Lippenstift: Gefahr durch Metalle?

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KONSUMENT 12/2013 veröffentlicht: 14.11.2013

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Titan und Aluminium: Können Verunreinigungen mit Metallen in Lippenstiften die Gesundheit schädigen?

Wir sagen: Lippenstifte enthalten zwar, wie Studien belegen, Spuren von Metallen. Es ist jedoch noch zu wenig erforscht, ob bei häufigem Gebrauch ein gesundheitliches Risiko besteht.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt


Wer häufig zum Lippenstift greift, "verspeist“ Schätzungen zufolge im Laufe seines Lebens zwischen ein und zwei Kilo des Kosmetikartikels. Die Produkte sollen deshalb aus gesundheitlichen Gründen möglichst frei von Schadstoffen sein.

Berichte über Verunreinigungen mit Metallen

Immer wieder sorgen jedoch Berichte über Verunreinigungen mit Metallen für Verunsicherung unter Konsumentinnen. Vor allem Schwermetalle können die Gesundheit schädigen; wie stark, das hängt von der aufgenommenen Menge ab. Kosmetika müssen deshalb strenge Reinheitsanforderungen erfüllen, um in der EU erlaubt zu sein. In unserem letzten Lippenstift-Test (KONSUMENT 2/2013) konnten wir in den untersuchten Produkten keine Schwermetalle entdecken. Andererseits wurden Forscher der Universität von Kalifornien in einer aktuellen Untersuchung fündig. Sie stießen in Lippenstiften vor allem auf die Metalle Titan und Aluminium.

Pro Tag 0,034 mg Titan ...

Unter der Annahme, dass der aufgetragene Lippenstift zur Gänze in den Körper aufgenommen wird, ergibt sich ein täglicher Konsum von durchschnittlich 0,034 Milligramm (mg) Titan und 0,106 mg Aluminium. Titan ist nicht toxisch. Der Mensch nimmt bis zu 1 mg Titan am Tag mit der Nahrung auf. Der größte Teil davon wird einfach wieder ausgeschieden. Die deutlich geringere Menge aus dem Lippenstift führt demnach zu keiner erhöhten Vergiftungsgefahr.

... und 0,106 mg Aluminium

Bei Aluminium sieht es ähnlich aus. Da allerdings noch nicht völlig geklärt ist, ob Aluminium bei der Entstehung von Alzheimer mit eine Rolle spielen könnte, liegt die derzeitige Obergrenze pro Tag bei 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die analysierte Menge beträgt nur etwa ein Zehntel davon und kann daher vernachlässigt werden. Dies gilt auch für andere Metalle, die in noch geringeren Mengen in den Produkten gefunden wurden.

Die möglichen Gefahren relativieren sich zudem weiter, da die Wissenschaftler bei ihren Berechnungen davon ausgingen, dass die gesamte Lippenstiftmenge verspeist wird. Es ist nicht untersucht worden, wie viel des Kosmetikums bei normaler Verwendung tatsächlich in den Körper gelangt.

Metalle in Kosmetika: untergeordnete Rolle

Das deutsche Institut für Risikobewertung hält eine Neubewertung der gesundheitlichen Gefahren von Metallen in Kosmetika nicht für notwendig, da Metalle in der Umwelt überall vorkommen und über Nahrungsmittel und Trinkwasser aufgenommen werden. Metalle in Kosmetika spielen demnach nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem sind viele der analysierten Metalle nicht prinzipiell schädlich. Einige von ihnen, wie zum Beispiel Kupfer, Zink, Eisen oder Chrom, sind sogar essenziell und müssen dem Organismus zugeführt werden. Inwieweit die Verwendung von Lippenstiften bei häufiger Nutzung ein Gesundheitsrisiko darstellt, können aus unserer Sicht nur genauere und umfangreichere Untersuchungen zeigen.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Bei den Lesern steigen Erwartungen und Sorgen. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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