, fällt uns womöglich lebenslang als Hinaufesser und Herunterbringer aus.

Foto: Grasböck

               Alois Grasböck             

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