Zahnärzte: Amalgamberatung

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 28.03.2012, aktualisiert: 17.04.2012

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Immer wieder raten Zahnärzte aus gesund­heitlichen Gründen zum Austausch von Amalgam­füllungen, obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen. - In unserem Zahnärzte-Test mussten wir zudem teilweise erhebliche Diagnosemängel feststellen.

Kein anderer Stoff aus der zahnärztlichen Praxis sorgt für derart kontroverse Diskussionen wie Amalgam. Ins Gerede gekommen ist das Füllmaterial für die Zähne vor allem aufgrund seines rund 50-prozentigen Anteils an Quecksilber. Die Legierung ist zwar gut zu verarbeiten und relativ haltbar, andererseits ist der Einsatz des Schwermetalls aber nicht ungefährlich. Zahnärzte sehen sich deshalb seit Jahrzehnten mit Beschwerden von Patienten konfrontiert, deren gesundheitliche Probleme angeblich auf Amalgam zurück­zuführen sind.

Nicht wissenschaftlich belegt

Wissenschaftlich belegt ist das jedoch nicht. Dies zeigte auch eine groß angelegte Studie der Technischen Univer­sität München (5.000 Patienten, Laufzeit 12 Jahre) unter Beteiligung von Zahnmedi­zinern und Toxikologen. Zwar steigen die Quecksilberwerte in Blut und Urin mit der Zahl der Amalgamplomben, ein Zusammenhang mit bestimmten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Depressionen oder Schlaflosigkeit ließ sich in der Studie jedoch nicht feststellen.

Auch Kunststoff, Gold und Keramik haben Nachteile

Amalgamkritiker raten dennoch häufig zur "Sanierung" des Gebisses mit komplettem Austausch aller Amalgamfüllungen. Unerwähnt bleibt dabei meist, dass die mit Abstand höchste Quecksilberbelastung beim Legen und Entfernen der Füllungen auftritt. Intakte Amalgamplomben sollten, falls keine Indikation vorliegt – etwa bei einer Allergie oder einem schweren Nierenleiden –, deshalb nicht ausgetauscht werden. Dies gilt umso mehr, als auch alternativ verwendeten Materialien wie Kunststoffe (Komposite), Kompomere, Gold und Keramik gegenüber Amalgam nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile haben.

Günstige Kassenleistung

Ins Kalkül zu ziehen ist ­außerdem, dass Füllungen aus Amalgam oder Zement in der konservierenden Behandlung von den Krankenkassen bezahlt werden. Kunststoff-Füllungen hingegen sind nur im Frontzahnbereich eine volle Kassenleistung. Nur wenn Amalgam aus medizi­nischer Sicht nicht eingesetzt werden darf, werden die ­Kosten auch im Seitenzahn­bereich von den Krankenkassen übernommen. In allen anderen Fällen wird lediglich ein Kosten­zuschuss in Höhe von 80 Prozent jenes Tarifes gewährt, der für die entsprechende Zahn­füllung aus Amalgam oder ­Zement vorge­sehen ist.

15 Wiener Zahnärzte getestet

Die Unsicherheit unter Patientinnen und Patienten ist groß, zumal so mancher Zahnarzt dem Wunsch nach einem Austausch von Amalgamfüllungen nur allzu gerne nachkommt, auch wenn die bestehenden Plomben noch intakt sind. In unserem Test haben zwei Patienten jeweils 15 zufällig ausgewählte Wiener Zahnärzte aufgesucht.

 

In der Tabelle finden Sie:

Marke, Type, Produkte, Dienstleistungen
Dr. Jasek Helmut, Dr. Mostbeck Wolfgang, Dr. Ho-Sudy Mei, DDr. Griessnig Renate Maria, Dr. Schein Wilhelm, Dr. Handl Margit, Dr. Prisecariu Victor Leonard, Dr. Mladek Peter, Dr. Schober Gabriele, Dr. Jakubow Slawik, Dr. Jordan Peter, Dr. Baumer Heinz, Dr. Szews Andrzej, Dr. Marczewski Lidia, Dr. Novak Mladen

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Kommentare

  • Amalgam wenig haltbar
    von agoce am 27.05.2012 um 20:28
    Der Rat von Herrn Dr Ratschew klingt ein wenig nach Werbemaßnahme für teure Sanierungen. Mein Zahnarzt meint, dass perfekt gelegte Amalgamfüllungen außerordentlich langlebig sind und tatsächlich habe ich etliche von ihm gelegte schon seit mehr als 15 Jahren. Vermutlich verwendet aber nicht jeder soviel Sorgfalt auf eine wirklich perfekte Füllung (Nachprüfung auf Überstände und sorgfältiges Glätten, wenn das nicht passt, sodass die Zahnseide ohne aufzufasern in die Zwischenräume und wieder heraus kommt Polieren der Oberfläche) Ich habe auch Keramikinlays, die natürlich optisch den Amalgamfüllungen vorzuziehen sind. Das war für mich auch der Hauptgrund, dieses Material zu wählen die Geschichte vom schlimmen Amalgam habe ich nie geglaubt.
  • Amalgamberatung
    von Max1 am 09.04.2012 um 16:28
    Ich habe vor zwei Jahren fuenf Amalgamfuellungen entfernen lassen, nachdem ich vorher das Buch von Dr. Mutter über Amalgam gelesen habe. Seit der Entfernung des Amalgams habe ich keine Kopfschmerzen mehr, die vorher bei längerer Bildschirmarbeit aufgetreten sind. FG Max
  • Guter Test - "Experte" hinterfragenswert
    von 39373 am 01.04.2012 um 21:38
    "Kein einziger Zahnarzt erkannte alle Defekte, die von unserem Experten (Gutachter) im Vorfeld des Tests benannt worden waren." - Erfahrungsgemäß gehe ich bei Ihren Tests immer von einer ausgezeichneten Vorbereitung und einem durchdachten Testsetting aus. Wenn allerdings von 15 Zahnärzten kein einziger die zuvor benannten Defekte erkannt hat, dann sollten Sie doch auch in Betracht ziehen, dass Ihr "Experte" geirrt haben kann... Insgesamt aber eine gute Stichprobenuntersuchung, die zeigt, dass man sich gerade im medizinischen Bereich nie auf nur eine Meinung verlassen sollte. Auffällig auch, dass die Preise tendenziell umso höher wurden, je schlechter das Testergebnis war. Ergänzen möchte ich noch, dass mit einem sogenannten Kofferdam die Schadstoffbelastung im Mund beim Ausbohren alter Füllungen fast auf null reduziert werden kann.
  • Bewertung sehr transparent
    von Dieter Wanko am 29.03.2012 um 21:24
    Es ist besonders erfreulich, dass hiermit ein Test erfolgte, der nicht nur sehr ausführlich ist, sondern auch konkret die Namen der kontaktierten Ärzte offen ausweist. Dies ist ein wichtiger prophylaktischer Schritt in der Richtung, dass künftig nicht nur mehr Diagnosesorgfalt bei den Getesteten zu erwarten ist, sondern auch von jenen Ärztekollegen, die von diesen Namensveröffentlichungen erfahren.
Bild: VKI