Zahnbehandlung in Ungarn

Ohne Zähneknirschen

Seite 1 von 6

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 11/2009 veröffentlicht: 14.10.2009, aktualisiert: 30.10.2009

Inhalt

Früher oder später erwischt es so gut wie jeden – ein Zahnersatz wird fällig. Das Prozedere ist nicht nur unangenehm, sondern auch teuer. Die Kosten können sich rasch auf mehrere Tausend Euro summieren. Deshalb steht eine Behandlung jenseits der Grenze in Ungarn hoch im Kurs.

Doch viele Patienten sind unsicher. – "Können Sie die Einrichtung X empfehlen? Ist die Qualität des Zahnersatzes dort genauso gut wie in Österreich? Was ist, wenn Komplikationen auftreten?" Dies sind nur einige der Fragen, die uns immer wieder erreichen. Ein vergleichender Test, der Ausführung und Qualität von Implantaten, Kronen und Brücken im In- und Ausland bewertet, ist leider aus verschiedenen Gründen (hohe Kosten, Finden geeigneter Testpersonen ) nicht möglich.

Über die Schulter geschaut

Also haben wir den Ärzten in einer ungarischen Ordination ohne deren Wissen "über die Schulter geschaut“. Eine Patientin ließ sich im Grenzort Mosonmagyaróvár zwei Zahnimplantate setzen und hat ihre Erfahrungen von der Erstuntersuchung bis zum fertigen Implantat sorgfältig protokolliert. Wir haben diese Informationen mit einem ähnlichen Eingriff (ebenfalls zwei Implan­tate im Unterkiefer) verglichen, der fast zeitgleich in Wien erfolgte.

Tipp aus dem Bekanntenkreis

Karin P. (Name geändert) entscheidet sich aus Kostengründen für den Weg nach Ungarn (Zahnersatz für die Zähne 6 und 7 links im Unterkiefer). Den Tipp für die Ordination hat sie von einem ­Arbeitskollegen erhalten, der dort seit Jahren in Behandlung ist. Das lässt ihre Vorbehalte gegen eine Behandlung im Ausland und den relativ langen Anfahrtsweg von gut einer Stunde in den Hintergrund treten.

Zuvorkommend und deutschsprachig

Weitere Sicherheit gibt ein unangemeldeter Besuch in der Ordination, bei dem sich ­erste Pluspunkte zeigen: Sowohl der Zahnarzt als auch die Ordinationshilfe sprechen perfektes Deutsch. Die Praxis macht einen sauberen und modernen Eindruck. Positiv regis­triert P., wie zuvorkommend und freundlich man ihr begegnet. Der Zahnarzt bietet ihr eine unverbindliche Vorunter­suchung an. Dabei konstatiert er, dass aufgrund des schmalen Kieferknochens die Expertise eines Kieferchirurgen notwendig sei, um die Möglichkeiten für einen Zahn­ersatz (Implantat bzw. Brücke) endgültig beurteilen zu können.



Mit finazieller Unterstützung der Europäischen Kommission 

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
35 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Unbekanntes Implantatsystem aus Ungarn
    von REDAKTION am 02.07.2010 um 14:27
    Wir möchten Ihnen das Problem der Nachbehandlung eines Patienten mit in Österreich unbekanntem Implantatsystem näherbringen. Bei Herrn G. wurden im Jahre 2004 in Ungarn mehrere Implantate im OK gesetzt, die zusammen mit eigenen Zähnen eine sog. „Ohr-zu Ohr-Versorgung“ tragen. Nun wendet sich der Patient an die Zahnklinik Wien, da er über Zahnfleichbluten klagt und mit dem Aussehen der Versorgung sehr unzufrieden ist. Eine genaue parodontologische Untersuchung (Taschenmessung, Röntgenstatus) zeigt schweren Knochenabbau sowohl um alle Zähne als auch alle Implantate. Die „Taschen“ sind bis 13mm tief. Die Entzündung um die Implantate kann aber nur durch Abnahme der gesamten Arbeit und operative Therapie behandelt werden. Abnahme bedeutet in diesem Falle auch Zerstörung der Arbeit, da diese nicht abschraubbar ist. Alternativ müsste überlegt werden, die hier nicht gebräuchlichen Implantate heraus zu operieren, was für den Patienten mit Schmerzen und Defekten des Kieferknochens verbunden wäre. Um die Heilung in Ruhe abwarten zu können, ist auch eine provisorische Versorgung nötig. Mit Unterstützung des Internets konnte schließlich der Implantattyp ermittelt werden. Es handelt sich um ein Ungarn vertriebenes System, ohne Niederlassung in Österreich. Auf Anfrage bei der Herstellerfirma wird ein ungarischer Katalog geschickt. Die Preisauskunft wird auch auf Anfrage verweigert. Die Nachbestellung der für die prothetische Versorgung nötigen Teile kann somit nicht erfolgen, abgesehen davon, dass kein Hinweis auf eine CE-Zertifizierung vorliegt. An der Wiener Universitätszahnklinik werden nur Implantate renommierter internationaler Firmen eingesetzt, deren Ersatzteillogistik einwandfrei ist. Wir müssen daher dem Patienten raten, die Abnahme der alten Versorgung und die Provisorienherstellung wieder in Ungarn durchführen zu lassen, um sich erst danach, zur eigentlichen parodontologisch-chirurgischen Behandlung wieder an uns zu wenden. Auch die definitive prothetische Versorgung muss wieder in Ungarn erfolgen, da die Zahnklinik selbstverständlich keine Verantwortung für die Verwendung von hier unbekannten Produkten übernehmen kann. Bei dieser Schilderung muss ernsthaft hinterfragt werden, ob eine Implantatversorgung in Ungarn – Zeitverlust und Treibstoffkosten gar nicht eingerechnet – tatsächlich "günstiger" ist. Zahnklinik Wien
  • von stemmer am 28.10.2009 um 22:16
Bild: VKI