Probiotika

Nicht täuschen lassen

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KONSUMENT 8/2013 veröffentlicht: 25.07.2013

Inhalt

Machen probiotische Joghurts glücklich?

Wir sagen: Es lassen sich keine Hinweise darauf finden, dass Probiotika Depressionen lindern und Stress verringern können.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt


Sogenannte Probiotika sollen die Laune heben, uns helfen, das Leben entspannter anzugehen, das Immunsystem stärken und die gestörte Magen-Darm-Flora wieder in Ordnung bringen. Zugeschrieben werden diese Fähigkeiten lebenden Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien oder spezielle Hefen. Als "probiotisch“ deklarierte Lebensmittel, meist Milchprodukte wie Joghurts, sind häufig aufwendig und nur in kleinen Gebinden verpackt.

Gesundheitsversprechen an den Haaren herbeigezogen

Konsumenten sollten sich von der Aufmachung und vom meist überzogenen Preis nicht täuschen lassen. Schon gewöhnliche Naturjoghurts enthalten – sofern sie nicht pasteurisiert wurden – solche lebenden Keime. Viele Gesundheitsversprechen rund um die Joghurtkulturen sind an den Haaren herbeigezogen. Es gibt keine Studien, ob Probiotika bei Alzheimer helfen oder Stress verringern. Auch die Frage, ob probiotische Lebensmittel die Laune heben, ist wissenschaftlich ungeklärt, bisherige Studien sind wenig aussagekräftig.

Studien sind mangelhaft

Nur unwesentlich besser stellt sich die Beweislage ("niedrig") dar, was eine mögliche Stärkung des Immunsystems durch probiotische Milchprodukte angeht. Es gibt zwar Hinweise, dass der regelmäßige Verzehr von Lebensmitteln mit probiotischen Kulturen Entzündungen der oberen Atemwege vorbeugen könnte. Erkältungskrankheiten und Entzündungen von Kehlkopf und Luftröhre scheinen seltener aufzutreten. Die Studien sind jedoch mangelhaft, die Ergebnisse müssen durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Bei Verdauungsproblemen

Besser belegt ist, dass manche probiotische Kulturen bei Verdauungsproblemen helfen können. Einer Metastudie (63 Studien) zufolge verkürzen sie die Dauer einer Durchfallerkrankung um etwa einen Tag. Auch Kinder, die über mehr als zwei Wochen an Durchfallerkrankungen leiden, profitieren möglicherweise von lebenden Kulturen. Am häufigsten wurden bislang Lactobacillus casei (Milchsäurebakterium), Saccharomyces boulardii (Hefeart) und Enterokokken untersucht. Welche probiotischen Keime am wirksamsten sind, ist noch unbekannt.

Experten warnen vor Blutvergiftung

Unklar bleibt auch, ob es einen Unterschied bei der Wirksamkeit von Probiotika in Kapselform, als Pulver und in Milchprodukten gibt. Nicht untersucht wurde, ob es einen Unterschied in der Wirksamkeit von Joghurts gibt, die als "probiotisch“ deklariert sind, und solchen, die als normale Joghurts angeboten werden. Experten warnen auch vor Nebenwirkungen, durch probiotische Mikroorganismen. Ist das eigene Immunsystem nämlich massiv geschwächt, können die Kulturen schwere Entzündungen (Herzmuskel) oder eine Blutvergiftung auslösen.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Bei den Lesern steigen Erwartungen und Sorgen. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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