Berger Putenschinken

Verwirrend

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veröffentlicht: 19.03.2012

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   Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Ein Putenschinken, der auf österreichisch macht, während seine Rohstoffe weitgereist sind.

Das steht drauf: Berger Putenschinken

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich 

Das ist drin

Ob Adeg, Billa, MPreis, Spar oder Zielpunkt: Schinken von Berger gibt es in praktisch allen Supermärkten zu kaufen. Das Familienunternehmen aus Sieghartskirchen im niederösterreichischen Tullnerfeld setzt pro Jahr mit rund 400 Mitarbeitern mehr als 100 Millionen Euro um. Eines der wichtigsten Produkte von Fleischwaren Berger ist Schinken. Im Sortiment finden sich mehr als 35 verschiedene Sorten. Darunter auch ein Putenschinken mit 2 % Fett, der einer Konsumentin positiv auffiel. Besonders angesprochen fühlte sie sich von der rot-weiß-roten Schleife mit dem Schriftzug „Premiumqualität aus Österreich“. Vor dem Schmausen daheim warf sie noch einen Blick auf die Rückseite der Verpackung. Das AT im ovalen Identitätskennzeichen – es gibt an, wo eine Ware zuletzt verarbeitet oder verpackt wurde – beruhigte sie ebenso wie die Zutatenliste auf Deutsch.

Italienischkenntnisse notwendig

Routinemäßig las sie auch noch die in Italienisch abgedruckte Auflistung durch und stutzte: „Ingredienti: carne di tacchino*“. Das heißt auf Deutsch Zutaten: Putenfleisch, doch was hatte * zu bedeuten? Das stand für „Paese di provenienza Ungheria, Polonia, Germania, Inghilterra“ – Herkunft des Fleisches Ungarn, Polen, Deutschland, England. In der deutschen Zutatenliste war davon kein Wort zu lesen. „Für mich ist die Verpackung eine klare Täuschung des Konsumenten. Es wird ein österreichisches Produkt vorgetäuscht. Nur bei genauestem Lesen und italienischen Sprachkenntnissen stellt sich heraus, dass es ein Importfleisch ist, lediglich in Österreich verarbeitet“ schrieb uns die Kundin empört.

Berger holte in seiner Stellungnahme an uns weit aus. Von Mitbewerbern war die Rede von der Verfügbarkeit der Rohstoffe, erzielbaren Verkaufspreisen und dass die Herkunft des Fleisches auf Italienisch nur deswegen abgedruckt wird, weil es das italienische Kennzeichnungsrecht so vorsieht. Und dass es auch Schinken mit AMA-Gütesiegel geben würde, falls Kunden Wert auf 100 Prozent österreichische Rohstoffe legen.

Viele Siegel

Ja, es gibt Berger Schinken mit dem AMA-Siegel. Leider sind sie optisch kaum von den anderen Produkten zu unterscheiden und man muss schon sehr genau schauen, um bei all den auf den Verpackungen aufgedruckten Siegeln noch den Überblick zu behalten. Und dass das bei den Mitbewerbern ebenso ist und auch die Konkurrenz mit Farbbändern in Rot-Weiß-Rot winkt, obwohl die Rohstoffe nicht aus Österreich kommen, ist nur ein schwacher Trost.

Woher stammt das Fleisch?

Immerhin: Obwohl nicht gesetzlich vorgeschrieben findet sich beim Putenschinken von Berger inzwischen auch auf Deutsch der Hinweis auf die Rohstoff-Herkunft. Gelegentlich kommen dabei die Sachen ein bisschen durcheinander. „Ursprungsland: Ungarn, Polen, Deutschland, England“ steht nun auf der Rückseite unserer abgebildeten Verpackung. Auf Italienisch ist vermerkt: „Paese di provenienza Ungheria, Polonia, Germania, Brasile“. „Ursprungsland: Ungarn, Polen, Deutschland, Brasilien“. Also was jetzt: Kommen die Puten nun aus England oder aus Brasilien?

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Bild: VKI