Spitalsambulanzen: Terminvergabe

Privat hat Vorrang

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Konsument 8/2010 veröffentlicht: 27.07.2010

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  • Große Unterschiede bei Wartezeiten auf Ambulanztermine
  • Privatpatienten werden teilweise erheblich bevorzugt
  • Im Zweifelsfall in mehreren Spitälern um Termin bemühen

Eine Zusatz- oder Sonderklasseversicherung bietet einige Vorteile. So lässt sich ­damit der Aufenthalt im Krankenhaus angenehmer gestalten, etwa die Unterbringung betreffend. Der Patient kann auch Einfluss darauf Bild: Cartoon/K. Pitter nehmen, von welchem Arzt er behandelt wird. Kritiker behaupten allerdings, dass sich finanziell besser gestellte Patienten durch die Extrazahlung auch ­eine medizinische Sonderbehandlung erkaufen könnten und mahnen vor dem ­Abgleiten in eine "Zwei-Klassen-Medizin".

Vorwurf der "Zwei-Klassen-Medizin"

Eine der Vermutungen, die in diesem Zusammenhang auch immer wieder geäußert wird, ist, dass privat Versicherte rascher zu einem Untersuchungs- bzw. Behandlungstermin kommen, sei es beim Arzt oder im Spital. Wir sind diesem Vorwurf bereits ­2008 in einem Test zu Facharztterminen nachgegangen. Damals haben wir 90 Facharztordinationen in ganz Österreich unter die Lupe genommen. Eine Bevorzugung von Privatpatienten konnten wir nicht erkennen.

Überweisung für Spitalsambulanzen

In unserem aktuellen Test haben wir uns nun die Ambulanzen von Spitälern vor­genommen. Krankenanstalten und Ärzte kommen in den Genuss von Zulagen, wenn sie Sonderklassepatienten stationär aufnehmen. Derartige finanzielle Anreize könnten, so die Vermutung, dazu führen, dass Sonderklassepatienten rascher einen Ambulanztermin erhalten oder etwa an die Privatordination eines in der Kranken­anstalt tätigen Arztes verwiesen werden. Mangels gesetzlicher Regelung ist ein derartiges Vorgehen zwar nicht verboten, eine Bevorzugung zusatzversicherter Patienten widerspricht jedoch den Grundsätzen einer gerechten und solidarischen Gesundheitsversorgung.

Auf der Homepage der Ober­österreichischen Gebietskrankenkasse (www.ooegkk.at) heißt es dazu etwa: "Bei der medizinischen Behandlung darf es keinen Unterschied zwischen der allgemeinen Gebührenklasse und der Sonderklasse geben. Dies gilt auch für die Vergabe von ­Operationsterminen." Wer länger auf eine Behandlung warten muss, ist nicht nur den Unannehmlichkeiten der Erkrankung länger ausgesetzt, sondern muss unter ­Umständen auch einen erneuten Gang zum überweisenden Arzt in Kauf nehmen. Überweisungen an eine Krankenanstalt sind nämlich in der Regel nur einen Monat ab Ausstellungsdatum gültig.

Wird diese Frist überschritten, müsste sich der Patient eigentlich einen neuen Überweisungsschein ausstellen lassen. Die meisten Spitäler akzeptieren allerdings auch Zuweisungen, bei denen das Zeitlimit überschritten wurde, vorausgesetzt, die Terminverein­barung erfolgte innerhalb der Monatsfrist. Da die Ärzte wissen, dass es nicht selten zu langen Wartezeiten kommt, lassen viele das Ausstellungsdatum auf dem Überweisungsschein frei.

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Kommentare

  • @kodo_gue:
    von NETclub50plus am 27.10.2013 um 17:52
    @ kodo_gue: Okay, dieser Artikel und Ihr Kommentar dazu sind schon älter. Ich bin erst heute darauf gestoßen und habe mich sehr gewundert: Sie behaupten allen Ernstes, es mache doch kaum einen Unterschied ob man 10 Mintuen oder 20 Tage auf eine Behandlung warten müsse? Haben Sie schon einmal eine schmerzhafte Erkrankung - und sei es "nur" Zahnweh - gehabt? Insofern empfinde ich diesen Artikel als alles andere als "polemisch". Denn selbst wenn man nicht auf die Beanwortung der Frage abzielt, ob eine Privatversicherung eine Beschleunigung bringt, zeigt er doch Alarmierendes: Wenn bei Ihnen (sofern Sie eine Frau sein sollten) oder bei Ihrer Partnerin ein Gebärmuttermyom diagnostiziert worden wäre, macht es für SIE KEINEN Unterschied ob Sie innerhalb eines Tages "drankommen" (SMZ-Ost) oder 120 Tage (AKH) warten müssen (siehe Tabelle "Gynokologie Fall 1")? Ich hoffe, Sie können diese Replik noch zur Kenntnis nehmen und haben nicht aufgrund einer ernsthaften Erkrankung und langer Wartezeiten das Zeitliche gesegnet.
  • Oweh oweh
    von kodo_gue am 18.09.2011 um 08:07
    Ihr habt s keine Ahnung - verkürzte Wartezeiten bringen medizinisch ganz ganz selten einen Vorteil, ausser dass sich der Privatpatient besser fühlt. Das ist ein , sorry , erschreckend ahnungsloser aber polemischer Artikel, da FÄLSCHLICH Wartezeit mit medizinischer Ergebnisqualität in einen Topf geworfen wird! Fast alle Erkrankungen heilen genauso gut oder schlecht, egal ob man 10 Minuten wartet oder 2 Wochen. Das Buckerl oder "Küss die Hand" vorm Privatpatienten ist medizinisch bedeutungslos.
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