Gewährleistung und Garantie Extra

Recht und Gnade

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veröffentlicht: 03.08.2005, aktualisiert: 16.10.2015

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Ansprüche geltend machen

Sobald Sie einen Mangel entdecken, sollten Sie ihn gegenüber dem Vertragspartner (in der Regel der Händler) schriftlich rügen. Sie können – außer in Ausnahmefällen – zunächst nur Verbesserung oder Austausch verlangen. Erst wenn der Unternehmer dies verweigert oder die Gewährleistung nicht in angemessener Zeit erfolgt, sind Preisminderung und Wandlung möglich.

Für Ihre weitere Vorgangsweise werden Sie in Erwägung ziehen, ob der Preis der Ware oder Leistung bereits (zur Gänze oder zum Großteil) bezahlt wurde oder nicht.

Offenen Betrag zurück halten

Haben Sie noch nicht (alles) bezahlt, so können Sie, wenn Sie Verbesserung verlangen, einen Teil oder den gesamten noch offenen Betrag zurückbehalten. Der Vertragspartner hat nach Rechnungslegung (beziehungsweise der Möglichkeit der Rechnungslegung) drei Jahre Zeit, auf Zahlung zu klagen. Die Klage gegen Sie hat üblicherweise keine Chance, wenn Sie die Mängelrüge innerhalb der Gewährleistungsfrist erhoben und den offenen Betrag zurückgehalten haben.

Ein Beispiel aus der Praxis 

Herr Bernegger lässt an der Eingangstüre eine (bewegliche) Alarmanlage montieren. Als er wenige Wochen später feststellen muss, dass diese nicht funktioniert, rügt er den Mangel sofort und verlangt Verbesserung. Er kündigt an, den Kaufpreis von rund 1500 Euro so lange nicht zu bezahlen, als der Mangel nicht behoben ist. Die Firma rührt sich nicht. Herr Bernegger hat keine Zeit, sich um eine Ersatzvornahme durch eine andere Firma zu bemühen und wartet einfach ab. Nach 30 Monaten bekommt er ein Mahnschreiben der Montagefirma. Er möge den Rechnungsbetrag samt Zinsen und Mahnspesen bezahlen, ansonsten würde er geklagt. Herr Bernegger verweist auf seine – fristgerechte – Mängelrüge und verweigert die Zahlung. Als die Firma ihn klagt , wendet er bei Gericht ein, dass er den Mangel innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist gerügt und Verbesserung verlangt habe. Bis zu einer Verbesserung habe er das Recht, den Kaufpreis zurückzubehalten. Das Gericht wird daher die Klage der Montagefirma abweisen.

Natürlich kann man auch dann, wenn man noch nicht bezahlt hat, eine Klärung der Sachlage aber betreiben möchte, die Rechte aus der Gewährleistung aktiv durchsetzen.

Außergerichtlicher Versuch

Haben Sie bereits den gesamten Preis oder einen Großteil davon bezahlt, bleibt Ihnen kaum eine Wahl. Nun müssen Sie als Kunde die Verbesserung oder – in zweiter Linie – die Wandlung oder Preisminderung aktiv durchsetzten. Dies ist in vielen Fällen außergerichtlich möglich.

Anerkennt der Unternehmer daraufhin den Mangel und erklärt sich zur Verbesserung oder gar zur Preisminderung oder Wandlung bereit, so sollten Sie diese Erklärung (zu Beweiszwecken) auf jeden Fall schriftlich verlangen.

Klage bei Gericht

Ist eine außergerichtliche Einigung nicht zu erzielen, bleibt nur die Klage bei Gericht. Diese Klage muss aber innerhalb der Gewährleistungsfrist ab dem Zeitpunkt der Übergabe der Ware oder des Werkes bei Gericht eingebracht werden. Die Klage muss fristgerecht bei Gericht einlangen, die rechtzeitige Postaufgabe reicht nicht aus! Versäumt man die Frist, können Sie den Anspruch nicht mehr durchsetzten.

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Kommentare

  • Set oder Bindung
    von REDAKTION am 20.03.2012 um 11:45

    Wenn Verbesserung oder Austausch nicht möglich sind, haben Sie das Recht auf Wandlung des Kaufvertrages. Dieses gilt für das gesamte Set, das Sie gekauft haben.

    Ihr Konsument-Team

  • Gewährleistung für Set oder Bindung
    von norgas am 19.03.2012 um 15:52
    Die Frage die sich für mich stellt ist die, ob in meinem Fall die Gewährleistung und gegebenenfalls das Recht auf Wandlung für das Set (Bindung + Ski) gilt oder nur für die Bindung? Beides sind verschidene Hersteller. Das Set wurde aber beim Händler montiert (somit hergestellt?). Wenn es auf eine Wandlung hinausläuft, weil eine Nachbesserung nicht möglich icht, möchte ich aus den genannten Gründen keine andere Bindung auf dem Ski.
  • Gebrochene Steighilfe
    von REDAKTION am 19.03.2012 um 15:25

    Zuständig für die Gewährleistung ist in erster Linie der Händler, bei dem das Skiset gekauft wurde. Verbesserung oder Austausch müsssen innerhalb angemessener Frist erfolgen. Wir raten daher, eine Frist von 14 Tagen zu setzen. Wandlung ist dann möglich, wenn eine Verbesserung oder ein Austausch unmöglich ist, etwa wenn Verbesserung oder Austausch für den Verkäufer einen unverhältnismäßig hohen Aufwand darstellen würden oder wenn Ihr Vertragspartner Verbesserung oder Austausch ablehnt oder damit in Verzug kommt.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Gewährleistung
    von norgas am 19.03.2012 um 14:54
    Habe mir heuer im Winter ein Skitourenset bestehnd aus Bindung und Ski gekauft. Nun ist mir schon zum zweiten mal die Steighilfe der Bindung abgebroche. Beim estenmal wurde die Bindung Diskussionslos ausgetauscht. Beim zweiten mal wurde dies zumindest zugesichert. In verschiden Berforen findet man Einträge über dasselbe Problem. Diese Steighilfe ist mittels eine Kunststoffplatte angeschraubt die keine genügende Fetigkeit aufweist. Meines Erachtens ist ein Konstruktionsfehler und es ist nur eine Frage der Zeit bis das Problem wieder auftritt. Meine Frage: Was für Fristen muss ich einem Hersteller einräumen um ein solches Problem zu lösen? Falls es keine Lösung gibt, habe ich dann das Recht den ganzen Kauf, des ganzen Sets, zu wandeln? Die Montage einer neuen Bindung bedeutet das bohren von neuen Löchern, was den Ski schwächen würde, und zudem besteht die Gefahr von eindringendem Wasser in den alten Löchern.
  • Mängel an Küchenherd
    von REDAKTION am 28.02.2012 um 11:14

    Die Frist, innerhalb der man die gesetzliche Gewährleistung geltend machen kann, beträgt zwar zwei Jahre, allerdings gibt es eine Einschränkung: Wird die Gewährleistung später als 6 Monate nach dem Datum der Übergabe an den Käufer geltend gemacht, muss der Käufer nachweisen, dass der Fehler schon bei der Übergabe der Ware bestanden hat. Sie müssten also nachweisen, dass der Fehler im Herd schon von Anfang an vorhanden war.

    So eine Nachweis ist meistens leider nur im Rahmen eines Gerichtsverfahrens mithilfe des Gutachtens eines gerichtlich beeideten Sachverständigen möglich. Wenn es ein teurer Herd war und Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die diesen Fall deckt, ist dies eine Überlegung wert. Eine Klage wäre aber rasch einzubringen, denn die 2-Jahres-Frist nach dem Kauf des Herdes läuft bald ab.

    Ihr KONSUMENT-TEAM

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