Gewährleistung und Garantie Extra

Recht und Gnade

Seite 14 von 15

Nächsten Inhalt anzeigen
veröffentlicht: 03.08.2005, aktualisiert: 16.10.2015

Inhalt

Feuchtigkeitsschaden: Produktfehler oder nicht? 

Diese Frage stellt sich in der Praxis häufig. Zum Beispiel bei einem defekten Handy. HandynutzerInnen kämpfen oft mit Beweisproblemen und werden dann mit "leider ein Wasserschaden" abgespeist. Jetzt bekam ein Konsument mit Hilfe der Arbeiterkammer für sein schadhaftes Handy den Kaufpreis ersetzt. Die AK hat in einem Musterprozess vom Bezirksgericht für Handelssachen in Wien Recht bekommen: Feuchtigkeit war zwar ins Handy eingedrungen, den Handydefekt verursacht hat aber ein Fehler in der Elektronik.

Konkreter Fall

Ein Konsument hatte bei einer Handelskette ein Handy um 99 Euro gekauft. Doch bald schaltete sich das Gerät immer wieder von selbst aus. Der Konsument beanstandete den Mangel - eine kostenlose Reparatur folgte. Kurz darauf tauchte derselbe Fehler wieder auf. Das Geschäft lehnte die kostenlose Fehlerbehebung mit der Begründung ab, dass es ein Feuchtigkeitsschaden sei, den der Konsument offenbar selbst verursacht hätte. Der Konsument bestritt das. Das Reparaturservice konterte, auch Handschweiß könne Schäden hervorrufen. Ein Foto des Handyinneren zeigte tatsächlich Korrisionsschäden.

Geld zurück

Da der Händler sich nicht einsichtig zeigte, führte die AK ein Musterverfahren. Das Bezirksgericht für Handelssachen in Wien entschied gestützt auf ein Sachverständigengutachten, dass zwar Feuchtigkeit in das Handy eingedrungen war, dadurch aber das Handy nicht kaputt wurde. Und: Der Konsument muss gegen Rückgabe des fehlerhaften Handys sein Geld zurückbekommen. Zur Fehlerursache wurde festgestellt: Handys besitzen eine komplizierte Elektronik. Die Hauptplatine besteht zB aus bis zu zehn Schichten mit untereinander verbundenen Leiterbahnen. In Ausnahmefällen können produktionsbedingt Verbindungen, zB bei starken Temperaturunterschieden, auch nur für kurze Zeit unterbrochen sein. Mängel treten dann sporadisch auf und sind später schwer nachweisbar. Typisch: Das Handy schaltet sich gelegentlich automatisch aus.

Fazit: Ein Fall für Gewährleistung - leider vor Gericht. Leider - da Prozesskosten und Aufwand in keinem Verhältnis zum Streitwert stehen: ein zweijähriger, teurer Gerichtsstreit für ein Handy um 99 Euro.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
66 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Set oder Bindung
    von REDAKTION am 20.03.2012 um 11:45

    Wenn Verbesserung oder Austausch nicht möglich sind, haben Sie das Recht auf Wandlung des Kaufvertrages. Dieses gilt für das gesamte Set, das Sie gekauft haben.

    Ihr Konsument-Team

  • Gewährleistung für Set oder Bindung
    von norgas am 19.03.2012 um 15:52
    Die Frage die sich für mich stellt ist die, ob in meinem Fall die Gewährleistung und gegebenenfalls das Recht auf Wandlung für das Set (Bindung + Ski) gilt oder nur für die Bindung? Beides sind verschidene Hersteller. Das Set wurde aber beim Händler montiert (somit hergestellt?). Wenn es auf eine Wandlung hinausläuft, weil eine Nachbesserung nicht möglich icht, möchte ich aus den genannten Gründen keine andere Bindung auf dem Ski.
  • Gebrochene Steighilfe
    von REDAKTION am 19.03.2012 um 15:25

    Zuständig für die Gewährleistung ist in erster Linie der Händler, bei dem das Skiset gekauft wurde. Verbesserung oder Austausch müsssen innerhalb angemessener Frist erfolgen. Wir raten daher, eine Frist von 14 Tagen zu setzen. Wandlung ist dann möglich, wenn eine Verbesserung oder ein Austausch unmöglich ist, etwa wenn Verbesserung oder Austausch für den Verkäufer einen unverhältnismäßig hohen Aufwand darstellen würden oder wenn Ihr Vertragspartner Verbesserung oder Austausch ablehnt oder damit in Verzug kommt.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Gewährleistung
    von norgas am 19.03.2012 um 14:54
    Habe mir heuer im Winter ein Skitourenset bestehnd aus Bindung und Ski gekauft. Nun ist mir schon zum zweiten mal die Steighilfe der Bindung abgebroche. Beim estenmal wurde die Bindung Diskussionslos ausgetauscht. Beim zweiten mal wurde dies zumindest zugesichert. In verschiden Berforen findet man Einträge über dasselbe Problem. Diese Steighilfe ist mittels eine Kunststoffplatte angeschraubt die keine genügende Fetigkeit aufweist. Meines Erachtens ist ein Konstruktionsfehler und es ist nur eine Frage der Zeit bis das Problem wieder auftritt. Meine Frage: Was für Fristen muss ich einem Hersteller einräumen um ein solches Problem zu lösen? Falls es keine Lösung gibt, habe ich dann das Recht den ganzen Kauf, des ganzen Sets, zu wandeln? Die Montage einer neuen Bindung bedeutet das bohren von neuen Löchern, was den Ski schwächen würde, und zudem besteht die Gefahr von eindringendem Wasser in den alten Löchern.
  • Mängel an Küchenherd
    von REDAKTION am 28.02.2012 um 11:14

    Die Frist, innerhalb der man die gesetzliche Gewährleistung geltend machen kann, beträgt zwar zwei Jahre, allerdings gibt es eine Einschränkung: Wird die Gewährleistung später als 6 Monate nach dem Datum der Übergabe an den Käufer geltend gemacht, muss der Käufer nachweisen, dass der Fehler schon bei der Übergabe der Ware bestanden hat. Sie müssten also nachweisen, dass der Fehler im Herd schon von Anfang an vorhanden war.

    So eine Nachweis ist meistens leider nur im Rahmen eines Gerichtsverfahrens mithilfe des Gutachtens eines gerichtlich beeideten Sachverständigen möglich. Wenn es ein teurer Herd war und Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die diesen Fall deckt, ist dies eine Überlegung wert. Eine Klage wäre aber rasch einzubringen, denn die 2-Jahres-Frist nach dem Kauf des Herdes läuft bald ab.

    Ihr KONSUMENT-TEAM

Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo