Rauchen: medikamentöse Nikotinentwöhnung

Nicorette, Nicotinell & Zyban - so schaffen sie es

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Konsument 1/2006 veröffentlicht: 14.12.2005

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  • Nikotinpflaster und -kaugummis fördern Abstinenz
  • Positiver Effekt durch Hausarztberatung und Gruppentherapie
  • Sport und ausgewogene Ernährung ratsam

Sehr viele Jugendliche rauchen

Etwa 2 Millionen Österreicher greifen täglich zum Glimmstängel. Mit schwer wiegenden Konsequenzen: Rauchen ist auf dem Weg, zur Todesursache Nummer eins aufzusteigen. Bereits jetzt sterben hier zu Lande jährlich 14.000 Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums. 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen und 75 Prozent der Todesfälle durch chronische Bronchitis gehen auf das Konto der Zigaretten. Vor allem unter Jugendlichen gilt der „Tschik“ als cool. Jedes vierte 15-jährige Mädchen raucht. Das ist Rekord in Europa. Bei den gleichaltrigen Burschen belegt Österreich mit 22 Prozent Platz zwei im internationalen Vergleich.

Die Hälfte der Raucher ist unzufrieden

Die hohen Zahlen verwundern, denn gut die Hälfte der Rauchergemeinde steckt sich den Glimmstängel eher lustlos an. Einer repräsentativen Umfrage der Sozialmedizin Wien zufolge sind 50 Prozent der österreichischen Raucher mit ihrer Situation unzufrieden und wollen das Rauchen aufgeben. Doch verhältnismäßig wenige schaffen es, dem blauen Dunst zu entsagen. So lässt nur die Hälfte aller rauchenden Frauen während der Schwangerschaft die Finger von der Zigarette, die Mehrheit davon wird nach der Entbindung rückfällig.

Nikotin: in sieben Sekunden im Hirn

Warum tun wir uns so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören, obwohl wir um seine Gesundheitsgefährdung wissen? Verantwortlich ist das hohe Suchtpotenzial, das in der Zigarette steckt. Nikotin gelangt über den Rauch sehr rasch – innerhalb von sieben Sekunden – in das Gehirn und bindet sich dort an spezifische Stellen, so genannte Rezeptoren. Daraufhin werden körpereigene Substanzen ausgeschüttet, die eine angenehme Empfindung auslösen.

Jeder Zug ein "Kick"

Jeder Zug wird so zu einem kleinen „Kick“. Gefördert wird die Nikotinabhängigkeit zudem durch chemische Zusätze. Hinter den auf der Packung angegeben Inhaltstoffen wie Teer verbergen sich insgesamt rund 600 verschiedene Substanzen, die mit inhaliert werden und dafür sorgen, dass Nikotin vom Körper noch schneller aufgenommen wird. Jede Zigarette ist somit eine kleine „Mogelpackung“.

Gefühl der Entspannung und Belohnung

Das Verlangen nach Tabak vermindert die Kontrolle über die Menge der gerauchten Zigaretten. Jeder Lungenzug bewirkt ein kurzes Gefühl der Entspannung und Belohnung, das bald wieder vergeht und den Wunsch nach mehr entstehen lässt. Wird dieses Verlangen, egal ob man 5 oder 50 Zigaretten am Tag raucht, nicht befriedigt, mündet das in Entzugssymptome: Unruhe, Gereiztheit, Ungeduld, Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen oder Appetitsteigerung. Am stärksten ausgeprägt sind die Entzugserscheinungen 24 bis 48 Stunden nach dem Konsum der letzten Zigarette. Erst im Lauf von 3 bis 4 Wochen werden sie schwächer.

Hauruck-Methode funktioniert nur selten

Rauchern, die schon einmal versucht haben, aufzuhören, sind diese Symptome nur allzu gut bekannt. Es ist leichter gesagt als getan, die Finger vom Glimmstängel zu lassen. Die Hauruck-Methode, also einfach aufhören, klappt in den seltensten Fällen. Nicht einmal fünf Prozent schaffen es auf diese Weise, „clean“ zu werden. Die meisten werden nach einigen Wochen oder Monaten wieder rückfällig.

Schrei des Körpers nach Nikotin

Aber das ist kein Grund, gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen und Therapien, um die Chancen zu erhöhen, dem blauen Dunst endgültig zu entsagen. Wir haben uns vor allem die Tauglichkeit von Nicorette, Nicotinell und Zyban angesehen (unsere Testtabelle "Medikamentöse Nikotinentwöhnung" links gibt einen Überblick). Einigermaßen sicher dürfen Sie sich erst fühlen, wenn Sie es sechs Monate ohne Zigarette ausgehalten haben.

Entscheidend ist bereits die richtige Vorbereitung. Versuchen Sie nicht, am Tag nach einer Feier oder in einer Stress-Situation aufzuhören. Ausgeruht und entspannt lässt sich der Schrei des Körpers nach Nikotin am ehesten abwehren. Tanken Sie frische Luft auf dem Balkon, drehen Sie eine Runde um den Block und zünden Sie ruhig ein Streichholz an – der erste Schub an Entzugserscheinungen ebbt nach wenigen Minuten wieder ab.

 

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Bild: VKI