Schmerztherapie

Leiden muss nicht sein

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Konsument 10/2006 veröffentlicht: 13.09.2006

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Chronische Schmerzen sind eine Qual. Als häufigste Ursache von Krankenständen und vorzeitiger Pensionierung belasten sie die Allgemeinheit. Doch das Problem wird kaum beachtet, und das Schmerzmanagement ist hierzulande noch mangelhaft.

Schmerzen sind ein Warnsignal

Akute Schmerzen sind ein Warnsignal oder Folge eines Gesundheitsproblems; sie helfen dem Arzt bei der Diagnosestellung. Die meisten akuten Beschwerden gehen durch gezielte ärztliche Maßnahmen oder Änderung des Lebensstils innerhalb einiger Wochen zurück. Bei jedem zehnten Schmerzgeplagten aber werden die Beschwerden chronisch. Unbehandelt führen sie nach Jahren des Leidens zu organischen Störungen, Depressionen, Ängsten, zu einem Mangel an Selbstvertrauen und in die Isolation. Schätzungen zufolge werden 700.000 Österreicher von anhaltend schweren Schmerzen geplagt.

Folge: arbeitsunfähig

Jeder fünfte Schmerzpatient wird arbeitsunfähig. Chronischer Schmerz ist mittlerweile die häufigste Ursache für Krankenstände und vorzeitige Pensionierung. Jeder sechste Suizid in Österreich ist das Resultat unerträglicher chronischer Schmerzen. „Die schmerzlindernde Versorgung in Österreich bleibt leider hinter dem Niveau zurück, das angesichts der positiven Entwicklung in der modernen Schmerzmedizin heute Standard sein müsste“, kritisiert Dozent Dr. Likar, Leiter der interdisziplinären Schmerzambulanz des Landeskrankenhauses Klagenfurt. Noch immer kommen bei weitem nicht alle Schmerzpatienten in den Genuss einer auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Schmerztherapie. Dabei könnte eine effektive und nebenwirkungsarme Schmerztherapie häufig zu einer verbesserten Lebensqualität verhelfen.

Warum leiden so viele unnötig?

Viele Menschen halten ihre Schmerzen geheim, aus Angst, den Arbeitsplatz oder gar den Lebenspartner zu verlieren. Im christlichen Kulturkreis gilt auferlegtes Leiden immer noch als gottgegeben, und die Einstellung, Schmerzen müsse man eben erdulden, lässt manchen „die Zähne zusammenbeißen“. Und so nehmen viele Menschen die Schmerzen einfach hin und warten viele Monate lang, bevor sie einen Arzt konsultieren. Das ist fatal. Denn je länger ein Schmerz dauert, umso mehr Chancen hat er, sich ins Gedächtnis „einzubrennen“ und desto schwieriger wird es, ihn zu behandeln.

Wohin soll ich mich wenden ...

Es kann Jahre dauern, bis Betroffene eine gezielte Behandlung erhalten. Häufig liegt es an der mangelhaften Versorgungsstruktur: So gibt es zum Beispiel in Österreich bei 600.000 Rheumakranken nicht einmal 200 spezialisierte Rheumatologen – im Burgenland gar nur einen einzigen. Wird akuter Schmerz aber nicht wirksam behandelt, sinkt die Schmerzschwelle und es entsteht, abgelöst von der ursächlichen Erkrankung, eine eigenständige „Schmerzkrankheit“. Einerseits wird chronischer Schmerz von vielen Ärzten noch nicht als eigenes Krankheitsbild wahrgenommen.

... wenn Schmerz mich beugt?

Andererseits wissen viele Betroffene nicht, wohin sie sich wenden sollen: Es gibt bislang kein Diplom der Ärztekammer für Schmerztherapie in Österreich. Die Fachärzte für Anästhesie werden zwar an den Universitäten auch „für Intensivmedizin, Notfallsmedizin und Schmerztherapie“ ausgebildet, doch das ist zu wenig bekannt. Der Anästhesist kann den Schmerz lindern, der eine Krankheit begleitet, nicht aber die Krankheit heilen. Bei Rheuma wird dies der spezialisierte Rheumatologe übernehmen, bei Krebs der Onkologe. Fachübergreifende Zusammenarbeit ist daher gefragt.

 

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