Kurzsichtigkeit: Augentraining

Wirksamkeit nicht nachgewiesen

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KONSUMENT 1/2014 veröffentlicht: 02.01.2014

Inhalt

Augentraining soll angeblich bei Kurzsichtigkeit helfen.

Wir sagen: Zur Wirksamkeit des Augentrainings bei Kurzsichtigkeit liegen keine ausreichenden Belege vor, ein positiver Effekt ist nur bei sehr wenigen Erkrankungen zu erwarten.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt


Das Augentraining, so wird uns immer wieder in Zeitungsartikeln suggeriert, soll vorbeugend gegen Kurzsichtigkeit wirksam sein. Das Verfahren wurde ursprünglich vom amerikanischen Augenarzt William Bates entwickelt. Verschiedene Übungen sollen dazu beitragen, Kurzsichtigkeit zu verhindern beziehungsweise zu korrigieren.

Im Laufe der Zeit wurde das Therapiespektrum immer mehr erweitert. So soll das Augentraining auch bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), Lernschwäche und sogar bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung) hilfreich sein.

Augentraining soll positive Auswirkungen auf das Fokussieren haben

Das Training gegen Kurzsichtigkeit zielt vor allem auf jene Muskeln ab, die die Verformung der Linse ermöglichen. Zudem soll auch das Zusammenspiel der Muskeln optimiert werden, die für die Bewegungen des Augapfels zuständig sind. Dies soll positive Auswirkungen auf das Fokussieren beider Augen auf einen Punkt haben.

Kurzsichtigkeit entsteht entweder durch eine zu starke Brechkraft des Auges oder durch einen zu langen Augapfel. In beiden Fällen wird das Bild nicht auf der Netzhaut scharf gestellt, sondern etwas davor. Die Fähigkeit der Augenmuskeln, das Auge korrekt zu bewegen und mit der Linse scharf zu stellen, wird schon früh in der Kindheit geformt; daher kann man bei beiden Ursachen von Kurzsichtigkeit mit Training kaum etwas bewirken.

Bei Kurzsichtigkeit kein Effekt nachgewiesen

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2005 fand keine kontrollierte Studie, die einen Effekt des Augentrainings auf Kurzsichtigkeit zeigen konnte – und auch keine, die eine vorbeugende Wirkung nahelegen würde. Für andere Formen der Fehlsichtigkeit existieren ebenfalls nur kleine und methodisch schwache Studien, die keinen Beleg einer Wirksamkeit dieses Augentrainings liefern.

Seltene Augen-Erkrankungen: Training könnte hilfreich sein

Andere Formen von Augen- bzw. Sehtraining sollen bei einigen eher seltenen Erkrankungen helfen – beispielsweise, wenn es nicht möglich ist, mit beiden Augen auf einen Punkt zu fokussieren. Hier spielt die mangelhafte Koordination der Augenmuskeln eine Rolle und es existieren schwache Hinweise, dass ein Sehtraining helfen kann.

Kein Wirknachweis bei Legasthenie, Lernschwäche oder ADHS

Bei Legasthenie, Lernschwäche oder ADHS fehlt ein Wirknachweis. Hier ist nicht einmal geklärt, ob es zwischen diesen Erkrankungen und gestörtem Sehen überhaupt eine Verbindung gibt. Gesichert ist lediglich, dass vom Augentraining direkt keine gefährlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Bei den Lesern steigen Erwartungen und Sorgen. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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