Stuhlinkontinenz

Keine falsche Scham

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Konsument 8/2006 veröffentlicht: 13.07.2006, aktualisiert: 26.07.2006

Inhalt

  • Rund fünf Prozent betroffen
  • Möglichst früh zum Arzt gehen
  • Weiter am sozialen Leben teilnehmen

5 Prozent sind betroffen

Schätzungsweise fünf Prozent aller Österreicher haben Probleme damit, ihren Darminhalt zurückzuhalten. Das Leiden ist in der Gesellschaft noch stärker mit einem Tabu belegt als die Harninkontinenz (siehe „Konsument“ Ausgaben 10/2004 und 11/1999). Besonders betroffen sind ältere Spitalspatienten und Menschen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden. In der Altersgruppe der über 50-Jährigen leiden mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer unter Stuhlinkontinenz.

Angst und Scham

Viele Patienten entziehen sich deshalb dem sozialen Umfeld. Das Leben spielt sich – aus Angst, dass jemand etwas bemerken könnte – fast nur noch in den eigenen vier Wänden ab. Die Betroffenen leiden oft jahrelang unter den als äußerst unangenehm empfundenen Symptomen, ehe sie sich einem Arzt anvertrauen.

Vielfältige Ursachen

Die Auslöser für Inkontinenz sind vielfältig und können bereits Jahre zurückliegen. Bei Frauen ist die Ursache nicht selten eine während einer Entbindung erlittene Schädigung des Schließmuskels. Anale Fisteln, Fistel-Operationen oder bösartige Tumore können die Krankheit ebenfalls auslösen. Mit zunehmendem Alter wird Inkontinenz auch durch Muskelschwund verursacht.

Weitere Faktoren für Stuhlinkontinenz sind neuronale Schädigungen im Analkanal. Diese können durch Verletzung, Schlaganfall, Bewusstlosigkeit, Medikamente oder angeborene Gehirnstörungen entstehen. Auch ein fortgeschrittenes Hämorridalleiden kann zu Sensibilitätseinbußen führen. Nervenschädigungen sind auch die Hauptursache für Störungen des Steuerungsmechanismus im Schließmuskelsystem. Diese Defekte entstehen meist durch Diabetes oder häufiges und starkes Pressen beim Stuhlgang.

Art des Stuhls

Neben dem Zustand des Schließmuskels spielt die Konsistenz des Stuhls eine wichtige Rolle. Chronische Durchfälle, ausgelöst durch Reizdarm, entzündliche Darmerkrankungen, Darmschleimhaut-Schäden oder häufiger Stuhlgang können zu einer Dauerreizung des Analkanals führen. Aber auch Verstopfung ist ein Problem: Bleiben die Ausscheidungsprodukte zu lange im Enddarm, werden sie von Bakterien zersetzt und verflüssigt.  

Frühe Abklärung

Bereits bei den ersten Anzeichen von Stuhlinkontinenz sollte man das Gespräch mit dem Hausarzt suchen und sich zu einem Fachmediziner überweisen lassen. Je früher die Ursachen abgeklärt werden, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Bevor die erste Untersuchung ansteht ist es ratsam, sich vorzubereiten; Dauer und Häufigkeit der Inkontinenz sollten protokolliert und begleitende Symptome wie etwa Durchfall, Verstopfungen, Blähungen, Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen notiert werden.

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Bild: VKI