Vitamin D gegen Schmerzen

Fibromyalgie in Muskeln, Gelenken, Rücken

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KONSUMENT 2/2014 veröffentlicht: 30.01.2014

Inhalt

Vitamin D soll angeblich gegen Schmerzen helfen. Es gibt aber keine Beweise für die Behauptung.

Wir sagen: Die Studienlage ist nicht eindeutig. Bisher fehlen klare Hinweise, dass Vitamin D gegen chronische Muskel- oder Gelenkschmerzen helfen kann.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Bei dem hier beschriebenen Thema ist die Beweislage unzureichend; es gibt keine Hinweise, dass die Behauptung stimmt


Fibromyalgie: Schmerzen am ganzen Körper

Schmerzen am ganzen Körper ohne erkennbare Ursache – von diesem in der medizinischen Fachsprache als Fibromyalgie bekannten Phänomen sind nicht wenige Menschen betroffen. Die Patienten verspüren ständige Schmerzen in Muskeln, Gelenken und im Rücken, häufig begleitet von Kopfschmerzen, chronischen Darmbeschwerden, Schlaflosigkeit und Depressionen.

Gelenkschmerzen können sich ausbreiten

Meist treten Fibromyalgie-Schmerzen zwischen dem 30. und 55. Lebensjahr auf. Betroffen sind jedoch alle Altersgruppen. Zu Beginn sind die Schmerzen meist auf einzelne Körperregionen wie Schultern oder Nacken begrenzt, sie können sich jedoch im weiteren Verlauf auf andere Bereiche ausbreiten. Die Schmerzsymptome können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Als Begleiterscheinungen treten häufig Depressionen und Angsterkrankungen auf.

Ursache für Schmerzen unklar: Vitamin-D-Mangel?

Die Ursache für die Schmerzerkrankung ist unklar; auch in gründlichen Untersuchungen konnten Ärzte bislang keine sichtbaren körperlichen Veränderungen feststellen. Einige Mediziner wollen einen vor allem im Winter bei vielen Menschen auftretenden Vitamin-D-Mangel als Auslöser der Fibromyalgie identifiziert haben. Dem entsprechend könnte die Gabe von Vitamin D Linderung verschaffen.

Wenig Forschung in diesem Bereich

Bislang existieren jedoch dazu nur zwei kleine, wenig aussagekräftige Studien.

  • In einer Untersuchung an 50 Fibromyalgie-Patienten fanden Forscher keinen Hinweis darauf, dass die Einnahme von Vitamin D trotz niedrigem Vitamin-D-Spiegel besser wirkt als ein Scheinmedikament (Placebo). Auch nach dreimonatiger Behandlung hatten sich Muskel- und Gelenkschmerzen nicht merkbar gebessert.
  • Eine zweite Studie an 84 Teilnehmern mit Fibromyalgie-Diagnose lieferte widersprüchliche Ergebnisse. Sechs Wochen nach der Behandlung war nicht klar, ob die Patienten in der Vitamin-D-Gruppe tatsächlich weniger Schmerzen hatten als diejenigen in der Scheinbehandlungsgruppe.

Auch zur Behandlung anderer chronischer Schmerzen wie rheumatoider Arthritis und rheumatischer Polymyalgie (Schmerzen in vielen Muskeln) scheint Vitamin D nicht zu wirken. So bleibt es vorerst bei der Symptombekämpfung durch die Einnahme schmerzstillender Mittel bzw. die Einnahme von Antidepressiva.

Sport und kognitive Verhaltenstherapien helfen

Positiv wirkt sich regelmäßige sportliche Betätigung aus. Mehrere Studien belegen, dass bei zumindest 20 Minuten Sport an zwei bis drei Tagen in der Woche eine merkbare Besserung bei Fibromyalgie eintritt. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie, bei der Betroffene lernen, negative Gedanken und ihre Einstellung zu sich und ihrer Erkrankung zu verändern, kann beim Umgang mit Fibromyalgie hilfreich sein.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Bei den Lesern steigen Erwartungen und Sorgen. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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