OP-Termine: Wartezeit

Beifall und Empörung

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KONSUMENT 10/2011 veröffentlicht: 16.09.2011

Inhalt

Als wir uns in der Redaktion über die Gestaltung unserer 50-Jahr-Jubiläumsausgabe die Köpfe zerbrachen, konnten wir nicht ahnen, welchen Wirbel unser Test zum Thema Wartezeiten im Spital auslösen würde. - Ein Kommentar von KONSUMENT-Redakteur Bernhard Matuschak.

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Bernhard Matuschak (Bild: Wilke) 
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Redakteur
Bernhard Matuschak

Dabei waren es nicht einmal schlechte Testnoten, die für hitzige Debatten sorgten und den VKI in die Schlagzeilen brachten. Wir hatten lediglich nachgeschaut, wie lange Frau und Herr Österreicher auf einen OP-Termin warten müssen, wenn sie a) kassen- oder b) über eine Krankenzusatzversicherung privatversichert sind – und uns nicht einmal versteckt. Eine Testperson hat offiziell im Namen des VKI schriftlich um Auskunft gebeten. Heraus kam, dass Zusatzversicherten in gewissen Spitälern unrechtmäßige Vorteile gewährt werden und dass Krankenkassenpatienten damit rechnen müssen, benachteiligt zu werden.

Beifall und Empörung

Die Veröffentlichung zog zwiespältige Reaktionen nach sich. „Bravo, dass Sie das Thema aufgreifen, auch ich kann davon ein Lied singen“, schrieb etwa eine Leserin und schilderte, wie eine zweiwöchige Wartezeit für einen OP-Termin plötzlich auf neun Monate anwuchs. Der Arzt war zunächst der irrigen Meinung gewesen, die Patientin habe eine Zusatzversicherung. Andere kritisierten uns, weil sie einen Angriff auf die Sonderversicherung wähnten, was jedoch nie in unserer Absicht lag. Wir hegen keine Vorbehalte, denn wir wissen, wie wichtig diese Einnahmequelle für die Spitäler ist. Wir haben allerdings etwas dagegen, wenn Zusatzversicherte in Privatordinationen umgeleitet werden und den Spitälern dadurch finanzielle Mittel entgehen.

Brisant

Unser Test rief auch Politiker und Ärzte auf den Plan. Letztere erwiesen sich dabei einmal mehr als dünnhäutig. So wurde uns unterstellt, dass das "negative Ergebnis“ bereits vor Testbeginn festgestanden habe. Ein Arzt drohte uns per Rechtsanwalt ein gerichtliches Nachspiel an. In 50 Jahren hat der VKI noch kein großes Verfahren verloren, wir sehen auch dieser Drohung gelassen entgegen.

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Kommentare

  • kein Wunder dass sich da mancher Arzt auf den Schlipp getreten fühlt
    von Limaks am 28.09.2011 um 16:58
    Solange Primare nebenbei eigene Praxen betreiben dürfen wird sich hier auch nicht viel ändern. Welche Firma in der Privatwirtschaft würde es erlauben dass Abteilungsleiter - Leistungen aus dem Portfolio der Firma - an Kunden der Firma - teilweise in den Einrichtungen der Firma erbringen und dafür privat kassieren. Außer den Ärzten profitiert davon wohl niemand und trotzdem schafft es die Politik nicht diese Mißstände in den Griff zu bekommen. Vermutlich möchte man das auch gar nicht.
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