Schlankheitsmittel alli

Ein alter Hut

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veröffentlicht: 11.08.2009, aktualisiert: 27.08.2009

Inhalt

Das alli Schlankheitsmittel ist keine Neuheit, denn der Wirkstoff ist schon lange bekannt. Zudem sind die Risiken bei einer Einnahme höher als der Nutzen.

Seit einigen Monaten kommt man in österreichischen Apotheken kaum mehr an der Schlankheitspille „alli“ des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) vorbei. Auch in unserem Apothekentest ("Beratung in Apotheken 9/2009"), spielt alli eine große Rolle. Kein anderes Schlankheitsmittel wurde unserer Testperson, die sich zum Thema Abnehmen in den Apotheken beraten ließ, häufiger angeboten. Zeitweise fühlte sie sich wie bei einer Verkaufsveranstaltung.Alli Kapseln (Bild: VKI)

Seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt

Das Präparat mit dem Wirkstoff Orlistat kam im Mai dieses Jahres auf den österreichischen Markt, alli wird als Neuheit angepriesen. Tatsächlich neu sind der Name und die poppig-bunte Aufmachung. Was der Kunde nicht erfährt: Orlistat ist bereits seit über zehn Jahren als Schlankheitsmittel unter dem Namen Xenical in Apotheken erhältlich. Neu ist, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMEA Orlistat in geringerer Dosierung von der Rezeptpflicht entbunden hat. Bei alli handelt es sich um nichts anderes als Xenical light.

Eingeschränk bis wenig geeignet

Der Nutzen von Orlistat ist umstritten. Wir bewerten das Präparat als mit Einschränkung geeignet zur Unterstützung der Therapie stark übergewichtiger Menschen, bei denen eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zum Abnehmen nicht ausreichen. Die Verträglichkeit über lange Zeit ist noch nicht abschließend zu beurteilen. Und das Präparat ist wenig geeignet, um dauerhaft Gewicht zu verlieren, wenn nicht zugleich die Ernährung umgestellt wird.

Wirkung fragwürdig 

Orlistat ist ein Lipasehemmer. Seine Wirkung richtet sich gegen den Fettanteil in der Nahrung. Fette werden in Magen und Dünndarm in ihre Bestandteile aufgespaltet, dann erst können sie ins Blut aufgenommen werden. Orlistat hemmt die fettspaltenden Enzyme (Lipasen). Normalerweise verlässt nur ein geringer Teil der Fette den Körper unverdaut, nach der Einnahme von Orlistat sind es etwa 25 bis 30 Prozent (25 % bei 60 mg, 30 % bei 120 mg). Zu den Folgen der Anwendung von Orlistat über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Außerdem fehlen bisher Studien, die den Einfluss von Orlistat auf die Entstehung von Folgeerkrankungen bei Übergewicht wie beispielsweise Fettstoffwechselstörungen oder koronare Herzkrankheit belegen.

Mäßiger Gewichtsverlust

Der durch alli erzielte Gewichtsverlust hält sich in Grenzen und ist – falls die Lebensgewohnheiten nicht geändert werden – nicht von Dauer, zumal das Mittel maximal ein halbes Jahr lang angewendet werden darf. Studien zufolge bewegt sich die wöchentliche Gewichtsabnahme zwischen 60 und 70 Gramm.

Achtung, Nebenwirkungen!

Als häufige Nebenwirkungen treten durchfallähnlicher Stuhlgang und Blähungen auf. Dabei kommt es nicht selten vor, dass öliger Stuhl abgeht. Dieser Hinweis fehlt in der deutschsprachigen Gebrauchsinformation, im Gegensatz zu jener in den USA. In Amerika empfehlen die Hersteller außerdem, dunkle Hosen zu tragen und Wechselbekleidung mit zur Arbeit zu nehmen. Ein weiterer Nachteil des Mittels: Die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E und K) aus der Nahrung kann verringert sein. Dieser Mangel sollte laut Gebrauchsinformation durch die Einnahme von Vitaminpräparaten ausgeglichen werden. Wir empfehlen zudem eine obst- und gemüsereiche Kost. Bei Patienten, die aufgrund einer erhöhten Thrombosegefahr blutverdünnende Mittel einnehmen müssen, ist besonders ein Vitamin-K-Verlust zu beachten.

Gegenanzeigen

Wer sich in einem schlechten Allgemeinzustand befindet und Nahrung nur unzureichend verwerten kann, sollte alli nicht einnehmen. Gleiches gilt, wenn der Abfluss der Galle gestört ist. Diabetiker müssen ihre Blutzuckereinstellung häufiger als üblich kontrollieren. Als Begleiterscheinung der Einnahme können Magenschmerzen, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen auftreten. Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, liegt vermutlich eine Allergie gegen das Mittel vor, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, muss die Einnahme sofort beendet und unverzüglich ein Notarzt gerufen werden, da es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann. In Einzelfällen kann Orlistat die Leber schwer schädigen. Wenn die Haut sich gelb färbt (möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper), sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Risiken einer Anwendung von Orlistat bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre gibt es nur unzureichende Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie nicht mit Orlistat behandelt werden. Eine medikamentöse Hilfe beim Abnehmen ist bei Kindern und Jugendlichen ohnehin nicht angebracht. Über die Risiken einer Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollte das Mittel daher nicht angewendet werden. Die Gewichtszunahme während einer Schwangerschaft ist ein natürlicher Vorgang. Selbst wenn man mehr zunimmt als der Arzt für vertretbar hält, sind Medikamente nicht der richtige Weg. Auch während der Stillzeit sind Maßnahmen zur Gewichtsreduktion abzulehnen.

Nicht empfehlenswert

Wir erachten die Einnahme von alli zur Gewichtsreduktion insgesamt als nicht empfehlenswert. Die Risiken sind höher als der Nutzen, zudem sind die Kosten nicht unerheblich. Für ein halbes Jahr müssen 650 bis 700 Euro veranschlagt werden (für alli und die zusätzlich empfohlenen Vitaminpräparate). Eine Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ist zur dauerhaften Gewichtsreduktion vorzuziehen.

 

 

Kommentare

  • Werbung von Mag. Hanni Rützler für "alli"
    von sapereaude am 24.09.2009 um 14:40
    Nach dieser Bewertung des Produktes "alli" von Konsument ist es umso bedauerlicher, dass sich Ernährungswissenschafterin Mag. Hanni Rützler für eine Werbung für dieses Prodkukt zur Verfügung gestellt hat. In Inseraten von "alli" waren allgemeine Ernährungsratschläge von ihr zu lesen. Die waren nicht schlecht, bedeuten aber zumindest indirekt eine Werbung für das fragwürdige Produkt "alli". Und für diese Ernährungsratschläge wird sie ja sicherlich auch ein Honorar von der Produktfirma erhalten haben.
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