Stressbekämpfung mit Aminosäuren

Ausgebrannt und ausgenommen

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Konsument 2/1999 veröffentlicht: 01.02.1999

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Eine „Konsument“-Mitarbeiterin begab sich auf die Spur einer innovativen Geschäftsidee.

Mit gebrochenem Blick schaut er von der Plakatwand: „Burn out?“ In ganz Wien ist das müde Gesicht auf den weißen Plakaten zu sehen, in den U-Bahn-Stationen, am Stadtrand. Kein Zweifel, der Mann ist tatsächlich ausgebrannt! Der Slogan verspricht persönliche Betreuung, offenbar angeboten von einem Arzt, der sich auskennt! Vor allem Männer greifen zum Handy und wählen die vom Plakat lockende Nummer – am Telefon können sie anonym von ihrer Überlastung reden und das Terrain sondieren. Vom anderen Ende der Leitung tönen suggestive Botschaften: „Aminosäuren sind lebensnotwendig. Normalerweise nehmen wir mit dem Eiweiß aus der Nahrung genug davon auf. Aber wenn Sie unter Streß stehen – aha! –, kann der Körper das nicht richtig verarbeiten. Dann ist man müde, schlaflos, unkonzentriert, erschöpft und nervös. Wenn Sie aber die fehlenden Aminosäuren einnehmen, ist das in kurzer Zeit überwunden.“ Man erfährt, daß Aminomed Gedächtnislücken schließt, guten Schlaf schenkt und Haut und Haare geschmeidig macht. Schon ist die Falle zugeschnappt. Wer sich schlecht fühlt und rasche Hilfe sucht, glaubt diesen Erklärungen gerne und hofft, daß ein paar Aminos die Probleme beseitigen werden. Im Nachmittags-TV treten zufriedene Kundinnen auf und schwärmen mit glänzenden Augen: „Meine Pollenallergie ist verschwunden. Sogar abgenommen habe ich in den zwei Wochen!“ Was für Versprechungen! Als Grundlage für das „maßgeschneiderte Aminosäurenprogramm“ diene ein „spezieller Bluttest“, bekräftigt der Biochemiker und Universitätsprofessor Dr. J. Spona. Wäre es möglich, daß auch ich zu wenig Aminosäuren habe? Meine Nachfrage im Hormonlabor im AKH, wo er tätig ist, ergibt jedoch, daß die Amino-Analyse dort nicht gemacht wird. Also, soll ich mich seiner Privatfirma anvertrauen?

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Bild: VKI