Gewährleistung und Garantie Extra

Recht und Gnade

Seite 10 von 15

Nächsten Inhalt anzeigen
veröffentlicht: 03.08.2005, aktualisiert: 16.10.2015

Inhalt

Was ist ein Mangel?

Eine Ware muss "dem Vertrag entsprechen", sonst ist sie mangelhaft. Von einem Mangel spricht man dann, wenn die gekaufte und übergebene Ware entweder - so der Gesetzeswortlaut -

  • die im Geschäftsverkehr gewöhnlich vorausgesetzten Eigenschaften
  • oder ausdrücklich zwischen den Vertragsparteien vereinbarte Eigenschaften

vermissen lässt.

Proben, Muster, Werbeaussagen

Wenn einem Kauf (=Kaufvertrag) eine Beschreibung der Ware oder eine Probe beziehungsweise ein Muster zu Grunde liegt, dann muss die Ware der Beschreibung, der Probe oder dem Muster entsprechen. Was das Unternehmen verspricht, muss es einhalten. Die Ware muss verwendbar sein: so wie es ihr eben entspricht oder wie es vereinbart ist.

Liegt eine vertragsgemäße Leistung vor? Dazu sind auch auf alle öffentlichen Äußerungen des Vertragspartners (= Übergeber) aber auch von Dritten, wie dem wirklichen oder dem scheinbaren Hersteller und dem Importeur  von Bedeutung.

Beispiele aus der Praxis für Werbeaussagen

  • Kraftstoffverbrauch eines Kraftfahrzeuges
  • Kompatibilität einer Software zu einer bestimmten Hardware
  • Energieverbrauch eines Elektrogerätes.

Arten von Mängel

Gewährleistung gibt es nur für einen verdeckten Mangel. Wenn Sie den Mangel verursachen, dann gibt es keine Gewährleistung.

  • Offener Mangel: Bei Übergabe des neuerrichteten Reihenhauses sind an einigen Wänden deutliche Risse im Verputz feststellbar. Diese sollten sofort (mit eingeschriebenem Brief) gerügt werden.
     
  • Verdeckter Mangel: Ist ein Mangel zwar vorhanden, aber nicht erkennbar, so spricht man von einem verdeckten Mangel. Wird dieser (innerhalb der Gewährleistungsfrist) erkennbar, so sollte er ebenfalls sofort gerügt werden.
     
    Beispiel: Das neuerrichtete Reihenhaus wird im Sommer und bei Sonnenschein übergeben. Als es im Herbst eine Woche lang regnet, sammeln sich an der Zimmerdecke Wasserflecken. Es zeigt sich: Das Dach ist undicht. Ein bereits bei der Übergabe vorhandener, damals aber verdeckter Mangel tritt nun offen zu Tage.
     
    Von den verdeckten Mängeln, die schon bei der Übergabe vorlagen, sind all jene Probleme zu unterscheiden, die erst nach der Übergabe durch Abnützung und ähnliches überhaupt entstehen. In der Praxis kann diese Abgrenzung aber durchaus problematisch werden.
     
  • Kein Mangel: Die Balkontüre im neuerrichteten Reihenhaus wird durch die drei Kinder der Hausbesitzer täglich mehr als in Anspruch genommen. Auf zu, auf zu – einen Sommer lang. Im Herbst schließt die Türe nicht mehr richtig. Hier stellt sich die Frage: War die Türe für eine vorhersehbare Belastung nicht richtig konstruiert? Wenn dem so wäre, läge ein Mangel vor. War die Türe aber durchaus richtig konstruiert und wurde sie einfach überbeansprucht, dann liegt kein Mangel vor. Die Baufirma trifft dann keine Gewährleistungsverpflichtung.

Mehr zum Thema Rechtsanspruch bei (angeblich) offenkundigen Mängeln lesen Sie unter "Grenzen der Gewährleistung".

Montagefehler sind ein Mangel

Im Verbrauchergeschäft wurde mit 1.1.2002 auch der Montagefehler ausdrücklich als Mangel festgeschrieben:
 
War der Unternehmer nicht nur zur Übergabe der Ware, sondern auch zur Montage derselben verpflichtet, dann haftet er – verschuldensunabhängig – auch für einen durch unsachgemäße Montage verursachten Mangel.
 
Wenn die Sache zur Montage durch den Verbraucher bestimmt ist, und dieser durch eine unsachgemäße Montageanleitung selbst einen Mangel verursacht, dann hat der Verkäufer – wegen der unsachgemäßen Montageanleitung – für diese Mängel einzustehen.

Auch mündliche Aussagen gelten

Das Gesetz verlangt nicht, dass die Montageanleitung schriftlich sein muss. Auch mündliche Tipps zur Selbstmontage, die sich als Flop herausstellen, führen zur Gewährleistung des Unternehmers. Freilich wird der Verbraucher diese Tipps im Streitfall vor Gericht beweisen müssen und das wird nicht immer einfach sein.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
65 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Set oder Bindung
    von REDAKTION am 20.03.2012 um 11:45

    Wenn Verbesserung oder Austausch nicht möglich sind, haben Sie das Recht auf Wandlung des Kaufvertrages. Dieses gilt für das gesamte Set, das Sie gekauft haben.

    Ihr Konsument-Team

  • Gewährleistung für Set oder Bindung
    von norgas am 19.03.2012 um 15:52
    Die Frage die sich für mich stellt ist die, ob in meinem Fall die Gewährleistung und gegebenenfalls das Recht auf Wandlung für das Set (Bindung + Ski) gilt oder nur für die Bindung? Beides sind verschidene Hersteller. Das Set wurde aber beim Händler montiert (somit hergestellt?). Wenn es auf eine Wandlung hinausläuft, weil eine Nachbesserung nicht möglich icht, möchte ich aus den genannten Gründen keine andere Bindung auf dem Ski.
  • Gebrochene Steighilfe
    von REDAKTION am 19.03.2012 um 15:25

    Zuständig für die Gewährleistung ist in erster Linie der Händler, bei dem das Skiset gekauft wurde. Verbesserung oder Austausch müsssen innerhalb angemessener Frist erfolgen. Wir raten daher, eine Frist von 14 Tagen zu setzen. Wandlung ist dann möglich, wenn eine Verbesserung oder ein Austausch unmöglich ist, etwa wenn Verbesserung oder Austausch für den Verkäufer einen unverhältnismäßig hohen Aufwand darstellen würden oder wenn Ihr Vertragspartner Verbesserung oder Austausch ablehnt oder damit in Verzug kommt.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Gewährleistung
    von norgas am 19.03.2012 um 14:54
    Habe mir heuer im Winter ein Skitourenset bestehnd aus Bindung und Ski gekauft. Nun ist mir schon zum zweiten mal die Steighilfe der Bindung abgebroche. Beim estenmal wurde die Bindung Diskussionslos ausgetauscht. Beim zweiten mal wurde dies zumindest zugesichert. In verschiden Berforen findet man Einträge über dasselbe Problem. Diese Steighilfe ist mittels eine Kunststoffplatte angeschraubt die keine genügende Fetigkeit aufweist. Meines Erachtens ist ein Konstruktionsfehler und es ist nur eine Frage der Zeit bis das Problem wieder auftritt. Meine Frage: Was für Fristen muss ich einem Hersteller einräumen um ein solches Problem zu lösen? Falls es keine Lösung gibt, habe ich dann das Recht den ganzen Kauf, des ganzen Sets, zu wandeln? Die Montage einer neuen Bindung bedeutet das bohren von neuen Löchern, was den Ski schwächen würde, und zudem besteht die Gefahr von eindringendem Wasser in den alten Löchern.
  • Mängel an Küchenherd
    von REDAKTION am 28.02.2012 um 11:14

    Die Frist, innerhalb der man die gesetzliche Gewährleistung geltend machen kann, beträgt zwar zwei Jahre, allerdings gibt es eine Einschränkung: Wird die Gewährleistung später als 6 Monate nach dem Datum der Übergabe an den Käufer geltend gemacht, muss der Käufer nachweisen, dass der Fehler schon bei der Übergabe der Ware bestanden hat. Sie müssten also nachweisen, dass der Fehler im Herd schon von Anfang an vorhanden war.

    So eine Nachweis ist meistens leider nur im Rahmen eines Gerichtsverfahrens mithilfe des Gutachtens eines gerichtlich beeideten Sachverständigen möglich. Wenn es ein teurer Herd war und Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die diesen Fall deckt, ist dies eine Überlegung wert. Eine Klage wäre aber rasch einzubringen, denn die 2-Jahres-Frist nach dem Kauf des Herdes läuft bald ab.

    Ihr KONSUMENT-TEAM

KONSUMENT-Probe-Abo