Rotlicht-Bestrahlungen

Bei Zahnfleischentzündungen?

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KONSUMENT 11/2014 veröffentlicht: 23.10.2014

Inhalt

Helfen Bestrahlungen mit kaltem Rotlicht bei chronischen Zahnfleischentzündungen?

Wir sagen: Bestrahlungen mit kaltem Rotlicht scheinen chronische Zahnfleischentzündungen nicht bessern zu können. Das gilt auch für Entzündungen nach Zahnoperationen.
 

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt

 

Bestrahlungen mit Rotlicht-Wärmelampen sind ein oft angewendetes Hausmittel bei Schmerzen. Die Wärmestrahlung der Geräte wird als angenehm empfunden. Die Wirksamkeit bei Schmerzen ist hingegen wissenschaftlich nicht gut untersucht.

Repuls-Strahler mit kaltem Rotlicht

Inzwischen werden auch sogenannte Repuls-Strahler mit kaltem Rotlicht angeboten, die einen deutlichen entzündungshemmenden Effekt haben sollen. Im Unterschied zu Wärmelampen handelt es sich nicht um wärmendes Infrarotlicht, sondern um rotes Licht ausschließlich im sichtbaren Bereich. Laut Werbung sollen Studien eine Wirksamkeit bei chronischer Zahnfleischentzündung oder Schmerzen und Schwellungen nach Zahnoperationen belegen.

Kein Zusatznutzen gefunden

Zur Behandlung von chronischer Zahnfleischentzündung finden sich zwar drei Studien, sie weisen allerdings nur eine begrenzte Aussagekraft auf. In keiner Untersuchung konnten die beteiligten Forscher einen Zusatznutzen von Rotlichtbestrahlungen ergänzend zur üblichen Behandlung finden. Ebenso wenig lässt sich beweisen, dass kaltes Rotlicht Schmerzen nach Zahnoperationen verringern kann.

Eine Analyse der vorhandenen Studien deutet nicht darauf hin, dass rotes Licht Schmerzen und Schwellungen beispielsweise nach dem Ziehen von Weisheitszähnen lindern kann. Die Aussagekraft der Studien ist zudem gering, da sie nur an einer kleinen Anzahl von Teilnehmern und nicht nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wurden.

Relux: Werbung und Einzelfälle

Große, qualitativ höherwertige Studien würden hier mehr Klarheit schaffen. Der Hersteller der Repuls-Strahler, die Relux GmbH, wirbt auch mit Zahlen und Statistiken aus zahlreichen Anwenderberichten. Darunter ist der Fall einer Patientin, deren Schmerzen nach einer Zahnoperation ohne Antibiotika oder Kortison dank Repuls-Strahler zurückgegangen sein sollen. Derartige Einzelfälle lassen jedoch keine Rückschlüsse auf die allgemeine Wirksamkeit zu.

Kaltes Rotlicht bei Akne

Auch die Wirkung von kaltem Rotlicht auf andere Entzündungszustände ist nur unzureichend erforscht. In einer Studie an Akne-Patienten wurde eine Gesichtshälfte mit rotem Licht bestrahlt, während die andere Hälfte unbehandelt blieb. Die Patienten behandelten sich dabei allerdings zu Hause selbst. Zudem war es ihnen offenbar nicht untersagt, zusätzlich kosmetische Produkte zu verwenden. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Besserung auf andere Behandlungsformen zurückzuführen war.

Bessere Studien nötig

Um die Wirksamkeit von Rotlicht bei Entzündungen belegen zu können, sind qualitativ bessere Studien an einer großen Anzahl von Teilnehmern notwendig. Der Vergleich der behandelten Personen mit unbehandelten muss dabei nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erfolgen. Nur so lässt sich endgültig klären, ob das rote Licht eine Heilwirkung hat oder nicht.

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Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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