Kunde König: Raucher

Vom Aussterben bedroht

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Konsument 1/2006 veröffentlicht: 12.12.2005

Inhalt

Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Du darfst - darfst du?

Konsument-Satiriker Alois Grasböck

Alois Grasböck
Der Raucher ist eine aussterbende Art. Dass ihm die Zigaretten per Packungsaufschrift zurufen, dass Rauchen tödlich sein könne, ginge ja noch. Diese Warnungen kosten einen echten Raucher nur einen Huster und den Hinweis, dass auch Nichtraucher sterben. Was den Raucher am härtesten trifft, ist die Zerstörung seines Lebensraumes. Seine Welt wird durch die explosionsartige Vermehrung der Rauchverbote zunehmend enger. Immer seltener stößt sein suchender Blick auf einen Aschenbecher, der ihm signalisiert: Du darfst.

Ausbreitung der rauchfreien Zonen

Ob öffentliche Gebäude, ob private Wohnungen – die rauchfreien Zonen breiten sich unentwegt aus. Selbst in kalten Nächten, in denen man keinen Hund vor die Tür schicken würde, verbannt man den Raucher auf Straßen und Balkone. Oft sind es gerade ehemalige Nikotin-Kameraden, die den Raucher mit eitler Überheblichkeit nerven: „Wenn ich aufhören konnte, dann kannst es du auch.“

Entzug im Urlaub

Noch schlimmer kann es den Raucher im Urlaub treffen. In manchen Ländern lauern Nichtraucher-Hotels auf den arglosen Touristen, und sogar in Italien kann von Dolce Vita für die Bronchien keine Rede mehr sein. In Gasthäusern herrscht Rauchverbot, was zur Folge hat, dass mancher den Espresso nach dem Essen schon mit Entzugserscheinungen in sich hineinzittert.

Druck auf Brust und Brieftasche

Von der Gesellschaft geächtet, von Strafen bedroht, von düsteren Lungenröntgenbildern erschreckt – es ist kein Wunder, wenn der Raucher einen Druck auf der Brust spürt. Der einzige, der ihn noch versteht, ist der Finanzminister. Der hat im Vorjahr, als die Tabaksteuer unter den Erwartungen blieb, gesagt: „Daher bitte rauchen Sie!“ Der Raucher könnte natürlich aufhören. Locker. Hat er schon oft gemacht. Aber irgendwer muss ja an den Staat denken.

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Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo