Zähne: Wurzelbehandlung

Retten statt ziehen

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Konsument 3/2011 veröffentlicht: 17.02.2011

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Früher wurde der Zahn gezogen, heute wird er erhalten und kann noch viele Jahre seinen Dienst tun. Ein Blick über die Schulter des Arztes.

Die Wurzelbehandlung gehört zur hohen Schule der Zahnmedizin. Es ist eine schwierige und langwierige Behandlung, die nur ein Ziel hat: den Zahn zu erhalten, auch wenn er schon abgestorben ist. Eine Wurzelbehandlung wird notwendig, wenn sich das Zahnmark, die Pulpa, entzündet hat (Pulpitis) und diese Entzündung nicht mehr ausheilen kann. Früher gab es in so einem Fall nur eine einzige Hilfe: die ­Extraktion, also das Ziehen des Zahnes. Heute gehört die Wurzelbehandlung zu den ­häufigen Eingriffen von Zahnärzten.

Die Ursachen für die Entzündung des Zahnmarks sind vielfältig. Meist geht der Anstoß von einer Karies aus: Selbst wenn der Zahn noch nicht geschmerzt hat, kann es bereits zu einer Infektion der Pulpa gekommen sein. Kann sich die Pulpa trotz vollständiger Entfernung der Karies nicht mehr erholen, ist eine Wurzelbehandlung notwendig.

Arzt als Verursacher

Manchmal sind die Zahnärzte selbst Aus­löser dafür, dass eine Wurzelbehandlung nötig ist. Die Überhitzung durch einen Bohrer (zu rasches Beschleifen, ungenügende Kühlung), der der Pulpa sehr nahe kommt, aber auch der chemische Reiz durch die Füllungsmaterialien – all dies kann die Pulpa so stark beleidigen, dass sie sich entzündet. Andererseits können auch sehr sorgfältig arbeitende Zahnärzte keine letzte Garantie für eine erfolgreiche Therapie geben. Es ist bitter, kommt aber immer wieder vor: Ihr Zahnarzt setzt ein großes Inlay oder eine neue Krone ein. Wenig später spüren Sie starke Schmerzen – Diag­nose: Pulpitis. Einzige Lösung: erneut aufbohren. Die Ausgaben für Inlay oder Krone sind nicht verloren; meist können sie er­halten werden.

Sauber halten

Nach der Betäubungsspritze legt der Arzt den Zahn mittels Kofferdam (Gummituch) trocken. Kofferdam soll den Speichel vom Zahninneren fernhalten und andererseits den Einsatz höher konzentrierter Desinfektionsmittel ermöglichen, ohne dass diese in großen Mengen in die Mundhöhle gelangen. Ab hier gibt es mehrere Vorgehensweisen, je nach Zustand des Zahnmarks. Lebt die Pulpa noch, kann der Zahnarzt versuchen, die intakten Anteile am Leben zu erhalten (Vitalamputation). Dieses Verfahren wird gewöhnlich nur bei Kindern und Jugendlichen angewendet, wenn das Wurzelwachstum des betroffenen Zahnes noch nicht abgeschlossen ist. Meist ist es aber nötig, das noch lebende Gewebe ­komplett zu entfernen (Vitalexstirpation). Das Abtöten mit einer Gifteinlage kann sehr schmerzvoll sein und wird heute kaum mehr angewandt.

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Kommentare

  • Wurzelbehandlung mit dem Operationsmikroskop
    von grzlfrx am 04.04.2011 um 21:27
    Es tut mir leid, aber der Artikel ist für mich "Mickey Mouse" - Journalismus und dazu noch unvollständig recherchiert. Besonders ärgern mich 2 Dinge: 1. ist das Aufsuchen der Wurzelkanäle für den Geübten KEIN langwieriger Prozess, vorallem nicht bei einwurzeligen Zähnen. Wenn es schwierig ist hilft auch Methylenblau, und schwierig ist es vieleicht in maximal 5% aller Fälle. 2. Es soll bitte nicht der Eindruck entstehen, dass eine Wurzelbehandlung nur mit dem MIkroskop( Vergrößerung bis zu 24fach) perfekt durchführbar ist, auch eine Lupenbrille (4-fach, bis zu 8-fach möglich)reicht vollkommen, außer eben in Spezialfällen ( abgebrochene Instrumente, schwierige Revision, via falsa = Perforation, tief verkalkte Kanaleingänge,...). Der Kassenzahnarzt - ich persönlich habe keinen Kassenvertrag, bin schon 22 Jahre im Beruf - bekommt für eine WB zwischen etwa 50 und 150 Euro, also etwa 1/10 der genannten Tarife, und macht da sicher auch sehr oft eine perfekte Arbeit. Also bitte immer am Boden bleiben, die gute Arbeit eines Zahnarztes macht nicht das Mikroskop oder der Laser aus, sondern das persönliche Können und Engagement. MfG. Dr. Scheidl Karl, Abonnent seit mehr als 20 Jahren.
  • Ratgeber Wurzelbehandlung
    von wienerbergcity am 09.03.2011 um 22:43
    Toller und sehr verständlicher Artikel! Auf www.wurzelbehandlung1.org gibt es weitere, wertvolle Hintergrundinformationen über den Ablauf der Wurzelbehandlung.
Bild: VKI